Religionsfreiheit – muss das sein?

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte wurde am 10. Dezember 1948 von der Vollversammlung der UNO mit 48 zu null Gegenstimmen bei acht Enthaltungen, seitens muslimischer und kommunistischer Regierungen, beschlossen.

In der heutigen Diskussion gewinnt man sehr oft den Eindruck, als sei lediglich der Artikel 18, in dem neben der Meinungs- und Gewissensfreiheit auch von der Religionsfreiheit die Rede ist, von ausschlaggebendem Interesse.

Es hört sich so an, als sei ausgerechnet dieses Menschenrecht auf Religionsfreiheit das Wichtigste von allen. Wichtiger als zum Beispiel das Verbot von Folter und Sklaverei oder die Unantastbarkeit der Person und ihres Eigentums.

Bei der Berufung auf die Religionsfreiheit bilden sich erstaunliche Fronten. Das eher linke Spektrum bis weit in die Reihen von CDU/CSU hinein aber auch die römisch-katholische und evangelische Kirche pochen darauf, dass dieses Recht selbstverständlich auch dieser  nunmehr in nennenswertem Umfang in Europa aufgetauchten Religion, dem Islam, zustünde.

Aber es erinnern konservativ eingestellte Bürger, die zumeist islamkritisch eingestellt sind, eher daran, dass dieses Recht für den Islam im Gegenzug auch den anderen Religionen in von muslimischen Mehrheiten bestimmten Nationen zugestanden werden müsse.

Bei dieser zweiten Betrachtungsweise kommen wir dem ursprünglichen Sinn von Religionsfreiheit schon beträchtlich näher. In einer politischen Landschaft, die seit dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 (siehe wikipedia) durch den Grundsatz „cuius regio, eius religio“ gekennzeichnet war, stellte die prinzipiell mögliche Abnabelung von der Religion des Herrschers in der Tat einen gewaltigen Fortschritt dar, von dem islamische Länder in aller Regel weit entfernt sind. Mit anderen Worten: nicht der Staat hat zu bestimmen, nach welchem Ritus sich ein Paar trauen darf, sondern das Paar selbst. Solange es keine Zivilehe gab (erst unter Bismarck eingeführt) war dies ein bemerkenswerter Fortschritt. Eine in diesem Sinne verstandene Religionsfreiheit bedeutet im Grunde nichts anderes als eine Vorstufe dessen, was wir heute als Laizität des Staates verstehen. Er hat sich aus dem positiven oder negativen Bekenntnis seiner Bürger herauszuhalten. Wird dagegen heute von Religionsfreiheit gesprochen, so wird man mit der Nase darauf gestossen, dass damit nur die die Erhaltung und Festigung von Privilegien gemeint ist.

Laizität (am Beispiel Tunesien)

Umso erfreulicher ist es, dass in einem islamischen Land, Tunesien, eine machtvolle Demonstration für die Laizität des Staates („I laïque Tunisia“) stattgefunden hat.

Den rund 15.000 Manifestanten ging es – wie das hochgehaltene Transparent in bestechender Kürze und Eindeutigkeit zeigt –  um die Toleranz zwischen den Weltanschauungen und die Aufhebung der staatlichen Bevorzugung einer einzigen Religion.

Gleichzeitig geht aber auch um die negative Religionsfreiheit – der junge Mann ist Atheist – und die echte Gleichberechtigung von Mann und Frau. Und all das in einem einzigen Plakat, in einem einzigen Wort vereint. Vergleichbares war in keinem anderen der von Revolutionen erschütterten Länder zu vernehmen.

Natürlich gibt es auch in Tunesien Bewegungen konservativer Muslime, die von der Einführung eines Emirats träumen, doch scheint die Zeit über sie hinweggegangen zu sein. Die angedachte Aktion junger Frauen, den aus dem Exil zurückkehrenden Terroristen Rachid al-Ghannouchi am Flughafen im Bikini zu begrüßen, um ihm zu zeigen, wie das moderne Tunesien aussieht, scheiterte lediglich an den Wetterbedingungen. So wurde ihm nur entgegengehalten: „Allah schafft keine Jobs“ – auch dies eine bemerkenswerte Aussage, die nicht unbeobachtet blieb. Die Extremisten erhielten zwar in den Wahlen vom 23. Oktober eine erschreckend hohe Stimmenzahl, doch betonen sie unablässig, die derzeit bestehenden Freiheiten nicht antasten zu wollen. Wohl zu recht wird dies nicht wirklich von den meisten geglaubt, wie in dem guten Kommentar von Abdelhamid Gmati „Croire ou ne pas croire“ in lapresse.tn deutlich wird.

Meinungs- und Gewissensfreiheit

Das allgemeiner gefasste Prinzip der Meinungs- und Gewissensfreiheit, wie es etwa von dem Aufklärer Diderot vorgetragen wurde, und das in der französischen Revolution seinen Niederschlag fand, hätte im Grunde bereits zu diesem Zeitpunkt eine Diskussion über die Frage der Religionsfreiheit als Unterabteilung der viel weiter gefassten Meinungsfreiheit überflüssig gemacht.

Ein Beispiel kann verdeutlichen, wie schnell die beiden Freiheiten auf Kollisionskurs gelangen können. In einem „schwach-islamischen“ Land wie Tunesien bestand und besteht für bekennende Juden und Christen staatlich garantierte Kultusfreiheit.

Moscheen und Kirchen werden wegen der latent immer vorhandenen Extremismusgefahr gesondert bewacht und beschützt. Wenn man einmal davon absieht, dass laut gültiger Verfassung nur ein Moslem Staatspräsident werden kann, herrscht eine für ein muslimisches Land erstaunliche Religionsfreiheit.

Trotzdem hätte sich wohl niemand vor dem 14. Februar 2011 getraut, eine Meinung zu äußern etwa der Art, Mohammed sei wegen seiner Heirat mit der neunjährigen Aische nach moderner Rechtsauffassung ein Pädophiler. Er hätte wohl erhebliche Probleme mit der Religionspolizei bekommen. Hier steht eindeutig die „Religionsfreiheit“, die sich bereits damit als ein Privileg dekuvriert, oberhalb der Meinungsfreiheit angesiedelt.

Der Sonderfall, wenn ein Ausländer eine muslimische Tunesierin heiratet, wurde bereits vor knapp einem Jahr ausführlich dargestellt * (Liebe unter dem Halbmond). Wenn sich dann in Deutschland ein islamischer Interessenvertreter und Lobbyist wie Aiman Mazyek hinstellt und den Politikern verkaufen will, „es gibt keinen Zwang im Glauben“, dann darf man ob dieser eigenwilligen Koranauslegung durchaus nachdenklich werden.

Ganz außerordentlich bedenklich und krass gegen die Menschenrechtserklärung positioniert stellt sich die Situation in „richtig“ islamischen Ländern wie Iran, Saudi-Arabien, Pakistan und Afghanistan dar, deren Rechtssystem weitgehend auf der Scharia basiert.

Drakonische Strafen für Ehebrecher, Homosexuelle oder Apostaten wie Steinigung, Auspeitschung oder Köpfung sind schlicht mit unserer Vorstellung von Menschenrechten nicht vereinbar, laufen aber gleichwohl unter „Religionsfreiheit“, da es schließlich die Religion ist, die diese Regeln vorschreibt. Solche Zustände sind dermaßen indiskutabel zu Beginn des dritten Jahrtausends hiesiger Zeitrechnung, dass an dieser Stelle wohl nicht weiter auf sie eingegangen werden muss.

Die Situation in Europa

Wenden wir uns also wieder der Situation in Europa mit seinen demokratisch verfassten Staaten zu. Man sollte meinen, dass die mit der französischen Revolution erreichte Entmachtung der absolutistischen Herrscher und der mit ihnen aufs heftigste kooperierenden christlichen Potentaten sich im Sinne einer vernünftigen Laizität des Staates verfestigt hätte.

Das Gegenteil ist der Fall. In zähem Kampf und mit geschickter Lobbyarbeit ist es den Kirchen, allen voran natürlich der römisch-katholischen in den letzten 200 Jahren gelungen, ihren Einfluss auf das gesellschaftliche Leben geradezu krakenhaft wieder auszudehnen.

Ihre Präsenz in der Öffentlichkeit und ihr Einfluss auf das politische Alltagsleben übersteigen dabei inzwischen bei weitem den prozentualen Anteil ihrer Anhänger. Hinzu kommen die Gier und die verfassungsrechtlich bedenkliche Forderung nach allgemein staatlichen Leistungen, die von jedem Mitbürger – gleich ob mit christlichem, muslimischem, jüdischem, atheistischem oder sonst welchem Bekenntnis – getragen werden müssen.

Der Koordinierungsrat säkularer Organisationen (KORSO) hat einen Teil der direkten, Zuwendungen in einem informativen Faltblatt zusammengestellt. Dass darüber hinaus jedoch jährlich Milliardenbeträge an die Kirchen fließen, damit diese sich mit ihren angeblichen karitativen Leistungen brüsten können, finden sich akribisch nachgewiesen im „Violettbuch“ vom Wissenschaftler Dr. Carsten Frerk.

Man kann festhalten, dass sich die Amtskirchen – anders als die Freikirchen – eine Position erarbeitet und teilweise gegen die Bestimmungen der Weimarer Verfassung und des Grundgesetzes erschlichen haben, die mit den Forderungen nach religiöser Neutralität des Staates nur noch entfernt etwas zu tun haben.

Wen nimmt es da wunder, wenn nun diese neue Religionsgemeinschaft Islam in ihren verschiedenen Formen daher kommt und für sich dieselben Privilegien einfordert, die den etablierten religiösen Gemeinschaften in Deutschland so ans Herz gewachsen sind?

Angesichts dieser neuen Herausforderung macht sich eine geradezu lethargische Hilflosigkeit breit. Wie viel darf man ihnen gewähren, wenn gleichzeitig bekannt ist, dass diese Religion sich anschließend nicht damit zufrieden gibt, still als Gemeinde der Moslems vor sich hin zu arbeiten und den Anhängern ein spirituelles Zuhause zu geben, sondern klare und weit darüber hinaus gehende Ziele der politischen Einflussnahme auf die Gesellschaft verfolgt, ganz so, wie es auch von den Kirchen praktiziert wird.

Wer da immer noch glaubt, man könne sich mit dem Islam rein theologisch auseinandersetzen, verfehlt die wirkliche Problematik. Es kann nicht darum gehen, sich gegenseitig Suren und Bibelzitate um die Ohren zu hauen, oder Diskussionen darüber anzuzetteln, welcher der propagierten Götter denn nun der bessere sei – nein: die Frage kann ausschließlich und nur politisch entschieden werden.

Doch zu einer Rückbesinnung auf die Werte der Aufklärung fehlen ganz offensichtlich die Kraft und der Wille bei den im Parlament vertretenen Parteien. Muss denn wirklich erst eine neue Revolution her, um dieses Problem zu lösen?

Deutschland hat die Chance zu einem grundsätzlichen Neuanfang leichtfertig nach der Wiedervereinigung verspielt, weil eben alles „schnell“ gehen musste und es wichtiger schien, den Einigungsvertrag umgehend abzuschließen. Die ursprüngliche Version des Art. 146 im Grundgesetz sah vor, dass das Deutsche Volk sich in freier Selbstbestimmung nach der Vollendung der Einheit eine neue Verfassung gibt und das Provisorium von 1949 ad acta legt.

Tatsächlich aber wurde das Grundgesetz praktisch unverändert in ganz Deutschland für verbindlich erklärt und jede Diskussion umgangen. Dem Umstand, dass Deutschland sich seit 1949, als es noch unter dem Eindruck der Kriegsereignisse und den Schwächen der Weimarer Republik stand, ganz erheblich verändert hat, konnte somit nicht Rechnung getragen werden.
Es hätte klargestellt werden müssen, dass die „Religionsfreiheit“ nicht als Deckmantel dienen darf, um Privilegien oder sogar ungesetzliche Machenschaften zu schützen wie es derzeit in der unseligen Fassung des Artikels 4 im Grundgesetz der Fall ist.

Eine solche Bereinigung hätte bereits bei der Präambel beginnen müssen, mit diesem unsäglichen Satz „Verantwortung vor Gott und den Menschen“, was angesichts einer deutlichen Mehrheit der Deutschen, die nicht mehr an einen persönlichen Gott glaubt, nur schwer vermittelbar sein dürfte.

Was hat eine bronzezeitliche Fiktion in einem weltlichen Gesetzestext zu suchen? Und das muss irgendwann weitergehen mit der Abschaffung der Körperschaften öffentlichen Rechts hin zu einer Organisation unter Vereinsrecht für Religionsgemeinschaften, Abschaffung der Präsenz in Ethik- und Fernsehräten, Schulkommissionen und vieles andere mehr, Abschaffung des staatlich bezahlten Religionsunterrichts an öffentlichen Schulen und Abhängen der christlichen Symbole in den der Allgemeinheit zugänglichen Räumen.

Bereits mit diesen Maßnahmen hätten sich einige Probleme erledigt. Um nur ein Beispiel zu nennen: Bei einer Organisation nach Vereinsrecht muss eine Satzung vorgelegt werden. Man stelle sich nun vor, Muslime organisieren sich dergestalt nach Maßgabe der Scharia und in der vorgelegten Vereinssatzung stünde, dass der Austritt aus dem Verein – die Apostasie – mit dem Tode zu bestrafen ist.

Es steht zu vermuten, dass dann auch dem heftigsten Befürworter von „Religionsfreiheit“ klar wird, dass hier etwas nicht stimmen kann. Man stelle sich des Weiteren vor, dieser Verein verlange von neu hinzutretenden Mitgliedern und auch ihren Kindern, sie müssten sich die Ohren abschneiden lassen, weil dies nun einmal vereinsrechtlich so festgelegt sei.

Und in Wahrheit wäre es noch schlimmer: sie verlangten nicht die Ohren, sondern schnippeln an den Genitalien der Mitglieder herum, was normalerweise unter Verstümmelung religionsunmündiger Abhängiger fiele, falls weithin anerkanntes Recht auf religiöse Gruppen angewendet würde.
Es ließen sich noch viele Beispiele anführen, bei denen erst eine vereinsrechtliche Betrachtung klar macht, wie viel von diesen unter „Religionsfreiheit“ segelnden Privilegien schlicht mit moderner Rechtsstaatlichkeit unvereinbar sind. Man mag einwenden, dass das ja „nur“ Muslime treffen würde, alles andere könne dagegen so weiter gehen wie bisher.

Dazu sollte man sich einmal die arbeitsrechtlichen Bedingungen anschauen, unter denen die Mitarbeiter in staatlich zu 95 Prozent finanzierten, aber von der katholischen Kirche geführten Krankenhäusern herrschen.
Apostasie wird zwar nicht (mehr) mit dem Tode bestraft, sondern „nur“ mit dem Verlust des Arbeitsplatzes, arbeitsgerichtliche Prozesse der Betroffenen dagegen enden in aller Regel mit einem Sieg der Kirche – wegen einer sogenannten „Religionsfreiheit“.

Das Grundgesetz

Neben der Präambel, die geändert gehört – zum Glück ist es ja den Vatikanparteien Deutschlands im Parlament nicht gelungen, diesen Unsinn auch noch in den Lissabon-Prozess einzubringen – muss endlich eine Diskussion um die Ausgestaltung von Artikel 4 Grundgesetzt angestoßen werde.

Die entscheidenden Punkte finden sich in Absatz 1 und 2:

1. Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.

2. Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.

Besonders der zweite Absatz stellt einen juristischen Stolperstein ersten Ranges dar, weil unter ihm so ziemlich alles subsumiert werden kann, was den Religionsgemeinschaften gerade so in den Sinn kommt.

Es gibt keine ausdrücklich genannten gesetzlichen Beschränkungen. Das Mindeste, das erreicht werden müsste, ist ein Zusatz in diesem Grundgesetzartikel, wie er sich im UN-Zivilpakt aus dem Jahr 1993 findet:

Die Freiheit, seine Religion oder Weltanschauung zu bekunden, darf nur den gesetzlich vorgesehenen Einschränkungen unterworfen werden, die zum Schutz der öffentlichen Sicherheit, Ordnung, Gesundheit, Sittlichkeit oder der Grundrechte und -freiheiten anderer erforderlich sind.

Oder in anderen Worten ausgedrückt: „Alles, was den Bürgern eines Staates erlaubt ist, soll auch gläubigen Bürgern erlaubt sein – und nicht mehr“.

Eine dergestalt begründete Eingrenzung in die allgemeinen zivil- und strafrechtlichen Bestimmungen könnte die zu beobachtenden Auswüchse verhindern – zumindest eindämmen – und böte gleichzeitig den nicht zu unterschätzenden Vorteil, dass der Islam sich nicht auch noch die Privilegien einverleibt, die den anderen derzeit zur Verfügung stehen.

Wenn man davon überzeugt ist, dass ein solcher Verfassungszusatz ein dringliches Desiderat darstellt, sollten die zu ihrem Inkrafttreten erforderlichen Maßnahmen von den humanistischen Institutionen – notfalls auch auf dem Petitionsweg – umgehend eingeleitet werden. Auf Unterstützung durch die kirchliche Lobby wird man dabei aber wohl verzichten müssen.

Somit steht für mich fest: Die Religionsfreiheit, in dem Sinn wie sie heute ausgebeutet wird, gehört abgeschafft

* Eine kleine Ergänzung zu Tunesien: Das Dekret 73, das Tunesierinnen vorschrieb, nur Moslems heiraten zu dürfen, wurde ausser Kraft gesetzt. Und auch ansonsten sind nunmehr alle Regelungen, die Frauen diskriminieren (Ehe-, Familien- und Erbrecht, uam.) inzwischen durch neue Gesetze ausgemerzt worden.

 

 

 




Immanuel Kant *22.4.1724

Da unser Blog, wie schon aus dem Namen hervorgeht, sich in ganz besonderer Weise dem aufgeklärten Wissen verschrieben hat, liegt es nahe, gelegentlich Bezug zu Denkern herzustellen, die dies ebenfalls als Motto ihres Wirkens in der Geistesgeschichte getan haben.

Da trifft es sich gut, dass wir heute – nur fünf Tage nach unserem Start – des Geburtstags eines Mannes gedenken können, der wie kaum ein anderer das kritische Denken einer ganzen Philosophenepoche befruchtet und beeinflusst hat. Es ist hier nicht der Ort, sich mit seinem Hauptwerk, der „Kritik der reinen Vernunft“, philosophisch auseinanderzusetzen, das sei für später vorbehalten, doch möchten wir nicht versäumen, einen großen Aufklärer zu ehren, dem der freie menschliche Geist fernab aller Dogmen und geistigen Beschränkungen das höchste Gut darstellte. Zwei Zitate sollen dies dokumentieren:

 „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere au de! Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung."

"Wer einmal Kritik gekostet hat, den ekelt auf immer alles dogmatische Gewäsche an".

Schwierig vorstellbar, dass dieser Mann immer wieder von den verschiedenen Religionen und Konfessionen als „einer der ihren“ eingespannt wurde und wird. Kaum jemand in seiner Zeit könnte den etablierten Organisationen der religiösen Kulte ferner stehen als dieser Vordenker der geistigen Freiheit.

Mehr biographische Einzelheiten entnehmen Sie bitte http://hpd.de/node/1693




Gibt es Gott? – Warum sollte es?

GottWie an anderer Stelle  gezeigt wurde, enthält der christlich-monotheistische Gottesbegriff innere logische Widersprüche, die zur Folge haben, daß es einen so beschaffenen Gott nicht geben kann. Ein in geeigneter Weise veränderter Gott, bei dem diese Widersprüche nicht mehr auftreten, könnte zwar theoretisch existieren, ist aber, wie der vorliegende Aufsatz darlegen wird, alles andere als wahrscheinlich.

Im Folgenden werden in zwangloser Reihenfolge Betrachtungen angestellt, die auf die erwähnten Widersprüche nicht Bezug nehmen, dennoch aber Gottes Plausibilität untergraben. Außerdem werden einige Argumente entkräftet, die häufig zugunsten Gottes ins Treffen geführt werden.

Zur Unwiderlegbarkeit Gottes

Wenn Theisten mit Atheisten diskutieren, hört man von ersteren immer wieder das Argument, daß man Gott nicht widerlegen kann. Wenn man die erwähnten Widersprüche – die sich ja durch entsprechende Änderungen in seinen Eigenschaften auch vermeiden lassen – außer Acht läßt, dann stimmt das auch, denn ein solcherart bereinigter Gott ist tatsächlich nicht streng widerlegbar. Es könnte ihn also auch geben.

Denen, die so argumentieren, fällt üblicherweise jedoch selbst nicht auf, wie erbärmlich schwach ihr Argument ist. Nicht widerlegbar zu sein, ist nämlich überhaupt nichts Besonderes.

Zeus und Poseidon, Rübezahl und Schneewittchen, der Osterhase und der Weihnachtsmann sowie das Spaghetti-Monster sind alle nicht streng widerlegbar, was ihre Existenz aber nicht viel plausibler macht. Unwiderlegbare Phantasie-Objekte kann sich jeder mühelos in beliebiger Anzahl ausdenken.

Aus diesem Grund gilt die Regel, daß die Beweislast bei Existenz-Behauptungen grundsätzlich bei denjenigen liegt, die diese Behauptung aufstellen, und nicht bei jenen, die keinen Grund sehen, sie für wahr zu halten. Somit kann man die Gottes-Behauptung so lange ignorieren, bis plausible Gründe vorgebracht werden, warum es Gott geben sollte.

Damit ist der Atheismus aber kein "Glaube, daß es Gott nicht gibt", wie oft fälschlich behauptet wird, sondern die standardmäßige Null-Hypothese. Bis sich an der Argumentationslage zugunsten Gottes etwas ändert, gibt es also keinen Grund, seine Existenz zu vermuten oder in irgendeinem Zusammenhang zu berücksichtigen.

Gott ist aber nicht nur nicht widerlegbar, was, wie gesagt, eine banale Eigenschaft ist, sondern er ist auch nicht widerlegungsfähig – und das ist ein gravierender Fehler der Gottes-Idee.

Die ist nämlich so beschaffen, daß kein Ereignis oder Sachverhalt denkbar wäre, aus dem man, falls es Gott wirklich nicht gibt, seine Nichtexistenz folgern könnte.

Was auch immer wir beobachten, was auch immer die Wissenschaft an neuen Erkenntnissen gewinnt – immer kann man sagen: "Das ist so, weil Gott das so geschaffen hat". Alles kann man auf diese Weise mit Gott in Einklang bringen oder wie manche Menschen sagen würden "erklären". Doch was alles "erklärt", erklärt nichts. Die Erklärungskraft Gottes für die Welt ist genau null.

Gott ist eben eine nicht-falsifizierbare Annahme. Eine solche darf in der Wissenschaft nicht gemacht werden, weshalb dort auch der so genannte "methodische Atheismus" gilt: Egal wie gläubig ein Wissenschaftler auch privat als Mensch sein mag, er dürfte dennoch niemals eine Theorie aufstellen, in der Gott vorkommt, denn die stünde damit automatisch außerhalb dessen, was man Wissenschaft nennt.

Für Philosophie und Alltag gilt dieser methodische Atheismus zwar nicht, aber auch hier ist nicht einzusehen, welchen Sinn eine solche Gottes-Annahme haben könnte. Es lassen sich aus ihr ja keinerlei brauchbaren Informationen ableiten. Sie wäre nur eine mutwillige Komplikation des Weltbildes aus irrationalen Gründen – und somit verzichtbar.

Das Ergebnis eines Denkfehlers: Der Schöpfer-Gott

Für viele naive Menschen ist der Gedanke naheliegend, ja zwingend, daß alles, was existiert und was ihnen schön oder zweckgerichtet erscheint, von irgendeinem lebenden Wesen geschaffen wurde.

Von selbst entsteht so etwas ja nicht. Man kann die Atome, aus denen eine Uhr besteht, noch so lange in einer Box schütteln, es wird nie eine Uhr daraus. Die kann es nur geben, wenn ein Uhrmacher sie mit Verstand und Geschick herstellt. Philosophisch formuliert: Alles Komplexe braucht einen noch komplexeren Urheber, der es geschaffen hat.

Für die Uhr trifft das natürlich auch zu, nur ist die eben ein sehr schlechter Vergleich für das, was wir in der Natur vorfinden: Sonne, Mond und Sterne, die Erde mit Gebirgen und Meeren, Tiere, Pflanzen und schließlich den Menschen.

Auch diese Dinge entstehen natürlich nicht aus Zufall, wohl aber durch das kombinierte Wirken des Zufalls und der Naturgesetze. Wie das im einzelnen vonstatten geht, das zu erforschen ist Aufgabe der Wissenschaft, die dabei bisher schon sehr große Erfolge erzielt hat. Vieles ist freilich auch heute noch nicht oder nicht genau geklärt, aber es besteht keinerlei Anlaß daran zu zweifeln, daß Zufall und Gesetzmäßigkeit auch die Erklärung für alles das sind, was wir erst in Zukunft verstehen werden.

Demgegenüber ist der Schluß auf einen Schöpfer-Gott, der das alles gemacht hat, nicht nur unnötig, sondern auch mit einem Denkfehler behaftet. Wäre es nämlich wahr, daß alles Komplexe eines noch komplexeren Schöpfers bedarf (so wie der Uhrmacher ja viel komplexer ist als die von ihm gefertigte Uhr), dann müßte das ja für Gott auch gelten. Wenn schon die uns vertrauten Dinge nicht von selbst entstehen können, weil sie dafür zu großartig sind, so wäre das von dem noch viel großartigeren Gott erst recht nicht anzunehmen. Welcher Über-Schöpfer hat also Gott geschaffen?

Nimmt man einen solchen an, dann müßte auch der wiederum das Geschöpf eines Über-Über-Schöpfers sein und so weiter ad infinitum. Da diese Kette nicht abreißt und es somit keinen höchsten gibt, ist auch derjenige nicht darunter, den die christliche Theologie Gott nennt.

Auf den käme man nur, wenn man diese Kette abreißen läßt und sagt: "Alles muß geschaffen worden sein und wurde auch geschaffen und zwar von Gott. Gott aber wurde nicht geschaffen, der ist eine Ausnahme von der Regel und war immer schon da." Damit aber wird zugegeben, daß die Regel nicht streng gilt und somit auch keine sicheren Schlußfolgerungen erlaubt. Statt Gott könnte ja beispielsweise auch die Welt schon immer ungeschaffen vorhanden gewesen sein. Wo man die Kette abreißen läßt, ist ja beliebig.

Die Regel, wonach alles von einem Schöpfer stammen muß, führt also zu einer unendlichen Kette von Personen, die alle nicht Gott sind. Um den postulieren zu können, muß man diese Regel im Verlauf der Argumentation wieder zurücknehmen, wodurch sie aber hinfällig wird. Als Argument für Gott ist sie somit völlig ungeeignet.

Der überflüssige Jenseits-Gott

Die Frage, ob der Mensch eine unsterbliche Seele hat, die seinen körperlichen Tod überlebt, oder nicht, wird nicht nur seit Jahrtausenden von Philosophen erörtert, sondern wohl auch von jedem Menschen im Laufe seines Lebens bisweilen nachdenklich erwogen. Es ist eine Frage, die viele beschäftigt und die kaum jemand unerheblich findet, egal welche Antwort darauf er für die richtige hält. Hinge die Antwort vom Willen des Menschen ab, so würden sicherlich die meisten zugunsten des Weiterlebens optieren. Aus diesem Grund werden Religionen, die genau das versprechen, von ihren Anhängern durchwegs als tröstlich empfunden.

Welche der beiden logisch möglichen Antworten die richtige ist, soll hier keiner Klärung nähergebracht werden. Das ist ein anderes Thema. Hier geht es allein um die Rolle, die Gott dabei spielt.

Streng genommen gibt es allerdings keinen Grund, warum er dabei überhaupt irgendeine Rolle spielen sollte, denn die Jenseits-Frage ist von der Gottes-Frage logisch völlig unabhängig. Alle vier Kombinationen sind denkbar: Gott und Jenseits, weder Gott noch Jenseits, Gott aber kein Jenseits und Jenseits aber kein Gott.

Damit ist das Thema aber noch nicht abgehakt, denn Menschen, die an Gott glauben, weil sie an ein Jenseits glauben wollen, das sie sich ohne Gott nicht vorstellen können, sind alles andere als selten. Was bringt sie zu dieser Einstellung?

Ein wichtiger Punkt ist sicherlich, daß etliche bedeutende Religionen (wie etwa die christliche) beides lehren. Wer keinen Grund sieht oder außerstande ist, da zu differenzieren, nimmt einfach die im Kombi-Pack angebotene weltanschauliche Ware aus dem religiösen Supermarkt-Regal und konsumiert sie ohne sich viele Gedanken zu machen. Bei echten Gläubigen macht das auch keinen Unterschied, denn die würden auch beides separat kaufen zusammen mit allem anderen, was auf dem für ihre Konfession bestimmten Regal steht.

Zum Problem wird das erst, wenn atheistische Argumente beginnen, Einfluß auf einen Theisten zu nehmen. Nach und nach wird ihm immer klarer, daß Gott überaus unwahrscheinlich ist und es keinen vernünftigen Grund gibt, an seiner Existenz festzuhalten. Aber die Angst, damit auch das Jenseits zu verlieren und beim Tod einfach ausgelöscht zu werden, führt zu einer Denk-Blockade.

Solche Menschen sagen dann beispielsweise am Ende einer Diskussion, wohl wissend, daß sie keine Argumente mehr haben: "Laß mir meinen Glauben an Gott, mir graut vor der Alternative". Dabei geht es in Wirklichkeit fast immer um das Jenseits und nicht um Gott, dessen Verlust man viel leichter verschmerzen könnte, weil er, mag es ihn nun geben oder nicht, ganz offensichtlich ohnedies nicht in Erscheinung tritt.

Würde den Menschen allen klar, daß der Atheismus über die Jenseits-Frage überhaupt keine Aussage macht, dann gäbe es wohl viel mehr Atheisten.

 Die "Gottlosigkeit"

Das Wort "gottlos" ist von seiner Denotation her eigentlich ein ganz neutraler Ausdruck. Es besagt soviel wie "nicht mit Gott im Zusammenhang stehend". Jede Formel aus Mathematik, Physik oder Chemie beispielsweise ist gottlos, denn Gott kommt in ihr nicht vor.

Allerdings hat dieses Wort "gottlos" auch eine Konnotation. Für viele Menschen (auch solche, die gar nicht an Gott glauben) ist es gleichbedeutend mit bösartig, unmoralisch, verwerflich oder ähnlichem. Um das zu bewerkstelligen, haben die Religionen lange und erfolgreich Propaganda und Verleumdung betrieben.

Sachlich ist diese Konnotation nämlich überhaupt nicht berechtigt. Auch wenn bezüglich mancher Details keine Einigkeit darüber besteht, was genau alles gut oder böse ist, gibt es doch im großen und ganzen einen sehr weitgehenden Konsens zwischen den meisten Menschen. Und dabei zeigt sich, daß das Wissen, ob jemand Theist oder Atheist ist, keinerlei Vorhersage darüber erlaubt, in welchem Ausmaß sein Handeln von seinen Mitmenschen als gut oder böse einzustufen wäre.

Das kann auch nicht verwundern. Die menschliche Moral ist – wenn man von zufallsbedingter statistischer Streuung absieht – primär biologisch und kulturell bedingt. Viele religiöse Verhaltens-Gebote sind deshalb gar keine zusätzlichen, sondern bloß solche, die es auch ohne diese Religion gäbe. Zusätzlich ist nur ihre religiöse Begründung.

Daß Gott im alten Testament beispielsweise das Stehlen verboten hat, kümmerte alle jene Kulturen, die davon gar nichts wußten, nicht im Mindesten. Trotzdem galt das Stehlen auch in diesen durchwegs als unmoralisch.

All die Greuel, die im Laufe der Geschichte im Namen irgendeines Gottes begangen wurden, brauchen hier gar nicht erwähnt zu werden. Auch wenn es die nie gegeben hätte, wäre die Behauptung, daß der Mensch einen Gott braucht um sich moralisch zu verhalten, eine pure Anmaßung.

Der beste Job – leider schon vergeben

Menschen und Tiere haben ein mühsames und oft unerfreuliches Dasein. Sie müssen immer wieder leiden und schließlich sogar sterben.

Für Gott trifft das nicht zu. Ihn kann weder Leid noch Tod treffen und zudem hat er noch Eigenschaften, die so großartig sind, daß wir Menschen sie uns kaum vorstellen können. Er weiß und kann so viel, daß Theologen gerne die Wörter "Allmacht" und "Allwissenheit" verwenden. Auch sein moralischer Leumund ist makellos und alle Wesen auf der Welt sind von ihm geschaffen worden und müssen ihm dafür dankbar sein.

Wahrlich, Gott zu sein ist ein höchst erstrebenswerter Umstand, der aber keinem außer diesem einen zuteil wird. Dazu kommt noch, daß Gott diese grandiose Position schon seit Ewigkeit innehat. Niemand hat ihm dazu verholfen, deshalb schuldet er auch keinem Dank dafür. Er braucht sie auch mit niemandem zu teilen. Er allein ist der absolut Höchste und unvergleichlich großartig.

Wenn man das alles bedenkt, so drängt sich allerdings die Frage auf, was Gott denn geleistet hat, um sich all das zu verdienen. Die Antwort ist klar: Er hat nichts dafür geleistet und konnte auch nichts dafür leisten, da er ja immer schon Gott war.

Andere Wesen hingegen können sich noch so sehr mühen und plagen, sie haben dennoch nicht die mindeste Chance, an Stelle des gegenwärtigen Inhabers diese Gottes-Position zu übernehmen oder auch nur eine gleichwertige Funktion neben ihm zu erhalten. Das ist für alle Ewigkeit ausgeschlossen.

Zwar deutet nichts darauf hin, daß es Gott tatsächlich gibt, aber eines ist klar: Gäbe es ihn, dann wäre das die größte nur vorstellbare Ungerechtigkeit. 

 

 

 

 

 




Der Falschspieler – von Jonathan

Dieses Thema handelt von der christlichen Vorstellung der Anfänge der angeblich von Gott geschaffenen Welt und des kurz darauf eintreffenden Übels, scheinbar ausgelöst von einer Person, die als Satan der Teufel in der Bibel beschrieben wird.

Ich selbst verstehe es als kritische Hinterfragung, wenngleich es als purer Spott, vielleicht sogar Hass in den Augen eines eifrigen Theisten gesehen werden dürfte.

Wie auch immer sie aufgefasst wird, mir liegt es fern, jemanden mit meinen Aussagen zu kränken oder auf den Schlips zu treten, jedoch befürchte ich, dass sich eben dieses nicht vermeiden lassen wird im Zuge der Auseinandersetzung mit dem Thema.

In diesem Fall möchte ich darum bitten, meine Intention, nämlich die kritische Hinterfragung, zu berücksichtigen und sich die eine oder andere Äusserung vielleicht nicht ganz so sehr zu Herzen zu nehmen.

Doch bevor ich beginne meine Gedanken darzulegen, möchte ich noch einmal darauf hinweisen, dass es sich nur um eine These handelt.

Und da eine These eine Behauptung ist, deren Begründung infrage steht, hoffe ich, dass auch mit dieser als einer solchen umgegangen wird. Sie ist infrage zu stellen.

Vorab ein paar Worte zu einem der beiden „Protagonisten“, Satan.

Wer oder was ist eigentlich Satan? Man kennt ihn unter den verschiedensten Kosenamen. Gog von Magog, Urschlange, Teufel, Belzebub, und und und.

Die Bezeichnung „Satan“ kommt aus dem Hebräischen und bedeutet so viel wie „Widersacher“. In der Bibel wird er auch Ankläger Gottes genannt, wie aus Sacharja 3:1 hervorgeht, wo gesagt wird, dass Gott dem Satan verbietet, eine Anklage vorzubringen. Auch die Bezeichnung Zweifler ist sehr treffend. Das zeigt das erste Kapitel im Bibelbuch Hiob, in welchem Satan Hiobs Lauterkeit anzweifelt. Und wie wäre es mit Versucher? Passt hervorragend, wenn man im Hinterkopf behält, dass er ja Jesus auf einem Berg drei Mal hintereinander versuchte (Nachzulesen in Matthäus 4:1-11).

Scheinbar ein ziemlich fieser Kerl. Na ja, es kommt sicherlich auch nicht von ungefähr, dass man ihn für alles Übel auf der Welt verantwortlich macht, wenn man bedenkt, dass er ja im Garten Eden die erste Frau dazu veranlasste, vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse zu essen und somit Unvollkommenheit inklusive Sünde über die Menschheit brachte.

(In den Hebräischen Schriften aber bezieht sich das Wort ßatán nicht nur auf das Geistgeschöpf, welches sich als Gegner Gottes darstellt. In vielen Fällen bezeichnet es Personen, die Widerstand gegen andere leisteten, aber das nur am Rande.)

Kurze Beschreibung abgeschlossen, widmen wir uns der Person des Satans in der Bibel.

Die sicherlich bekannteste Stelle ist die, in welcher er durch eine Schlange Adam und Eva dazu treibt, vom bereits genannten verbotenen Baum zu essen.

Was hat er damit ausgelöst?

In Kurzform wurde es bereits gesagt, Unvollkommenheit und die damit einhergehende Sünde waren die Konsequenzen. Doch was war das genau? Was geschah dort eigentlich, wenn man ein wenig hinter die Geschichte blickt, die man so leichtfertig dahersagt?

Mal ins Details gegangen:

Gott schuf den Garten Eden. Garten wird in der Septuaginta (der ersten griechischen Bibelübersetzung) mit paradeisos wiedergegeben, was auf ein Paradies schließen lässt.

Gott schuf also dieses Paradies, und, vollkommen und perfekt wie Gott nun einmal ist, sollte man davon ausgehen, dass das, was er schafft, auch perfekt durchdacht und schlichtweg gut ist. Und wenn schon nicht ganz perfekt, dann zumindest richtig super konstruiert. Nun aber kam die Feuertaufe – Die Urschlange. Aber halt!

Brustsilikonimplantate.

Brustimplantate aus Silikon? Was haben die denn nun mit dem Garten Eden und dem Sündenfall zu tun?

Eine ganze Menge. Bevor Brustimplantate auf den Markt kommen, werden sie Tests unterzogen. Sie werden z. B. bis zu 10.000 Mal zusammengepresst, was die normalen Belastungen simulieren soll. Sind sie vor Abschluss des Tests beschädigt, landen sie auf dem Müll – Test nicht bestanden. Also heißt es, die Sache zu verbessern. Man setzt sich hin, prüft intensiv, schaut nach, wo die Schwachstellen sind und versucht sie auszubessern, sodass das Endprodukt möglichst perfekt wird – immerhin steht die Gesundheit von Menschen auf dem Spiel.

Durch Tests ein möglichst gutes Endprodukt erstellen und somit keine Leben bzw. Gesundheit gefärden, lautet die Devise.

Eine selbstverständliche Sache – zu selbstverständlich für Gott?

Fakt ist, dass seine Schöpfung, das wohl größte Werk seiner allmächtigen Kraft durch einen Windhauch (oder ein paar gehauchte Worte…) ins Wanken und schließlich zu Fall gebracht wurde.

Seine Schöpfung hielt schon dem allerersten Test nicht stand.

Recht bezeichnend, möchte ich meinen. Ist Satan nun dafür zu verdammen, dass er Gottes offensichtlich recht fehlerhafte Schöpfung testete, dass sie so konstruiert war, dass sie nicht einmal ein paar Worten standhalten konnte?

Ist Satan wirklich für so viele Taten zu verdammen? Ist er das große Übel, das Böse dieser Welt?

Das ist die Frage, die sich wie ein roter Faden durch meinen Essay zieht.

Ist Satan wirklich dieses Böse?

Um ein wenig Form in das Ganze zu bringen, möchte ich nun gern eine Gliederung angeben.

Im Folgenden werde ich mich mit zwei großen Oberpunkten befassen. Der erste handelt Von der satanischen Göttlichkeit.

Zu diesem Oberpunkt gehören wiederum zwei Unterpunkte, nämlich

  1. Die satanischen Gottesvergleiche oder Die göttlichen Satansvergleiche
  2. Gottes satanische Taten

Nach diesem ersten großen Oberpunkt folgte der zweite, mit dem Titel Des Guten Bosheit.

In diesem Abschnitt werde ich mich mit näher mit Gottes Wirkung und seiner Person beschäftigen.

Nach der Abhandlung beider Punkte werde ich ein Resumèe aus dem Gesagten ziehen.

Doch nun zum ersten Oberpunkt.

Von der satanischen Göttlichkeit

1. Die satanischen Gottesvergleiche oder Die göttlichen Satansvergleiche

In diesem Abschnitt geht es um, wie aus der Überschrift ganz klar hervorgeht, Vergleiche. Ich werde in diesem Abschnitt 2 Vergleiche aufstellen, zwischen Taten Satans oder zumindest Taten, welche man als satanisch bezeichnen würde, und Gottes Taten.

A.) Die Massenmorde

Herodes, Judäa’s König zur Zeit der Geburt Jesu, war kein  netter Typ. Er wollte Jesus, welcher als Thronfolger prophezeit war, fix aus dem Weg räumen. So schickte er einige Männer los, die Jesus ausfindig machen sollten. Ein heller Stern zeigte ihnen den Weg. Interpretationen zur Folge hatte Satan diesen Stern auf den Plan gerufen, damit Gottes Sohn gefunden und getötet werden könnte.

Als dieser Plan missglückte, lies Herodes alle Kinder im Alter von bis zu zwei Jahren töten, mit der Hoffnung, Jesus zu erwischen. Somit wollte er sich seine Herrscherstellung sichern.

Eine widerliche Greueltat sonder Gleichen. Die Ermordung Unschuldiger, ein wahrer Massenmord an Personen, die mit dem Geschehen nichts zu tun hatten.

Wahrhaft teuflisch.

Ein weiterer, nicht so ganz netter Kerl war ein gewisser Pharao aus Ägypten. Vor diesen Pharao traten Moses und Aaron mit der Bitte, die Israeliten, Gottes Volk, aus ägyptischer Gefangenschaft ziehen zu lassen.

Nach der Weigerung des Pharaos, kam es schließlich zu den 10 Plagen, die Gott über Ägypten brachte.

Eine dieser Plagen war der Mord aller Erstgeborenen Ägyptens.

Die Ermordung Unschuldiger, ein wahrer Massenmord an Personen, die mit dem Geschehen nichts zu tun hatten.

Wahrhaft.. hm.. Göttlich?

B.) Die Prüfungen

Da war ein Mann namens Hiob. Allem Anschein nach ging es ihm gar nicht so schlecht, er hatte ein Haus, Kinder, Frau, Vieh zum Weiden und er glaubte fest, mit ganzem Herzen an Gott.

Satan stellte die Behauptung auf, das Eine resultiere aus dem Anderen, sprich: Hiobs Glaube an Gott sei so unerschütterlich und fest, gerade weil es ihm so gut ginge. Nähme man ihm alles weg, würde er Gott sicherlich verfluchen.

Gott nun fiel auf diese Provokation blauäugig herein und willigte ein in dieses teuflische Spiel.

Hiob 1:12 sagt deutlich, worum es geht. Dort heißt es:

„Da sprach der Herr zum Satan: Siehe, alles, was er hat, sei in deiner Hand; nur nach ihm selbst strecke deine Hand nicht aus!(…)“ (Schlachterübersetzung)

Gott willigte ein, dass Hiob, einem Mann, welcher ihn (Gott) liebte, einem ergebenen Diener, alles weggenommen werden darf.

Und so geschah es. Verfolgt man den Bibelbericht, wird deutlich, was genau Gottes Einverständnis auslöste: Hiobs Vieh wurde verbrannt (Die Bibel spricht hier davon, dass ein Augenzeuge dieses Feuer interessanterweise „das Feuer Gottes“ nennt), seine Kinder starben, ermordet und durch eine Naturkatastrophe dahingerafft, Hiob selbst wurde von einer schrecklichen Krankheit geschlagen, drei seiner Freunde warfen ihm vor, ein schlechtes Leben geführt zu haben und am Ende war sogar seine Frau gegen seine Liebe zu Gott.

Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass ihm alles genommen wurde. Zwar genommen von Satan, welcher all das veranlasste, jedoch unter der schützenden Hand Gottes. „Alles, was er hat, sei in deiner Hand.“ „Mach ruhig, du darfst das, Satan, du hast meine Erlaubnis, diesem Mann (der einer meiner treuen Diener ist) Schlechtes zu tun.“

Und warum das alles?

Einzig und allein, um Hiobs Lauterkeit zu testen. Um Hiobs Lauterkeit vor Gottes Feind zu testen (was direkt bedeutet, dass Hiobs Wohlergehen von Gott als geringer angesehen wurde als die Notwendigkeit, sich selbst vor Satan zu beweisen).

Wie schön, dass Gott diesen Test über Hiob ergehen lies, ihn versuchte, so ist seine Lauterkeit weiterhin ein Vorbild.

Eines Tages streifte Jesus durch die Wüste, allein. Er fastete vierzig Tage und vierzig Nächte. Schließlich kam Satan zu ihm und stellte ihn auf die Probe. Er nutzte Jesu Bedürfnisse als Sprungbrett für seine Versuchungen.

Widerlich, den leidenden Jesus in so einer Situation auch noch zu versuchen.

Wie kann man nur eine so lautere Person wie Jesus Versuchen? Teuflisch, dieses Werk der Versuchung!

Was zeigen diese Vergleiche?

Nun, im ersten Vergleich, wo es um die Massenmorde geht, wird deutlich, dass zum Einen Gott selbst zig Unschuldige dahinrafft, was scheinbar als richtig betrachtet wird.

Die gleiche Tat von jemand anderem ausgeübt wird als furchtbare Handlung offenbar.

Warum? Beide Male wurden unzähige Unschuldige schier abgeschlachtet!

Im zweiten Vergleich, wo es um die Prüfungen geht, fungierte im Falle Hiobs Satan als verlängerter Arm Gottes, Gott selbst legte alles in Satans Hand um Hiob zu prüfen. Gott wird nicht angeklagt.

Als Satan jedoch auf eigene Faust einen Menschen prüfte, wird er verpönt. Sogar, obwohl dieses Mal keine unschuldigen Kinder und Tiere vom „Feuer Gottes“ geschlachtet wurden.

Warum?

Wie kommt es, das Satans Taten als schlecht abgetan werden, wenn doch klar auf der Hand liegt, dass Gott zum Einen genauso handelte oder aber sogar noch schlimmer, wie im Fall Hiobs, als er sinnlos seine Kinder, die Menschen, sterben lies, nun aber Gottes Taten nicht als schlecht angesehen werden?

Satans Bosheit, in Relation zu Gottes Taten, gerät hier sehr ins Wanken.

Vielleicht aber ist es auch Gottes Göttlichkeit, welche im Vergleich zu Satan schief zu stehen scheint.

Dazu später mehr, wenn es um Gottes Eigenschaften geht.

2.) Gottes satanische Taten

Was bedeutet eigentlich satanisch? Ein Synonym, was das Internet für „satanisch“ ausspuckt, ist „infernalisch“.

Infernalisch kommt von dem Wort Inferno, welches „Hölle“ bedeutet. Das Wort Inferno bietet eine gute Einleitung in die erste einer Aufzählung von Taten Gottes (oder göttlichen Taten).

  • Ein wahres Inferno. Feuer und Schwefel regneten vom Himmel. Die Städte Sodom und Gomorra wurden wortwörtlich dem Erdboden gleichgemacht.Ein göttlicher Genozid, sämtliche Einwohner sterben. Göttlich?
  • Samaria.Von Gott für schuldig gehalten, die Kinder zerschmettert, die schwangeren Frauen aufgeschlitzt. Ein göttlicher Richtspruch. Göttlich?
  • Massenhafte Ermordung von Kindern, Alten, Frauen, Männern. Angeordneter Massenmord im Feldzug gegen Amalek. Göttliche Anordnung. Göttlich?
  • Religionsfreiheit. Eine Reihe von Israeliten wandte sich von Gott ab und betete einen Anderen an. So lies Gott 3000 Menschen zu Tode kommen. Ein göttliches Urteil. Göttlich?
  • Die bereits genannte Ermordung aller Erstgeborenen Ägyptens – Gott brauchte den Zuspruch des Pharaos um sein Volk zu befreien?! Eine göttliche Notwendigkeit, um zu morden. Göttlich?
  • Demokratie in der Ausübung der Religion: Mitglieder zweier Stämme versuchten, Priesterhandlungen demokratisch zu verteilen. Gottes Antwort auf diese Demokratie war die Ermordung von 250 Mitgliedern seines Volkes u. a. durch (göttliches) Feuer. Göttliche Alleinbestimmung. Göttlich?
  • Das Volk Israel beschwerte sich über die einseitige Ernährung, die Gott ihnen bescherte. Als Alternative (oder Rache?) wurden giftige Schlangen gesandt, die zig Israeliten töteten. Eine göttliche Strafe. Göttlich?
  • Massenhafte Ermordung vieler Stadtbewohner (z.B. derer aus Og oder Heschbon) durch Gottes Volk, die Aufzählung der Opfer besteht aus Kindern, Frauen und Männern. Göttlicher Krieg. Göttlich?
  • Gott schickt einen Engel aus, um ein assyrisches Heer von einer Stärke von 185000 Mann auszulöschen, was er auch prompt tut. Göttlicher Sieg. Göttlich?

Zwar wird in Lukas 22:31 davon gesprochen, dass Satan derjenige ist, der die Menschen wie Weizen sichten will, aber es hat doch eher den Anschein, als ob Gott hier die Sichel in der Hand hält und sie mit großzügigen Schwüngen herumreißt.

Diese Liste könnte man noch um zig Beispiele erweitern, Beispiele, welche stellvertretend für Gottes zahlreiche infernale (oder sollte ich satanische sagen?) Rache und Urteile über seine Kinder stehen.

Warum hat er diese Menschen bestraft?

Nun, in manchen Fällen spielte die Religionsfreiheit eine Rolle. Heute zählt die Religionsfreiheit zu einem Menschenrecht.

Dann wichen die Lebensweisen von Gottes Geschmack ab. Auch hier würde Gott scheinbar den Menschenrechten widersprechen (Abschnitt Egalität). Oder aber es war ein Massenmord an Unschuldigen nötig, damit Gott sich einem Menschen (Pharao) beweisen konnte. Im Falle Hiobs sogar wollte er sich sogar so sehr seinem Widersacher beweisen, dass er dafür seine Diener furchtbaren Qualen auslieferte.

In jeden der Beispiele scheint eine absolute Geringschätzung von Menschenleben bemerkbar zu sein.

Zeugen diese Beispiele von einem göttlichen Verhalten? Zeugen sie von wahrer Göttlichkeit, von der Liebe eines Vaters zu seinen Kindern, eines Schöpfers zu seinen Geschöpfen?

Würde es auffallen, wenn ich in diesen Beispiele „Gott“ durch „Satan“ ersetzte?

Des Guten Bosheit

In der Bibel, welche als Gottes Wort gilt, werden diverse Eigenschaften aufgelistet, welche Gott zu eigen sein sollen.

Barmherzigkeit, Macht, Kraft, Liebe, Langmut, Weisheit und einige weitere. Diese Eigenschaften zeichnen ihn als richtig feinen Kerl aus.

Aber ist dem so?

In diesem Abschnitt möchte ich näher auf Gott als solchen eingehen, welche Wirkung er, zumindest auf mich, hat. Darüber hinaus gilt es noch eine Frage zu beantworten, welche im ersten Abschnitt gestellt wurde (zur Erinnerung: Wie kommt es, das Satans Taten als schlecht abgetan werden, wenn doch klar auf der Hand liegt, dass Gott zum Einen genauso handelte oder aber sogar noch schlimmer, wie im Fall Hiobs, als er sinnlos seine Kinder, die Menschen, sterben lies, nun aber Gottes Taten nicht als schlecht angesehen werden?)

Die folgenden Erläuterungen möchte ich gerne mit einem Filmzitat einleiten: „Was ich im Inneren bin, zählt nicht. Was ich tue, macht mich zu dem, wer ich bin.“

"Die Glücklosen sind nichts weiter als ein Bezugspunkt für die Glücklichen, (…). Durch ihr Unglück zeigen sie mir nur mein Glück. Es ist nur bedauerlich, dass die Glücklichen erst merken, was für ein Glück sie hatten wenn es sie verlässt. Sie zum Beispiel, gestern sind sie besser dran gewesen als heute aber erst durch den heutigen Tag merken sie das (…)“

Dieses weitere Filmzitat lässt sich wunderbar in das kleine Dilemma um Gott und seine Taten einfügen. Ich möchte sie ein wenig umändern und so dem Thema mehr anpassen.

„Die Bösen sind nichts weiter als ein Bezugspunkt für die Guten. Durch ihre Bosheit zeigen sie mir nur, wie gut ich bin.“

Was genau sage ich damit aus?

Die Aussage ist, dass Satan als Inkarnation des Bösen ein notwendiges Übel für Gott darstellt. Ein notwendiger Bezugspunkt für Gottes Göttlichkeit.

Wie das?

Wofür benötigt man Gott? Was gibt Gott? Was verspricht er?

Hoffnung. Hoffnung, dass das Übel der Welt einmal ein Ende haben wird.

Rettung. Rettung aus dieser von Satan „vers(e)uchten“ Welt.

Liebe. Liebe in Zeiten von Schlechtigkeit.

Kurzum, Gott ist der Retter in der Not.

Braucht man einen Retter ohne Not? Braucht man ein Regencape bei Sonnenschein?

Es ist unbedingt nötig, dass Satan das Leid schafft, denn ohne dieses Leid, ohne Satan, wäre Gott für den gemeinen Menschen nicht zu gebrauchen oder aber er würde massiv an Nutzen einbüßen.

Satan muss als Bezugspunkt für Gott vorhanden sein, da ohne ihn Gott als Träger der Hoffnung überflüssig werden würde. Er wäre das Regencape, welches man bei Sonnenschein getrost im Schrank liegen lassen darf (und sich vielleicht sogar noch darüber freut).

Und genau diese Erkenntnis liefert die Antwort auf die noch offen stehende Frage. Wie kommt es nun, dass Satans Taten diesen schlechten Charakter haben?

Gott musste ihnen den schlechten Charakter verleihen. Ganz einfach darum, weil ein Bösewicht (bzw. in diesem Fall zuzüglich die Not, die er auslöste) nunmal von Nöten ist, um den Helden als 'das Gute' zu personifizieren. So ist dann egal, was 'der Gute' tut, solange er in Wirklichkeit gegen 'das Böse' kämpft (Ein Mord für die gute Sache ist doch in Ordnung oder etwa nicht?). Wie stünde es wohl ansonsten um seine Göttlichkeit? Wie stünde er wohl da, wenn Satans Bosheit ihm nicht gegenüberstehen würde…? (Nicht verwunderlich, dass George W. Bush genau diese Gedanken verwandte, als er seinen Kreuzzug gegen die 'Achse des Bösen' als Reaktion auf die Terroranschläge vom 11. September 2001 startete. Tatsächlich sprach er vom realen 'Bösen', welches existiere und bekämpft werden müsse.)

Die Logik, die man zu diesem Thema sehr häufig bei Christen, besonders fundamentalistischen Christen, antrifft, ist sehr passend.

Was auch immer der christliche Gott tut – es ist gut. Warum? Zirkelschluß: Weil er Gott ist. Und was Gott tut, ist gut.

Im Gegenzug ist alles, was Satan tut schlecht. Warum? Weil er Satan tut. Und was er tut ist schlecht. Eben weil er Satan ist.

Eine inhaltliche Auseinandersetzung kann unter so einer Voraussetzung nur schwer vernünftig ablaufen.

So bleiben die Rollen fest verteilt ohne genauer zu untersuchen, wie sich die Protagonisten überhaupt verhalten und wie sehr die Rollenverteilung des Guten auf der einen, des Bösen auf der anderen Seite überhaupt gerechtfertigt ist.

Tatsächlich darf eine inhaltliche Auseinandersetzung damit überhaupt nicht stattfinden, da sie das Rollenverhältnis der absoluten Grundfesten des Glaubens bzw. der Bibelerschüttern könnte.

Satan als Böses wird von Gott also unbedingt gebraucht (vielleicht sogar als 'das Böse' vorgesehen?). Es ist absolut notwendig, dass er einen bösen Charakter zugewiesen bekommt oder bekam. Auch im Angesicht der Tatsache, dass seine (angeblichen) Taten oftmals entweder genau die gleichen wie die des Gottes waren oder sogar weitaus weniger mördische Ambitionen aufwiesen. Ist Satan zu verdammen? Falls ja, falls Satan für seine Taten zu verdammen ist, so ist es Gott ebenfalls.

Natürlich ist die gleiche Handlung nicht immer gleich zu bewerten. Ich erinnere spontan an den „Tyrannenmord“ (Stichwort Anschlag auf Hitler in der Wolfsschanze) – ein Mord, welcher an sich zu verurteilen ist, jedoch wird ihm ein anderer Charakter verliehen, wenn er zum Schutz vieler weiterer unschuldiger Menschenleben verübt wird.

Jedoch sind die zahlreichen Morde an Kindern, an Unschuldigen, die Genozide und nicht zuletzt das immer wieder und wieder beschriebene und geforderte Schlachten von Tieren kaum mit einer derartigen Notwendigkeit in Zusammenhang zu bringen.

Richard Dawkins beschreibt den christlichen Gott in seinem Buch „Der Gotteswahn“ als „(… )eifersüchtig und auch noch stolz darauf; ein kleinlicher, ungerechter, nachtragender Überwachungsfanatiker; ein rachsüchtiger, blutrünstiger ethnischer Säuberer; ein frauenfeindlicher, homophober, rassistischer, Kinder und Völker mordender, ekliger, größenwahnsinniger, sadomasochistischer, launisch-boshafter Tyrann (…)“

Behält man nun noch die Worte im Sinn, die Gott über sich selbst in Jesaja 45:7 aufschreiben liess, nämlich dass er das Unheil selbst schafft, darf man obigem getrost zustimmen.

Ich frage mich ernsthaft, ob Benedikt XVI daran wohl dachte, als er am Ground Zero des ehemaligen World Trade Centers folgende Worte an seinen Gott sprach: „Wir bitten dich, denen Heilung zu bringen, die an Verletzungen und Krankheit leiden, weil sie an jenem Tag hier waren. Führe jene auf den Weg der Liebe, deren Herzen sich in Hass verzehren.“

Hätte Benedikt auch für die gebetet, die Gottes zahlreichen Massenmorden zum Opfer fielen?

Resumée

Viele Worte, viele Gedanken, viel Durcheinander: Was ist denn die Konsequenz, der Schluß aus alledem?

Die besprochenen Themen, Von der satanischen Göttlichkeit und Des Guten Bosheit lassen für mich eine bestimmte Folgerung zu, die bereits in der Bibel genannt wird.

Aufgeschrieben wurde er in 2. Korinther 11:14. Luther übersetzt diese Stelle wie folgt:

„(…) Denn der Satan selbst verkleidet sich als Engel des Lichts.“

Durch das, was Gott über sich selbst hat aufschreiben lassen, wird ganz klar vor Augen geführt, dass Gott selbst ein solcher Engel des Lichts ist. Er selbst vereint die Eigenschaften in sich, die man als satanisch bezeichnen würde, sogar handelt er an mancher Stelle genau wie Satan und verkleidete sich als Engel des Lichts, während er Tod, Mord, Krankheiten, Folter und Qual brachte.

Schaut man sich die Bibel, besonders das Alte Testament, genauer an, lassen sich unter anderem folgende Feststellungen treffen:

Der biblische Gott mordete wieder und wieder, zahllose Unschuldige sowie unzählige Tiere fielen seiner Rachsucht und Wut zum Opfern.

Er mordete nicht nur selbst, er rief auch andere zum Mord auf (so wird in 5. Mose ganz klar formuliert, dass Hexen nicht am Leben gelassen werden sollen, ein Gebot, das niemals in der Bibel widerrufen wurde).

Er unterstützte andere Menschen, welche selbst Morde forderten (der Schreiber der Psalmlieder flehte direkt zu Gott, er möge die Gottlosen schlachten).

Er bestrafte in damaliger Zeit Ambitionen, die heute grundlegende Menschenrechte darstellen, mit grausamen Hinrichtungen.

Er folterte besonders ‚sein Volk‘, die Israeliten, sobald sie nicht spurten (er verbrannte sie, lies sie mit Schwertern abschlachten, vergiftete sie, lies sie mitunter ersticken, bestrafte das gesamte Volk mit einer 40jährigen Strafe in Form einer Wanderung durch Wüsten als Folge für die von ihm verachtete Angst einiger Kundschafter, usw.)

Er forderte Brandschatzungen, Plünderungen, brutale Eroberungen, „Kreuzzüge“ (so wurden die Gibeoniter schlicht versklavt, die Kanaaniter ausgerottet im Zuge der Eroberungen und Plünderungen ihrer Länder durch die von Gott geführten Israeliten).

Düstere Aussichten, dieses göttliche Licht.

Kein Zweifel, die Verkleidung Gottes als ein ‚Engel des Lichts‘ kann einer vernünftigen und ethischen Betrachtung kaum standhalten.

An und für sich ist diese Darstellung in einem Buch kein großes Thema.

Besorgniserregend ist jedoch die Tatsache, dass viele Millionen Menschen heutzutage noch zu diesem Massenmörder, diesem Schlächter beten, ihn bitten, einzugreifen um die Probleme der Welt zu lösen.

Nun, wie seine Problemlösungen meist aussehen, habe ich unter anderem dargelegt: Mord. Es funktioniert nicht wie gewünscht? Dann wird gemordet, der nicht funktionierende Mensch wird schlicht entfernt, ausgewechselt wie ein Bauteil beim Auto.

Zwar ist als Verteidigung zu sagen, dass diese bittenden Menschen sicherlich nicht allesamt auf einen mordenden Eingriff seitens ihres Gottes hoffen, wie er gemäß der Bibel zwar zu erwarten wäre (und dass es eben diese Hoffenden gibt, ist mir sehr wohl bewusst), aber dennoch ist es mehr als bezeichnend, dass die umfassende Kenntnis dessen, den man um Hilfe bittet, entweder vollkommen ignoriert wird oder aber komplett fehlt.

Die Basis der Hoffnung gebaut aus Ignoranz oder Unwissen? Oder sogar beidem? Wirklich düstere Aussichten…  

Neben den oben zitierten Worten Benedikts XVI am Ground Zero bat er Gott in einem Gebet: „Oh Gott der Liebe, des Mitgefühls, des Heilens, schau auf uns.“

…Gott, falls es dich gibt, bitte übersieh mich dabei.

 

 

Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

 

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Meinungsmache

Zum Standardrepertoire rechtsextremer „islamkritischer“ Publikationen gehört der Vorwurf, die so genannten Main Stream Media (MSM) unterdrückten Wahrheiten, verfälschten aufgrund eines angeblichen (linken) Bildungsauftrags Fakten und manipulierten Meinungen. Ich möchte an dieser Stelle nicht beurteilen, in welchem Umfang dies tatsächlich geschieht, schließlich gibt es praktisch wohl kein Medium, dass eindeutig politisch neutral sein kann. Aus dem Faktum, dass die MSM sich die schlichten „Wahrheiten“ extremer Publikationen nicht zu eigen machen, nun allerdings zu schließen, dass dort üble Meinungsmache betrieben würde, ist – mit Verlaub – ein Glaube, der in der normalen Welt außerhalb der „Islamkritiker“-Szene wohl  eher ausgestorben zu sein scheint.

Für das Gegenteil gibt es aber täglich eine Fülle von Beweisen. Man muss nur einmal mit klarem Verstand solche Hetzseiten wie PI, Dolomitengeist, SOS-Österreich oder Quotenqueen u.a. anklicken. Man wird sofort ohne größeres Suchen fündig. Den Vogel abgeschossen hat heute zweifellos das Hetzblättchen „Zukunftskinder“ mit einer „Reportage“ über Tunesien (Titel siehe oben). Dem Leser wird übrigens erst ganz am Schluss klar, dass dieser Beitrag 1 zu 1 abgekupfert wurde bei Africa-Live und von einer gewissen Ingrid Aouane stammt. Und diese schreibt:

Wir fahren vorbei an sehr vielen zerstörten Häusern, mit Brettern vernagelten geplünderten Geschäften und sogar einem Hotel in diesem Zustand. Hammamet hat sein Gesicht verloren, und das nicht etwa, weil alle Ben Ali-Porträts und Fähnchen abgehängt wurden.

Ich darf mich wohl als intimen Hammamet-Kenner bezeichnen und kenne die geschilderte Fahrstrecke wie meine Westentasche. Die „vielen zerstörten Häuser“ schrumpfen dann unmittelbar zusammen auf ein während der Revolution 2011 abgefackeltes Schuhgeschäft und zwei noch nicht wieder eröffnete Kioske. Am Gesicht Hammamets hat sich dadurch nichts geändert. Und auch diese Schäden werden sicherlich bald behoben sein.

Doch es geht munter weiter mit den Impressionen eines Taxifahrers:

" Es ist schlimmer jetzt als vorher. Die Lebensbedingungen haben sich verschlechtert, die Touristen bleiben aus, und Meinungsfreiheit gibt es noch immer nicht"! Vor einigen Tagen z.B. ist ein Künstler im Kulturzentrum von Hammamet aufgetreten, der die aktuelle Regierung durch den Kakao zieht. Sofort standen die Islamisten parat und wollten ihm den Mund verbieten, nur durch ein Riesenaufgebot von Polizisten konnte ein Eklat verhindert werden". Aha, das wars also! "Wir wollen die Islamisten nicht, wir wollen Ben Ali wieder haben" ereifert er sich. "Sehen Sie, Ben Ali hat sich bereichert, aber nur an den Reichen, den Armen hat er nichts weggenommen. Unter seiner Regierung lief die Wirtschaft, heute traut uns kein Investor oder Geschäftspartner mehr".

Ganz ohne Zweifel ist die Meinungsfreiheit heute in Tunesien erheblich besser geschützt als zu Zeiten der Diktatur. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass die von Ennahdha dominierte Regierung versucht, ihre Gefolgsleute in den staatlichen Presseorganen zu platzieren – wogegen die Redakteure, unterstützt von der mächtigen Gewerkschaft UGTT, heftigst protestieren. Richtig ist zwar, dass die Salafisten (Islamisten) erhebliche Unruhe verbreiten (von der derzeitigen Regierung nur sehr lasch bekämpft) und am liebsten das gesamte kulturelle und künstlerische Leben als „unislamisch“ in Tunesien unterbinden möchten, doch eine breite Mehrheit in der Bevölkerung lehnt dies vehement ab. Dies ist ja gerade einer der Gründe, weshalb Ennahdha beständig an Rückhalt in der Gesellschaft verliert und derzeit bei Wahlen nicht die geringsten Chancen hätte.

Wenn der Taxifahrer nun wirklich gesagt haben sollte „wir wollen Ben Ali wiederhaben“, so ist dies eine Meinung, die ich noch nie vernommen habe. Die ehemaligen Mitglieder der einstweilen verbotenen RCD (Partei Ben Alis) sind längst in alle Winde verstreut und (wie man hört) bereits überwiegend in republikanisch-demokratischen Parteien tätig, was nicht von allen gern gesehen wird. Der Niedergang des Tourismus und der Wirtschaft (mangelnde Auslandsinvestitionen) ist dabei auch nicht dem Fehlen Ben Alis geschuldet, sondern entspringt der nach wie vor unklaren politischen Situation, was sich hoffentlich bei den Wahlen im nächsten Jahr grundlegend ändern wird.

Völlig ins Abstruse und Irrationale verliert sich die Autorin dann aber im Schlusssatz:

Ich frage ihn, ob das nur seine Meinung ist oder ob auch andere so denken. "Ich gebe Ihnen einen Beweis", antwortet er. "Aus Protest gegen die ungewollten Islamisten sind mittlerweile über 70.000 Tunesier zum Christentum übergetreten – ich auch!"

Diese Zahl – falls sie jemals so genannt wurde – entspringt wohl eher dem Wunschdenken unter Christen, als dass sie in der Realität auch nur den geringsten Bestand haben könnte. Die Zahl von rund 2.000 einheimischen Christen (siehe dazu meinen Artikel Christen in Tunesien) hat sich praktisch nicht verändert. Wozu sollte man auch den einen Gott gegen einen anderen Gott eintauschen? Und schon gleich gar nicht, wenn man damit (angeblich) den Wunsch verbindet, der überzeugte Moslem Ben Ali möge doch zurückkehren. Der Bericht auf Zukunftskinder ist dermaßen sinnlos zusammengestoppelt, dass man ihm (auch ohne Bezichtigung der Lüge) überdeutlich den Zweck entnehmen kann, zu dem er verfasst wurde: billigste Meinungsmache zur Befriedigung eines ganz speziellen Publikums.

 

 

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Mitten im Kulturkampf

Unabhängig von der Sprache, die ein Computer zu sprechen gewöhnt ist (bei mir das Französische) wirft das Google-Suchwort „Kulturkampf“ immer dasselbe Ergebnis aus. Ganz oben steht (wie so häufig) der Verweis auf Wikipedia. Und dort findet man, was jeder einigermaßen Geschichtskundige auch erwartet hat: „Als Kulturkampf in Deutschland wird traditionell die Auseinandersetzung zwischen dem Königreich Preußen und später dem Deutschen Kaiserreich unter Reichskanzler Otto von Bismarck und der katholischen Kirche unter Papst Pius IX. bezeichnet“. Oder bei mir: „Le Kulturkampf, ou « combat pour la culture », est un conflit qui opposa le chancelier du Reich Otto von Bismarck à l’Église catholique et au Zentrum, le parti des catholiques allemands, entre 1871 et 1880“. „Kulturkampf“ ist also zu einem feststehenden Begriff geworden, der sogar von anderen Sprachen übernommen wurde. Er bezieht sich eindeutig auf eine ganz bestimmte Epoche, in der der „Eiserne Kanzler“ – als einziger Kanzler in der deutschen Geschichte – zumindest den Versuch unternahm, die Macht der katholischen Kirche zu begrenzen: „Beim Kulturkampf ging es sachlich um die Durchsetzung einer liberalen Politik, die eine Trennung von Kirche und Staat vorsah und entsprechend sich zum Beispiel für die Einführung der Zivilehe einsetzte. Dies rief den Widerstand religiöser Kräfte hervor, die überwiegend der katholischen Kirche angehörten. Diese setzten sich für den Einfluss des Religiösen in Öffentlichkeit und Politik sowie den Primat von Kirche und Religion über Staat und Wissenschaft ein.“ Man könnte bei Wikipedia anfügen. Sie versucht es bis auf den heutigen Tag mit unverminderter Brachialgewalt. Viel mehr als die „Zivilehe“ ist von den Bismarckschen Bemühungen nicht geblieben. Wo immer die katholische Kirche auch nur einen winzigen Fetzen an Terrain verliert, setzt sie umgehend alle Hebel in Bewegung, ihn sich zurückzuholen.

Und nun lese ich die Überschrift „Mitten im Kulturkampf“ in der katholischen Postille kath.net und gebe mich eine knappe Sekunde lang der Hoffnung hin, endlich sei einmal wieder ein Politiker vom Format eines Bismarck am Werk, dem Machthunger der Kirchen eine Grenze zu setzen. Es ist natürlich töricht, sich auch nur den Bruchteil einer Sekunde solchen Träumen hinzugeben – sie zerplatzen unmittelbar wie eine überspannte Seifenblase.

Dem Autor des Artikels, Christof Gaspari, Betreiber der klerikalen Seite Vision2000.at  geht es um etwas völlig anderes, den andauernden Kampf Roms gegen Demokratie und Menschenrechte. Nach einer ausführlichen Würdigung des Mittelalters lässt er bei Erreichen der Aufklärung endlich die Katze aus dem Sack.

Aus der berechtigten Kritik an Missständen war eine geistige Revolution geworden, die alles auf den Kopf stellte: An die Stelle Gottes als Gesetzgeber tritt der Mensch, von dem Jean Jacques Rousseau postuliert, er sei von Natur aus gut.

Er weiß selbstverständlich, dass er statt „Gott“ hätte sagen müssen: „An die Stelle der Priesterkaste als Gesetzgeber tritt der Mensch“, denn wo hätte ein Gott jemals ein Gesetz erlassen? Es hört sich nur sich so überzeugend an, und jedermann wäre auf Anhieb klar, worum es wirklich geht. Doch das Demokratie-Bashing nimmt nun ungebremst seinen Lauf:

In diesen wenigen Sätzen sind bereits die Weichen hin zu allen Totalitarismen der folgenden Jahrhunderte gestellt: der Mensch als höchste Instanz. Man ist an die Verheißungen des Widersachers im Paradies erinnert: Ihr werdet sein wie Gott.

Der Apfel der Erkenntnis kann solchen Kirchen-Apologeten natürlich nicht schmecken, weshalb auch gleich – als zweithöchste Autorität nach seinem Gott – der Herr Ratzinger zu Wort kommt: „Das implizite Ziel aller modernen Freiheitsbewegungen ist es, endlich wie ein Gott zu sein, von nichts und niemandem abhängig, durch keine fremde Freiheit in der eigenen beschränkt.“ Damit sei das Bild einer Göttlichkeit errichtet, die rein egoistisch ist, erklärt Ratzinger, „ein Götze, ja, das Bild dessen, was die christliche Überlieferung den Teufel – den Gegengott – nennen würde…“
Damit deklariert der apostolische Oberhirte, der nun im September vor Demokraten im Bundestag predigen darf, individuelle Freiheit, Menschenrechte und Demokratie explizit als Teufelswerk. Wundert es da noch irgendjemanden, dass der Heilige Stuhl sich beharrlich weigert, die entsprechenden Menschenrechtskonventionen zu unterzeichnen? Nur in Berlin scheint man solche Hetzreden des Herrn Papstes (in „Ohne Wurzeln – Der Relativismus und die Krise der europäischen Kultur“) nicht zur Kenntnis nehmen zu wollen: „So hat in Europa einerseits das Christentum seine wirksamste Gestaltwerdung erlebt, aber zugleich ist in Europa eine Kultur gewachsen, die den radikalsten Widerspruch nicht nur gegen das Christentum, sondern gegen die religiösen und moralischen Traditionen der Menschheit überhaupt darstellt.“ Da ist sie wieder, die Moralkeule, für die die Kirche meint, einen Alleinvertretungsanspruch zu haben. Die Erklärung der OIC (Organisation of Islamic Countries) zu den Menschenrechten liest sich mit ihrem Scharia-Vorbehalt nicht anders. Auf den Punkt gebracht: Demokratie steht in krassem Gegensatz zum „göttlichen“ Gebot.

Lassen wir Jean Meslier (einen Priester im Dienst der französischen Revolution) zu Worte kommen: „Alles, was Euch Eure Priester und Eure Doktoren so beredsam über die Größe, das Vortreffliche und das Heilige der Mysterien predigen, … ist im Grund nichts als Illusionen, Lügen, Vorspiegelungen und Betrug, zuerst zu politischen Zwecken erfunden, dann von Verführern und Heuchlern fortgesetzt und von unwissenden, groben Völkern empfangen und blind geglaubt.“ Der Satz gilt auch heute noch, ohne den geringsten Abstrich vornehmen zu müssen.
Christof Gaspari, der Autor des Artikels lässt uns lange im Ungewissen, wo er denn nun – dem klassischen Beispiel des ersten deutschen Kanzlers folgend – so etwas wie einen „Kulturkampf“ ausmacht.

Wir stehen mitten in diesem Kulturkampf. Obwohl er nicht mit Waffen ausgefochten wird, nimmt er an Intensität zu, denn die Gottlosigkeit ist mittlerweile zur Staatsreligion geworden. Daher schreitet sie im öffentlichen Raum voran. Wesentliche, christlich geprägte Werte werden mit scheinbar menschenfreundlichen Gesetzen und im Namen der Menschenrechte unterlaufen: das Lebensrecht des ungeborenen Kindes wird dem Selbstbestimmungsrecht der Frau geopfert, die Gestalt der Familie dem Diskriminierungsverbot gegenüber Homosexuellen, das Erziehungsrecht der Eltern gesundheitspolitischen Verpflichtungen des Staates.

Ohne fixen, transzendenten Bezugspunkt erweisen sich die Menschenrechte als Blendwerke, die je nach Nützlichkeit so oder so zum Zuge kommen.
Man muss schon seltsam geformte Antennen haben, um ein Fortschreiten der Gottlosigkeit im öffentlichen Raum empfangen zu wollen. Das Gegenteil ist doch viel richtiger. In alles und jedes mischt sich Rom ein, selbst wenn es um so glaubensferne Bereiche wie die Atomkraft geht. Ich zitiere dazu aus einem Interview mit Alan Posner:

Man sieht es bei der Atomdiskussion: Was macht die Kanzlerin? Sie beruft eine Ethikkommission ein, in der prompt schon wieder zwei Vertreter der katholischen Kirche sitzen. Hallo! Was verstehen die denn von Ethik? Was verstehen die Knabenfummler – Entschuldigung, dass ich das jetzt mal so sage -, von Ethik? Wieso haben die einen besonderen Zugang zu Ethik? Die ganze Vorstellung, dass die Kirchen, egal, ob es der Islam ist, ob evangelische oder katholische Kirche, Hinduismus, Buddhismus, in besonderer Weise für irgendein Thema einen höheren ethischen Standard hätten, als irgendjemand der im Parlament sitzt, das ist eine Zumutung. Und in dieser Weise ist dieser Papst als Vertreter einer schlagkräftigen starken, international aufgestellten und durch ihn ideologisch vereinheitlichten Organisation, immer noch gefährlich, weil er die Demokratie innerhalb der katholischen Kirche weitgehend ausgeschaltet hat und nach wie vor Ambitionen auf Europa und die Veränderung der Verhältnisse hier hat. Er hat die Idee nicht aufgegeben, dass Europa neu missioniert werden könnte, im Gegenteil, er hat dafür extra ein neues Amt geschaffen.

Das ganze Interview ist im hpd-podcast 2011-04 zu hören. (34 Minuten).

Wenn man also überhaupt von Kulturkampf sprechen möchte, dann doch wohl in dem Sinne, dass der Säkularismus bekämpft und niedergemacht werden soll. In der Politik findet sich bedauerlicherweise niemand, der sich der in seiner Verdrehung von Tatsachen äußernden kirchlichen Niedertracht in den Weg stellen könnte.
Zornbebend kann man nur noch mit Voltaire sagen: „Ecrasez l’infâme!“ (Zerschmettert die Niederträchtige).

 

Weitere Arbeiten desselben Autors siehe hier.

 




My People! My People!

Der unseren Lesern seit langem bekannte furchtlose Kämpfer gegen die Hexenverfolgungen in Afrika, mein langjähriger Freund Leo Igwe (Nigeria), hat erneut eine Pfingstkirche ausfindig gemacht, die offen zum Mord an "Hexen" aufruft. Leo hat derzeit einen Forschungsauftrag zum Thema an der Universität Bayreuth, publiziert aber weiterhin zur Sache, hier in saharareporters.

The potentially dangerous activities of a new local church in Cross River-Akwa Ibom states axis of the country should be of concern to all people of conscience in Nigeria and beyond. This church, which habitually starts the themes of its crusade with “My Father! My Father!!…”appears to be on a fast track to causing a new wave of witchcraft related abuse, torture and killings in the region.

 This church is owned and led by a boyish upstart pastor who addresses himself as ‘God’s Prophet’ and as ‘Prophet of signs and wonders’. It is not clear when and how he came about these titles, but like others in the business of penticostalism, these appellations have become the trade mark of this evangelical entrepreneur. From an apartment in Calabar, Cross River State, where it started, the church has grown so rich that it now organizes its meetings in some of the most expensive hotels in the region. But the issue is not whether this ‘My Father Church’ holds its events in cheap or expensive venues but what these programs are all about.

Recently, the prophetic ministry joined the vanguard of witch hunting churches that are fueling witchcraft related abuse in the region.

In what appears to be a clear and targeted attempt to undermine the progress which government and non-governmental agencies have made in the fight against witch hunting in Akwa Ibom, the church organized in March a crusade tagged ‘Uyo Festival of Fire’ at Ibom Hall in Uyo, the state capital.
The theme of the crusade was ‘My Father! My Father!! That Witch Must Die’.

Anyone who knows the Bible could easily notice a connection between the theme of the crusade and the biblical verse-Ex 22:18- which says ‘Suffer not a Witch to live’. What is particularly disturbing is that the church staged the event at a time the state government is frantically battling to address this tragic situation. The crusade was a literal declaration of war against alleged witches and an unequivocal endorsement of witch hunting in the state.

Belief in witchcraft is very strong in the region. Witchcraft accusation is very common and witch hunting often erupts in this part of the country. Belief in witchcraft has caused many people to attack, abuse, torture, or kill their children or parents or grandparents whom they blamed for their misfortune.

In 2008, the government of Akwa Ibom came under international pressure following a documentary on the problem which was broadcast worldwide. The government hastily passed into law a bill that criminalized child witch stigmatization and took some measures to address the problem. Some non-governmental organizations embarked on programs and projects to rescue victims and enlighten the people. In the past two years, significant progress has been made in persuading the local population from engaging in witchcraft related abuses.

At a time the efforts of government and non-governmental organizations appear to be yielding positive results, the Uyo Festival of Fire which literally sanctioned the execution of alleged witches, could re-ignite these horrific abuses, erode the gains that have been made so far and roll back the wheel of progress.

We must note that similar witch hunting crusades and revivals by self-styled prophets, evangelists and apostles in the past decades turned the region into a killing and abusing field.
 Sadly, the government of Akwa Ibom, as in the past, stood by and allowed this campaign of hate and violence to be staged in the state.

Local authorities should as a matter of urgency start monitoring the activities of pastors, prophets, and evangelists in the region and ensure that their so called deliverance sessions, revivals and festivals are not used to incite hatred and violence against innocent citizens, particularly women, children and the elderly, in the name of witchcraft. State governments should not see this as interfering with the freedom of religion of these persons. In fact, freedom of religion does not include inciting hatred and violence against persons in the name of one’s religious belief or inflicting torture, inhuman and degrading treatment on others in the name of religion. Freedom of religion is a human right and should be promoted, protected, defended and guaranteed. But inciting abuses or inflicting harm on people in the name of religion is a crime, and perpetrators should be punished.

For instance the government of Akwa Ibom should not have allowed the organization of the Festival of Fire. Even now the program is over, the authorities could still arrest and prosecute the organizers for inciting hatred and violence or for aiding and abetting witchcraft accusation and child witch stigmatization. Local authorities should ensure that those who engage in witch hunting or those who fuel these savage crimes are made to face the full wrath of the law. Akwa Ibom and Cross River states have a long history of witch hunting. The authorities should be aware of this, and remain vigilant. They should do everything they can to ensure that the wave of witchcraft related violence and abuses that swept through the region in the past decades does not reoccur.
 

In conclusion, I say to the government and people in Akwa Ibom, Cross River and the entire Niger Delta: My People! My People!! This Witch Hunting Must Stop! My People! My People!! Those witch hunters must be arrested and brought to justice without delay.

For the sake of our women, children and elderly persons.

 

Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

 

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Hörnix, weißnix, tunix

Dieser Aufsatz wurde zuerst veröffentlicht auf  http://www.georgkorfmacher.com/aktuelles

Spätestens als tote Fledermäuse in seinem Weihwasser schwammen, war Guido Ittmann ultimativ gewarnt, von ihm aufgedeckte und angezeigte Missbrauchsfälle nicht weiter zu verfolgen. Auch der Personalchef seines Bischofs hatte in angewiesen, den Missbrauchsfällen nicht nachzugehen. Moment einmal! Leben wir in einer Gesellschaft, in der Kirchenfürsten selbstherrlich über Recht und Gesetz befinden können?

Wieder einmal muss die Presse an den Tag bringen (SPIEGEL 13/2012, S.14), was die Catholica zu vertuschen und zu unterdrücken sucht. Pikanterweise trifft es gerade den Missbrauchsbeauftragten der Deutschen Bischofskonferenz, Stephan Ackermann, Bischof von Trier. Der scheint sich lieber um die zweifelhafte Reliquie des heiligen Rocks zu kümmern, als um das Wohl und Recht der ihm ausdrücklich anvertrauten Missbrauchsopfer. Auf sehr spezifische Meldungen seiner Priester hört er nicht und verweist diese in den Bereich der Gerüchte. Im Übrigen sei das Bistum kirchenrechtlich nicht zuständig. Das stinkt zum Himmel!

Nach dem „hörnix“ des Bischofs soll die ganze Angelegenheit möglichst unbemerkt in der Gruft des „weissnix“ versenkt werden. Also ergeht eine „tunix“-Anweisung an seinen Diener des Herrn mit Redeverbot. Das Generalvikariat des Bischofs beschied den Priester Ittmann kurzerhand, dass jegliche Veröffentlichung des Pfarrers vorher abgezeichnet werden müsse. Das ist ein eklatanter Verstoss gegen elementare Menschenrechte und die Gesetze unserer Republik. Hier müsste die Staatsanwaltschaft von Amts wegen einschreiten!

Damit sind wir unvermittelt wieder mit der offensichtlich mehr als hinkenden Trennung von Staat und Kirche in unserem Land konfrontiert. Eine Demokratie, die sich gefallen lässt, dass die Catholica trotz der ausdrücklicher Weisung im GG Art. 140 i.V.m. Art.137 WRV (Jede Religionsgesellschaft ordnet und verwaltet ihre Angelegenheiten selbständig innerhalb der Schranken des für alle geltenden Gesetzes) in höchst zweifelhafter Weise Recht und Gesetz zu beugen sucht, verdient diese Bezeichnung eigentlich nicht. Missbrauch von Jugendlichen ist ein diese lebenslang prägendes Verbrechen, das nie verjähren darf. Wenn sich die Catholica bei ihrem scheinheiligen Moralanspruch durch windige Rechtsvorstellungen (z.B. wie beim Klau von Marmelade) herausreden will, dann muss sie mit heftigstem Widerstand aufrichtiger Demokraten rechnen, die schon bei sehr viel geringeren Vergehen zur Kasse oder hinter Gitter gebeten werden. Von Kant’schen Moralvorstellungen ganz zu schweigen. Aber die sind für die Catholica ja sowieso ein rotes Tuch.

Und dann noch dieses unglaubliche, mittelalterliche Drohrepertoire: Drohbriefe, Tierkadaver vor der Haustüre und Fledermäuse im Weihwasser der anklagenden Priester. Na, wenn es da nicht mit dem Teufel zugeht! Nicht verwunderlich, wenn der ebenfalls betroffene Pfarrer Klaus Gorges im saarländischen Köllenbach anprangert: „Die Umstände des Missbrauchs sind ungeheuerlich“. Wohl wahr. Aber für den Bischof mit dem roten Scheitelkäppchen (Pileolus) in Trier geht Macht scheinbar vor Moral. Hörnix, weissnix, tunix. Pfui Daifi!

 

Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

 

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Heiliger Stuhl

Seit dieser Artikel geschrieben wurde hat sich nichts an der Problematik geändert. Deshalb sei er hier noch einmal wiedergegeben.

Wir hatten also einen Staatsbesuch. Dieser „Staat“, der bereits 1870 untergegangen war, wurde auf 44ha und mit rund 500 Einwohnern in den Lateranverträgen 1929 erneut aus der Taufe gehoben. Mussolini, der für die italienische Seite unterschrieb, sicherte sich damit das Wohlwollen der Kirche für seine Politik. Ähnlich verhielt es sich mit dem Reichskonkordat 1933 zwischen Hitler und dem Heiligen Stuhl. So verhindert man Proteste der Kirchen, wenn der Staat ungewöhnliche oder gar verbrecherische Maßnahmen ergreift. Ein probates Mittel! Schon immer in der Geschichte hat Kirche die Nähe der Mächtigen gesucht und gleichzeitig dafür gesorgt, dass unliebsame „Konkurrenz“ von Staats wegen verfolgt und eingeschüchtert wurde. Die Nazis verboten als erstes die Freidenkerverbände, dann die Freikirchen. Die waren mangels Masse leichte Opfer. Das wird bei denen, die die Kirchen gern als Widerstandskämpfer stilisieren wollen, nur allzu gern vergessen oder verdrängt.

Dieser Staat hat auch – obwohl manchmal falsch dargestellt – keinen diplomatischen Dienst, aber immerhin ein schlagkräftige Armee. Alle Botschafter sind beim Heiligen Stuhl akkreditiert und nicht etwa beim Vatikanstaat. Das heißt aber, dass ihr Gegenüber reine Kirchenleute sind und nicht Diplomaten. Gleiches, nur umgekehrt, gilt für die „Botschafter“ (Nuntius) des Heiligen Stuhls in den Ländern, zu denen der Papst diplomatische Beziehungen unterhält. Dieses Konstrukt ist dermaßen ungewöhnlich, dass man mit Fug und Recht nicht von einem Staatsbesuch sprechen kann. Man hat in Kenntnis dieser Tatsachen einen reinen Religionsführer eingeladen, einen undemokratischen dazu, um vor den Demokraten des Bundestags zu sprechen. Möglichen Kritikern soll in diesem Punkt eindeutig Sand in die Augen gestreut werden. Der Papst selbst ist aber im Gegensatz dazu in seiner Rede erfreulich eindeutig und straft die Staatsbesuch-Apologeten Lügen:

Aber die Einladung zu dieser Rede gilt mir als Papst, als Bischof von Rom, der die oberste Verantwortung für die katholische Christenheit trägt. Sie anerkennen damit die Rolle, die dem Heiligen Stuhl als Partner innerhalb der Völker- und Staatengemeinschaft zukommt. Von dieser meiner internationalen Verantwortung her möchte ich Ihnen einige Gedanken über die Grundlagen des freiheitlichen Rechtsstaats vorlegen.

Die Diskussion um die angebliche Respektlosigkeit der ferngebliebenen Abgeordneten ist nur am Rande interessant, zeigt aber ganz deutlich das mangelnde Demokratieverständnis derjenigen, die sich darüber erbosen. Ebenso kritisch muss man wohl die Stimmen betrachten, die an die Inhalte der Papstrede ganz bestimmte Bedingungen knüpfen. Wie sollte man den Papst dazu zwingen können, zu Fragen Stellung zu nehmen, nur weil von manchen Antworten erwartet werden? Missbrauch, Abtreibung, Zölibat, Frauenordination und manches andere mehr standen für Ratzinger nicht auf der Agenda, weshalb auch das Nachhaken in diesem Punkt wenig sinnvoll erscheint, siehe etwa den Artikel Nun hat ER gesprochen. Man sollte sich schon die Mühe machen, sich mit dem auseinanderzusetzen, was er wirklich gesagt hat und welche Konsequenzen sein Besuch in Deutschland mit sich bringt. In diesem Zusammenhang hat Arik Platzek ein interessantes Interview mit Johann-Albrecht Haupt geführt Es ist ein deutlicher Schaden entstanden, das ich zur vollständigen Lektüre wärmstens empfehle. Ich greife deshalb hier nur einen sehr wichtigen Punkt heraus bezüglich des Treffens von Herrn Ratzinger mit den Richtern am Bundesverfassungsgericht:

Die Humanistische Union hat die Form des Treffens mit den Bundesverfassungsrichtern kritisiert. Das ist nur eine Wortmeldung. Was müsste man in Zukunft sicherstellen, damit sich so etwas nicht wiederholt? In diesem Fall ist die Gesellschaft überrumpelt worden.

Haupt: Sicherstellen kann man das in einer religiös, oder vielmehr christlich-religiös geprägten Gesellschaft, wahrscheinlich nicht. Dazu ist die Humanistische Union auch gar nicht in der Lage. Man kann nur versuchen, mit guten Argumenten auf die Öffentlichkeit einzuwirken. Und das ist ja an sich unser Markenzeichen: das wir mit guten Argumenten versuchen, uns in die politische Diskussion einzumischen. Manchmal haben wir mehr Erfolg, manchmal weniger.

Sehen Sie, dass durch dieses Treffen der Souveränität des Bundesverfassungsgerichts als einem weltanschaulich neutralen Verfassungsorgan ein Schaden entstanden ist?

Haupt: Ja, das ist ganz deutlich geschehen. Wenn es in zukünftigen Verfahren darum geht, ob die Grenzen der Neutralität gewahrt oder überschritten sind, muss sich das Bundesverfassungsgericht vorhalten lassen, dass sie sich dem Papst – ich will nicht sagen, zu Füßen geworfen haben -, aber ihm doch sehr nahe getreten sind und eine Nähe nach außen hin gekennzeichnet haben. Und das kann nicht gut sein, denn die Gerichte leben ja auch von der Unabhängigkeit der Richter und davon, dass sie wenigstens den Schein einer Nähe zu einer bestimmten Prozesspartei vermeiden. Diesen wird das Bundesverfassungsgericht in Zukunft nur noch sehr schwer wahren können.

Mich wundert sehr, dass sich die Verfassungsrichter so ohne weiteres von Herrn Ratzinger herbei zitieren lassen. Dieser Staat ist bereits dermaßen von Religion unterwandert, dass kaum noch jemand Anstoß an diesem Bruch aller Regeln nimmt. Für die Gewaltenteilung in Deutschland sieht es zunehmend düster aus. Und wenn dann noch von „islamkritischer“ Seite der Vorwurf kommt, wir befassten uns auf wissenbloggt zu viel mit der Kirche („Die sind doch harmlos, lasst sie in Frieden“), der weiß ganz offensichtlich nicht, wovon er redet.

Der wesentliche Teil der Papstrede befasste sich mit den Grundlagen des Rechts. Auf die Gefahr hin, den einen oder anderen zu langweilen, zitiere ich drei kurze Abschnitte aus dem päpstlichen Diskurs:

Wie erkennt man, was recht ist? In der Geschichte sind Rechtsordnungen fast durchgehend religiös begründet worden: Vom Blick auf die Gottheit her wird entschieden, was unter Menschen rechtens ist. Im Gegensatz zu anderen großen Religionen hat das Christentum dem Staat und der Gesellschaft nie ein Offenbarungsrecht, eine Rechtsordnung aus Offenbarung vorgegeben. Es hat stattdessen auf Natur und Vernunft als die wahren Rechtsquellen verwiesen – auf den Zusammenklang von objektiver und subjektiver Vernunft, der freilich das Gegründetsein beider Sphären in der schöpferischen Vernunft Gottes voraussetzt. […]

Wo die alleinige Herrschaft der positivistischen Vernunft gilt – und das ist in unserem öffentlichen Bewußtsein weithin der Fall –, da sind die klassischen Erkenntnisquellen für Ethos und Recht außer Kraft gesetzt. Dies ist eine dramatische Situation, die alle angeht und über die eine öffentliche Diskussion notwendig ist, zu der dringend einzuladen eine wesentliche Absicht dieser Rede ist. […]

Ist es wirklich sinnlos zu bedenken, ob die objektive Vernunft, die sich in der Natur zeigt, nicht eine schöpferische Vernunft, einen Creator Spiritus voraussetzt?

Zwei Dinge werden klar, die aber in der religiösen Verblendung dieses Herrn zu erwarten waren: Herr Ratzinger verabscheut die Demokratie und bedient sich des dümmlichen Uhrmacher-Arguments (Creator Spiritus). Und die Demokraten, die soeben entwertet wurden, spenden stehenden Beifall – es ist unglaublich. Anscheinend haben sie wirklich nicht verstanden, was ihnen da vorgesetzt wurde. Zusammengefasst kann man sagen: Ihr dürft entscheiden, aber bitteschön nur so wie ich, Papst und Weltenlenker, es euch vorschreibe. In der parlamentarischen Praxis sieht es genau so aus: die zahlreichen vatikanischen pressure groups versuchen mit allen Mitteln, die Entscheidungen des Parlaments im Sinne eines fiktiven Wesens, besser aber der eigenmächtigen Kaste der Priester, zu beeinflussen.

Humanisten und Laizisten stehen da mehr oder weniger hilflos am Rande angesichts dieser totalitären Gewalt, die von Rom aus die ganze Erde zu beherrschen sucht. Es ist noch ein langer Weg zur Vernunft!

Dieser Besuch hat uns jedenfalls keinen Schritt weiter gebracht.

 

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Evangelische Nachhilfe

Die Kirchenaustrittswelle entwickelt sich zum Tsunami. Und ein Ende ist nicht in Sicht. Laut einer Analyse des Sinus Instituts (Heidelberg) beträgt das Schwundpotential ca. 5.5 Mio. Christen, von dem vor allem die Evangelischen betroffen sind: Den Kirchen droht eine massive Austrittswelle. Ganz im biblischen Sinne sollen nun gegen den Schwund Menschen gefischt werden. Was das bedeutet, erklärt Rainer Buchheim in No heaven – only sky:

Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er zwei Brüder, die von Beruf Fischer waren, Simon, der auch Petrus genannt wird, und Andreas. Sie warfen gerade ihr Netz aus. Jesus sagte zu ihnen: „Geht mit mir! Ich mache euch zu Menschenfischern.“ Sofort ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm.
(Mt 4; 18-20)

Oh wäre doch Petrus nicht von gar so schnellem Entschlusse gewesen! Schließlich äußerte Jesus seine Gleichnisse und Metaphern nicht ohne tieferen Sinn. Und dieser könnte hier darin bestanden haben anzudeuten, worum es ihm wirklich ging.
Wäre der gute Simon Petrus nur ein wenig kritischer gewesen, so hätte er möglicherweise seinem verehrten Meister die Frage gestellt:
„Oh Herr, weißt du denn nicht, was ein Fischer tut? Zunächst knüpft er ein Netz, so fein, dass das Fischlein es frühestens erkennt, wenn es zu spät ist; aber auch so fest, dass es für das gefangene Fischlein kein Entrinnen gibt, mag es auch noch so heftig zappeln.
Sodann hievt er das volle Netz in sein Boot, entzieht also den Fischlein ihr natürliches Element, so dass die Körper verschmachten und ihre Seele aufgeben. Dann bringt er sie an Land um sie zu verkaufen.
Nun, oh Herr, mit Fischen mag das angehen, denn sie sind unsere Nahrung. Aber mit Menschen?“
Wäre Petrus ein Weiser gewesen anstatt ein Mitläufer, wer weiß…

Nun dürfte sich die Evangelische Kirche die Menschenfischerei wohl anders beurteilen als von Rainer Buchheim karikiert. Sie will allen Ernstes den Abtrünnigen, den Zweifelnden oder den Entwöhnten Kurse zum Glauben anbieten, Nachhilfestunden im Christsein so zu sagen. Dazu startet sie eine aufwändige Kampagne Kurse zum Glauben (siehe die Plakate, die uns wohl bald bundesweit beglücken werden), in der Prominente und weniger Prominente Aussagen dazu machen, wie schön es doch ist, (wieder) Christ zu sein. Und daher fragt die Aktion:

Woran glauben Sie?

Die einen glauben an Gott, die anderen an die Wissenschaft, manche glauben an sich selbst und manche an gar nichts. Und wie ist das bei Ihnen? Woran glauben Sie? Geht es Ihnen wie vielen, die christlich getauft sind, aber den Bezug zu Kirche und Glauben verloren haben? Gehören Sie zu denjenigen, die zwar regelmäßig in die Kirche gehen, aber trotzdem den Wunsch nach einer intensiveren Beschäftigung mit dem Glauben verspüren? Oder sind Sie vor Jahren aus der Kirche ausgetreten, möchten nun aber mit Ihrer gewonnenen Lebenserfahrung nochmals über die Bedeutung des Glaubens nachdenken?

Den christlichen Glauben neu entdecken

Die Evangelische Kirche lädt Sie ein, Ihren Glauben wieder neu zu entdecken. Oder zumindest, sich nochmals mit der Bibel, mit der Geschichte von Jesus Christus und mit der Frage zu beschäftigen, woran Sie eigentlich glauben. Dazu bieten viele Gemeinden und Bildungseinrichtungen Kurse zum Glauben an, die sich speziell an Erwachsene richten.

Wer glaubt weiß mehr

Viele, die schon einen solchen Kurs mitgemacht haben, sind froh über die Impulse, die sie dadurch für ihr Leben gewonnen haben. Deshalb möchten wir Sie ermuntern und herzlich einladen, einen Kurs zum Glauben in Ihrer Nähe zu besuchen. Vielleicht gelangen auch Sie dabei zu der Erkenntnis: Der Glaube ist ein starkes Fundament, um unsere Welt und unser Dasein besser verstehen zu können.

Viele tote Fische? Über den Erfolg der Kampagne wurde bisher noch nichts bekannt.

 

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Vom Primat der göttlichen Moral

Wie gering die Bereitschaft von Religionen ausgeprägt ist, weltliches Recht als übergeordnet anzuerkennen und danach zu handeln, zeigt sich nicht nur in den täglichen Forderungen nach neuen Sonderrechten für Moslems, sondern auch Christen sind trotz stetiger gegenteiliger Beteuerungen nicht bereit zurückzustecken, wenn weltliches Recht mit den eigenen Vorstellungen kollidiert. Belege für diese Behauptung sind zahlreich, typisch sind die Scharia-Vorbehalte der OIC (Organisation of Islamic Countries) gegenüber der Menschenrechtsdeklaration von 1948 ebenso wie die fehlende Unterschrift der Römisch Katholischen Kirche. Die Kumpanei zwischen Katholiken und Moslems geht aber viel weiter, wie der gemeinsame Kampf gegen die Blasphemie oder die Homosexualität zeigt. Dabei stellt sich der Vatikan einmal mehr auf die Seite der Unrechtsstaaten, in denen die Menschenrechte keinen Pfifferling wert sind und in denen Minderheiten gleich welcher Natur rigoros verfolgt werden.

Dabei ist es völlig gleichgültig, ob Homosexualität erblich bedingt ist, durch Sozialisation erklärt wird, oder ob sie als Krankheit deklariert wird. Gegen die Diskriminierung dieser Randgruppe wendet sich eine Resolution von 83 Staaten in der UNO unter der Federführung von Kolumbien. Die im März 2011 im UN-Menschenrechtsrat in Genf von Kolumbien verlesene Erklärung trägt den Titel: "Gewaltakte und Menschenrechtsverletzungen wegen der sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität verhindern". Darin äußern die Unterzeichner Sorge über die Diskriminierung von Schwulen und Lesben "in jeder Weltregion". Die beklagten Menschenrechtsverletzungen schlössen "Tötungen, Vergewaltigungen, Folter und strafrechtliche Verfolgung" ein, also genau das, was in mehrheitlich moslemischen Ländern, aber auch in evangelikal dominierten, an der Tagesordnung ist. Von den mehrheitlich moslemischen Ländern schlossen sich nur Albanien und Bosnien-Herzegowina der Resolution an. Wie nicht anders zu erwarten, empörten sich die römischen Menschenrechtsverletzer umgehend. Doch nicht etwa gegen diejenigen, die die Menschenrechte mit Füssen treten, was man ja aufgrund der „Christlichkeit“ mit Fug und Recht erwarten dürfte – nein – die Empörung traf diejenigen Staaten, die die Resolution eingebracht haben. Queer.de  berichtet:

Scharfe Kritik am Papier hat die katholische Kirche geäußert. Der Vatikan warnte nach Verkündigung der Erklärung davor, dass die Akzeptanz von Homosexuellen zur Verfolgung von Christen führen könne: "Viele werden attackiert, wenn sie sexuelles Verhalten zwischen Menschen des selben Geschlechts nicht unterstützen", sagte Erzbischof Silvano Tomasi, der Vertreter des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen. Wenn sie ihre moralischen Bedenken äußerten, würden Gläubige "stigmatisiert, verteufelt und verfolgt." Der Erzbischof verteidigte das Recht der Staaten, Homosexualität zu verbieten: Staaten müssten das Recht haben, "gewisse sexuelle Handlungen" zu regulieren und gewisse "sexuelle Verhaltensweisen" per Gesetz zu untersagen

Dazu erübrigt sich im Prinzip jeder weiter gehende Kommentar. Man stellt sich – Spitze der Perfidie und Bigotterie – offen auf die Seite der Mörder und beweint gleichzeitig die mangelnde Toleranz der Aufgeklärten gegenüber der Kirche. Diese Schizophrenie setzt sich in religiös überwucherten Web-Publikationen wie Politically Incorrect fort: Man empört sich über die „Baukräne“ im Iran, betreibt aber simultan eine gnadenlose Hetze gegenüber denen, die Opfer solcher Massaker sind. Als ob es einen Unterschied machte, ob Minderheiten konkret ausradiert werden, oder ob man nur indirekt Beifall dazu klatscht. Da kann man leicht sagen, dass die heilige römisch katholische Kirche in letzter Zeit keinen Homosexuellen selber aufgehängt hat. An Schäbigkeit ist das wohl kaum noch zu überbieten. Ein solches Verhalten ist wohl kaum geeignet, ein „christliches Abendland“ schmackhaft zu machen.

Mit einer Selbstverständlichkeit, die ihresgleichen sucht, fordern Muslime den Schlachtruf des Muezzins vom Minarett herab und Katholiken christliche Symbole in staatlichen Einrichtungen, und beide völlig unabhängig davon, ob andere dadurch eingeschränkt, geschädigt, oder in ihrem Befinden belästigt werden.

Gilt es aber – reichlich selten genug – den weltlichen Gesetzen zur Geltung zu verhelfen, erhebt sich ein großes Geschrei über die Intoleranz gegenüber den Religionen. Zwei typische Bespiele werden von Kath.net beweint: USA: Toleranz für jeden – außer für Katholiken? Amerikanische Katholiken sind besorgt, dass ihnen immer mehr Freiheiten genommen werden.

Um welche Freiheiten handelt es sich dabei? Man liest: (…) in San Antonio in Texas, fanden die Äußerungen des atheistischen Elternpaares Christa und Danny Schultz sehr viel Beachtung. Sie waren besorgt, dass ihrem Sohn Schaden zugefügt wird, wenn er mit Worten wie Gott oder Gebet bei seiner Schulabschlußfeier konfrontiert würde. Chef- US-Bezirks-Richter Fred Biery entschied daraufhin, dass bei der Graduiertenfeier der Oberschule keinerlei Gebet gesprochen werden darf und auch nicht das Wort „Gott“ oder ein „Amen“ erwähnt werden soll, da dies den Teilnehmern der Feier schaden würde. Jedem, der diesem Urteilsspruch zuwiderhandelt, wird mit einer Gefängnisstrafe gedroht. Amerikanische Katholiken kommentieren, dass dieses dem Ersten Staatsgesetz der Meinungsfreiheit widerspricht. "Wir können das tun was wir wollen und sollten nicht darauf achten müssen gewisse Dinge nur tun zu dürfen wenn es dem Anderen auch genehm ist. Katholischen Christen darf es nicht verboten werden, das zu tun, was ihre Religion ausmacht. Ein Christ spricht ganz natürlich jeden Tag vom lieben Gott und keiner hat das Recht, ihn gesetzlich zu belangen, wenn er nicht den Mund hält".

Diese Form des steten Beleidigtseins, wenn Ansprüche aus offensichtlichen Gründen nicht anerkannt werden, kennen wir ja auch zur Genüge von der moslemischen Propaganda-Maschinerie. Doch wiederum die Frage: warum wird von so vielen mit zweierlei Maß gemessen, je nachdem, von welcher Seite Forderungen gestellt werden? Ist der Ruf des Muezzins vom Minarett herab etwas anderes als die christliche Berieselung mit Gebeten in einer notabene weltlichen Schulabschlussfeier?

Ein weiteres Beispiel, wie sich die katholische Kirche über gesetzliche Bestimmungen hinwegsetzt, und ihre eigene Vorstellung von Moral anderen – obwohl vom Staat finanziert – aufzwingen will, findet sich hier: Amerikanische Katholiken sind besorgt, dass ihnen ihre religiösen Freiheiten immer mehr genommen werden. Grund für die Annahme ist ein neues Gesetz, erlassen vom Bundesstaat Illinois. Im Mittleren Westen der USA hat am 26. Mai 2011 die Diözese von Rockford beschlossen aus einem Adoptionsprogramm für Kinder auszusteigen. Die Diözese will keine Kinder an unverheiratete oder gleichgeschlechtliche Paare vermitteln. Weiterlesen

Da passt es den Katholiken natürlich gut ins Konzept, dass auch die Evangelischen am selben Strang ziehen, wenn es gilt, einen antikirchlichen Stimmungswandel zu konstatieren. So erklärte der evangelische Kirchenpräsident Christian Schad: Atheistische Forderungen finden zunehmend positive Resonanz.

Seltsam nur, dass wir Atheisten davon so wenig wahrnehmen und lediglich konstatieren können, dass sich der religiöse Einfluss in der Gesellschaft immer stärker breitmacht. Doch lesen Sie mehr zum Thema Antikirchlicher Stimmungswandel.

Das sind Puzzleteile einer groß angelegten Kampagne des Vatikan gegen den Säkularismus, der sich im Motu proprio „Ubicumque et semper“ angekündigt hat, und das nunmehr in der Koalition mit Protestanten und Moslems seine Fortsetzung findet. Wir sind sicherlich noch nicht am Ende der Aktionen angekommen und sollten genau beobachten, mit welchen Mitteln die Gegenseite den Kampf führt.

Da trifft es sich auch gut, dass Psychiater nun festgestellt haben, beim Atheismus handele es sich um eine schlichte Geisteskrankheit, verwandt dem Terrorismus derer, die den Koran nicht verstanden haben. Auch oder gerade, wenn Sie dieses „Argument“ unbeschreiblich lächerlich finden sollten, versäumen Sie bitte nicht, sich darüber zu informieren. Systemfeinde als psychisch krank zu bezeichnen hatte schon in anderen Gesellschaftsformen Methode. Sind wir jetzt hier auch schon soweit?

Passend zum Thema (aus Atheist Cartoons):

 




Afrika – Neue Heimstatt für Jesus

„In Italien ist es warm und die Sonne scheint fast immer. Dagegen ist das graue Norddeutschland von Kälte, Regen und Stürmen gepeinigt.“ Dieses Faktum war den armen Friesen zu Beginn des achten Jahrhunderts christlicher Zeitrechnung nur zu leidvoll bewusst. Dagegen konnten auch Thor und das ganze restliche Panoptikum an germanischen Göttern und Halbgöttern, die durch die Vorstellungswelt der armen Heiden geisterten, nichts ändern. Bonifatius aber versprach Abhilfe. Das Wetter werde sicherlich wie in Italien, wenn man sich nur dem richtigen Gott zuwendet.

Verwunderung griff aber um sich, als sie die „Begründung“ für diese offenbaren klimatischen Unterschiede erfuhren. „Aufklärer“ der Friesen war der aus Wessex (heute Grafschaft Devon) stammende Wynfryth, der aber seinen Kampfnamen, der ihm von Papst Gregor II. anlässlich einer Pilgerreise nach Rom verliehen worden war, bevorzugte: Bonifatius, also in etwa „derjenige, der Gutes tut“. Er wurde natürlich heilig gesprochen und gilt heute als der „Apostel der Deutschen“. Für Jospeh Ratzinger, der sich neuerdings zum Obermissionar des so arg verweltlichten Westens berufen fühlt, ist er ein glühendes Vorbild, dem nachzueifern jedes anständigen Christen Pflicht bedeutet, so am 11. März 2009 in einer Generalaudienz vor 50.000 verklärten Pilgern in Rom.

Mission damals und heute

Bonifatius’ „Begründung“ war so simpel wie haarsträubend: „In Italien wohnen eben Christen, die von Gott dafür mit angenehmem Klima belohnt werden“. Als ich dies kurz vor meinem Examen 1969 in einer Oberseminararbeit wohl wahrheitsgemäß als plumpen Trick und schlichte Lüge bezeichnete, erboste sich mein gläubiger Professor am Rand des Manuskripts mit der Bemerkung: „Kirchenfeindlichkeit geradezu Bismarckscher Prägung!“ Die Friesen hat Bonifatius nicht überzeugt: sie jagten ihn davon. Das war aber nicht der einzige Griff des guten Apostels der Deutschen in die Trickkiste. Kurz nach 723, nunmehr mit einer beträchtlichen fränkischen Streitmacht zu seiner Sicherheit gegen etwaige heidnische Feindseligkeiten im Rücken, ließ er in Geismar bei Fritzlar die dort zu Ehren Thors stehende Donareiche fällen. Als kein Blitz vom Himmel fuhr, um den Frevler zu bestrafen, konnte er frohlockend verkünden: „Seht her, Euer Gott existiert ja gar nicht, sonst würde er sich das nicht gefallen lassen“. Die Heiden waren verdutzt, ihnen standen die Münder offen, so dass sie nicht einmal auf die naheliegende Idee kamen, eine christliche Kapelle in der Nähe einzureißen, um die Reaktion des Christengottes zu prüfen.

Doch trotz all dieser Lügenmärchen ging die Christianisierung nur schleppend voran. Aber Bonifatius wollte es noch einmal wissen. So wagte er sich im gesegneten Alter von über achtzig Jahren noch einmal in die Friesenlande, die er als junger Missionar so schmählich hatte verlassen müssen. Er wollte einfach nicht begreifen, dass diese widerborstigen Leute partout nichts mit seinem vorderorientalischen Wanderprediger zu tun haben wollten. Die Quittung folgte auf dem Fuße: die Friesen hatten nunmehr die Nase voll und erschlugen den Quälgeist mitsamt seiner Mannschaft am 5. Juni 754.

Kolonialisierung brachte abrahamitische Religionen nach Afrika

Als Jahrhunderte später Sachsen und Friesen sich noch immer nicht dem römischen Kreuz beugen wollten, riss schließlich Karl dem Großen der Geduldsfaden. Mit gewaltiger Streitmacht seiner Gotteskrieger ließ er Tausende der Widerspenstigen dahinmetzeln, allein in Verden an der Aller kostete das Massaker im Namen christlicher Nächstenliebe 4 500 Menschenleben. Die lange und leidvolle Geschichte der Missionierung in Norddeutschland zeigt archetypisch die Vorgehensweise der vermeintlich friedvollen Religionen. War man in der Minderheit, versuchte man es mit Lüge und Verstellung, im Koran etwa „Taqiyya“ genannt. Hatte man die Macht, wurde der Ungläubige schlicht militärisch überrannt und zur Annahme des jeweils „rechten Glaubens“ gezwungen. Die monotheistischen Weltreligionen stehen sich hier in nichts nach, mit einer Ausnahme: Juden missionieren nicht.

Wenn also Bonifatius-Verehrer Benedikt XVI. das Übel des um sich greifenden Atheismus per Mission ausrotten will, dürfen wir gespannt sein, zu welchen Tricks und Lügen der Vatikan diesmal greifen wird. Militärische Macht kann er ja mangels Masse zum Glück nicht einsetzen. Der Islam verhält sich in diesem Punkte völlig systemkonform. In Europa und Amerika greift er zur Taqiyya. Dort wo er militärisch stärker ist wie etwa in Somalia, Sudan, Pakistan, Afghanistan oder auch im Norden Nigerias zählt nur noch nackte Gewalt mit Terror und Unterdrückung – auch gegen die eigenen Glaubensbrüder, wenn deren Ideen nur ein Quäntchen von der angeblich „reinen Lehre“ abweichen. Das Mittelalter lässt grüßen.

William Black, Dozent für Theologie und christliche Geschichte, stellt mit Verweis auf Nordafrika fest: “Das Christentum war afrikanisch seit der Zeit der Apostel.” Spätestens aber die Kolonialisierung brachte die christliche Religion nach Afrika. Vorher, heute noch teilweise, herrschten Naturreligionen vor, die sich ganz offensichtlich evolutionär entwickelt haben, da der Mensch von Beginn an auf der Suche nach Erklärungen für das Unbekannte war. Wo kommen Blitz und Donner her? Wer ist verantwortlich für Sonnenschein und fruchtbringenden Regen? Das simplifizierte Weltbild ist immer vom Prinzip her gleich: für das Gute sind die Götter verantwortlich, die man deshalb ehren muss, oder denen man sogar Opfer bringen muss, das Böse wird von Dämonen und Teufeln hervorgebracht, vor denen man Angst und Furcht haben muss. Wie passend, dass auch die abrahamitischen Religionen im Grunde vergleichbar einfältig gestrickt sind. Mission in Afrika: Ein gütiger, manchmal auch zorniger Gott, der in seiner Ohnmacht die bösen Satane und Teufel einfach nicht in den Griff bekommt, sonst gäbe es sie ja nicht mehr.

Wenden sich also – wie heute in Europa – die ehemals Gläubigen in Scharen von den Religionen ab, so kann man sie mit einer Angstkampagne möglicherweise zurückgewinnen: Die Abwendung von Gott produziert „eine Kultur des Todes“ und „Satan füllt die Lücke“, behauptet Prälat Obiore Ike aus Nigeria, wenn er deutschen Christen weismachen will, wie sie von Afrika lernen können. In Afrika scheint eine solche primitive Angstmache zu funktionieren: die Kirchen – vor allem auch die aggressiven Evangelikalen – gewinnen stetig an Mitgliedern. Gestützt auf den traditionellen Aberglauben und unter geschickter Ausnutzung lokaler Gepflogenheiten ist Afrika zum religiösesten Kontinent der Erde geworden.

In einer umfassenden Studie des Pew Forum, die von CNN publiziert wurde, wird festgestellt, dass Afrikaner zu den religiösesten Menschen dieser Welt zählen. Etwa 150 Millionen Evangelikale gibt es bereits, und nach einer Verdreifachung der Mitgliederzahlen während der letzten 30 Jahre weiß die katholische Kirche heute ähnlich viele Menschen hinter sich. Der Humanist Leo Igwe hat dazu einen bemerkenswerten Aufsatz veröffentlicht. Als Kenner der afrikanischen Szene und leidender Betroffener dieses Wahns schreibt er: „Gemäß dieser Studie glaubt mindestens die Hälfte der Christen in Afrika unterhalb der Sahara, dass Jesus noch zu ihren Lebzeiten wiederkehren wird. Einer von drei Moslems erwartet die Wiedererrichtung des Kalifats – das goldene Zeitalter des Islam – bevor sie sterben. Mindestens 30 Prozent der Menschen in Afrika geben vor, göttliche Heilungen erfahren zu haben, oder gesehen zu haben, wie der Teufel ausgetrieben wurde, oder eine direkte Offenbarung Gottes empfangen zu haben. Ein Viertel glaubt, dass Opfergaben für die Ahnen sie vor schlimmen Ereignissen schützen können. Und bemerkenswerte Prozentzahlen glauben an Zauber und Amulette. Viele konsultieren traditionelle religiöse Heiler…”

In Nigeria werden jährlich sieben Mal soviele Priester wie in Deutschland geweiht

Wenn man diesen horrenden Unsinn liest, der durch die umfassende Studie mit über 25.000 Befragten in 19 Sprachen gut untermauert ist, so zweifelt man am Verstand der Kirchen – falls man es nicht ohnehin schon tut – , dass sie sich auf einen solchen Synkretismus einlassen. Das ist ja kein Einzelfall, wie die Inkorporation von Voodoo in der Karibik, oder die simple Weihnachtstanne an der Bethlehemer Krippe zeigen. Doch was will man von Priestern erwarten, die Seelenmessen lesen und damit den Kontakt zu den Toten herstellen, oder die Heiligenbilder verehren, auch in Form von Amuletten, oder die als religiöse Heiler den Satan per Exorzismus austreiben. Das steht diesen afrikanischen Bräuchen in frappierender Weise nah und wird deshalb auch schamlos genutzt. Wäre Jesus Leichnam nicht aus seiner Gruft gestohlen worden würde er sich, ganz metaphorisch gesprochen, wohl im Grabe umdrehen, wenn er sähe, was aus „seiner“ Kirche geworden ist.

Der Glaube an solchen Hokuspokus ist zum Glück in Europa seltener geworden, auch unter den Gläubigen. Umso befremdlicher wirkt es, wenn afrikanische Theologen wie Ibiora Ike daherkommen, und die Spiritualität Afrikas geradezu als Vorbild hinstellen. Das Interview mit Ike ist auch deshalb so unerträglich, weil dieser Unsinn mit einer freundlich lächelnden Leichtigkeit vorgetragen wird: „Jesus hat in Afrika eine neue Heimstatt gefunden“. Zur Untermauerung dient ihm auch, dass allein in Nigeria jährlich 700 Priester geweiht werden, in Deutschland sind es dagegen etwa 100 pro Jahr. All das heißt doch im Klartext: Hier liegt die wahre Frömmigkeit von heute, nehmt euch ein Beispiel daran. Da solche Avancen sicherlich nicht ohne Abstimmung mit dem Vatikan erfolgen, darf man davon ausgehen, dass sich hier im Kern bereits die neue Taktik herauskristallisiert, mit der die Re-Christianisierung Europas erfolgen soll. „Völker dieses Kontinents: schaut auf Afrika und erkennt, dass hier ein großes Vorbild glühenden Glaubenseifers vor euch steht, dem nachzufolgen heilige Christenpflicht ist.“ Und im Grunde sieht der erstaunte Betrachter nichts anderes als einen neuerlichen Griff in die Trickkiste, die eines Bonifatius nicht unwürdig wäre.

Der Artikel erschien zuerst im November 2012

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Die Vorfahren Gottes

NisabaDieser Gastbeitrag von Prof. Dr. Uwe Hillebarnd erschien zuerst am 19. Januar 2012 – aber er ist immer noch aktuell.

Den Gott der Christen, diesen allmächtigen, allwissendenden und allgütigen Schöpfer von letztlich allem, den gibt es wirklich. Er ist real, so wie zu allen Zeiten die Götter, welche die Menschen anbeteten, real waren, jedenfalls für die Gläubigen unter den Menschen. Das predigten immer die jeweiligen Theologen, die von ihrem Gott ausgesandt wurden, um den Menschen das Heil oder Unheil zu verkünden. Sie sind von Gott dazu berufen und somit ermächtigt worden, dieses zu tun. Heutzutage müssen sie ihren Glauben erst an einer Universität studieren, an der man ansonsten nur Wissenschaft studieren kann. Und deswegen wissen sie jetzt auch, dass nur ihr Gott wahr ist, alle anderen Götter, sozusagen die Vorläufer, gab es nicht. Das sagen sie im Brustton der Überzeugung, die auf einem tiefen, weil studierten Glauben beruht. Denn wissen tun sie es natürlich nicht, nur das wissen sie nicht.
      
So ein Gott hat natürlich auch Vorfahren, denn jeder hat Vorfahren. Bereits lange vor Jesu Geburt glaubten die Menschen an Götter, hatten religiöse Vorstellungen und Riten. Alles, was man nicht oder noch nicht erklären konnte, wurde als göttlich, weil offenbar von einem Gott kommend, interpretiert. So wurden etwa Naturgewalten personifiziert. Wenn es donnerte, dann grollte der Gott des Donners. Es gab eine Göttin der Morgenröte, einen Sonnengott, einen Gott des Mondes und viele andere mehr. Dabei war die Lebens- und Leidensgeschichte von Jesus beileibe nichts Neues. Denn zwischen den alten Überlieferungen und den weitaus späteren christlichen Legenden gibt es viele Übereinstimmungen, weil die christliche Lehre und der christliche Kult häufig von älteren Religionen übernommen wurden.

Nach der Lehre des altpersischen Propheten Zarathustra schuf die Gottheit Ahura-Mazda die Erde, die Pflanzen, die Tiere und den Menschen. Den Anfang bildete dabei ein Menschenpaar, das in einem Paradies lebte. Da Ahura-Mazda aber mit seinen Geschöpfen nicht zufrieden war, schickte er eine Sintflut, um sie wieder zu vernichten. Er hatte einen Widersacher mit Namen Ahriman, der auf der Welt das Böse vertrat. Wie der Teufel in der christlichen Lehre war er ein gefallener Engel. Liest man das Alte Testament, kommt einem das bekannt vor. Nur der Name der Gottheit wurde von den Christen durch den Namen Gottvater ersetzt. Die Götter der Welt hatten für unsere Erde ersichtlich denselben Bauplan, leider kam ihnen dann die Evolution dazwischen. Am Ende aller Zeiten verhieß Zarathustra ein Weltgericht, bei dem die Toten wieder auferstehen sollten. Sofern jemand zu Lebzeiten gut wäre, hätte er vom Weltgericht nichts zu befürchten und würde ins Paradies aufgenommen werden. Andernfalls würde er in die Hölle kommen. Die Christen haben später dieses Weltgericht in das Jüngste Gericht umbenannt, alles andere haben sie so belassen.
 
Das Leben des sumerisch-babylonischen Fruchtbarkeitsgottes Tammuz verlief, lange vor Beginn unserer Zeitrechnung,  durchaus ähnlich wie das von Jesus, von dem uns die Evangelien berichten. Er wurde von einer Jungfrau geboren, die mit einem alten Ziehvater zusammen lebte, der nicht Josef hieß, und seine Geburt fand in einem Notquartier statt. Ob das etwa ein Stall war? Eltern und Kind wurden danach verfolgt und flohen, trotzdem musste der Sohn sterben. Wie bei Jesus.

Auch der babylonische Gott Marduk wurde, wiederum  lange vor Jesus, gefangen genommen, verhört, und zusammen mit einem Verbrecher hingerichtet. Oder der römische Gott Mithras, der persischen Ursprungs war. Er wurde im 3. Jahrtausend v. Chr. als Sohn eines himmlischen Vaters ebenfalls von einer irdischen Jungfrau geboren und nach seiner Geburt zunächst von Hirten verehrt, wie Jesus. Auch seine Familie musste fliehen. Nachdem er gekreuzigt worden und zu Ostern wieder auferstanden war, fuhr er in den Himmel. Wie Jesus. Die Anhänger von Mithras glaubten an eine Sintflut, die zu Beginn der Zeit alles Leben auf der Erde auslöschte. Danach kam ein Neuanfang. Sie glaubten ferner, dass die Seele des Menschen unsterblich sei, und die Toten am Ende aller Zeiten bei einem Jüngsten Gericht auferstehen würden. Die heutigen Christen glauben das auch.
 
Der Mithraskult kannte 7 Sakramente, wie später die katholische Kirche, darunter Taufe, Firmung und eine Kommunion, die auf das letzte Abendmahl von Mithras zurückgeht. In den Evangelien lesen wir gleichfalls von einem letzten Abendmahl Jesu. Und andere Götter wurden wie Jesus gekreuzigt, so Dionysos, Lykurgos und Prometheus. Da musste Jesus ja dasselbe Schicksal ereilen. Denn waren die Götter der Welt nicht gerade im Himmel, hatten sie hier unten oft auf ähnliche Weise zu leiden. Leiden durch Menschen, die sie als Gott eigentlich beherrschen sollten. Aber auf Erden ist das vermutlich nicht so einfach.

Diese Parallelen zu dem in den Evangelien beschriebenen Lebensweg von Jesus können kein Zufall mehr sein. Die »frohe Botschaft«, die in den Evangelien verkündet wird, kann getrost um einige Tausend Jahre vorverlegt werden, denn viele Ideen für diese Botschaft entnahmen die Evangelisten, wie unschwer zu erkennen ist, den Religionsmythologien längst vergangener Zeiten. Wie wir wissen, waren allerdings all diese Götter und damit ihre Lebensgeschichten pure Erfindungen der Menschen, die Kirche wird hierbei nicht widersprechen. Wenn jedoch die Evangelien den Lebensweg eines Jesus beschreiben, der in vielen Details mit den Lebenswegen dieser Götter übereinstimmt, dann muss der so beschriebene Jesus ebenfalls eine Erfindung sein. Es geht nicht darum, ob der Mensch Jesus wirklich gelebt hat, das soll hier gar nicht diskutiert werden, sondern es geht allein darum, dass sich die christliche Religion demnach aus erfundenen Erzählungen der Evangelien ableitet. Bis heute bezieht sich die christliche Kirche auf Geschichten, die, und das ist der logische Schluss aus den hier aufgezeigten Parallelen, nichts als Märchen sind. Und Märchen erzählt man kleinen Kindern, nicht Erwachsenen. Nach alledem hat die historische Wahrheit der Evangelien mit Wahrheit nicht viel zu tun. Ist dies das Fundament einer Weltreligion? Vielleicht wird ja diese Weltreligion in 2000 Jahren von dem Mithrasglauben abgelöst. Dann ist Mithras wieder der einzig wahre Gott, wie schon einmal. Und den Gott der Christen gab es natürlich nicht, der gehört zur Religionsmythologie.

 

Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

 

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Gott und die Welt

petersdom-2e22df13-40f4-4bd9-a521-c8efabd84371„In Verantwortung vor Gott und den Menschen“ steht als Verpflichtung in der Präambel des deutschen Grundgesetzes. Angesichts der stark steigenden Zahlen derer, die sich in den letzten Jahrzehnten von den Kirchen befreit haben und der zusätzlichen großen Menge derer, die nur aus gesellschaftlichen oder familiären Gründen weiterhin im Schoß der Kirchen verbleiben, muss die Frage erlaubt sein, ob dieser Gottesbezug noch zeitgemäß ist, oder ob er nicht inzwischen einen regelrechten Affront gegenüber den Nicht- oder Andersgläubigen darstellt. Das Grundgesetz gilt immerhin für alle Deutschen, nicht nur für die verbliebenen Reste der aussterbenden Spezies homo religiosus. Jeglicher Vorstoß in Richtung Vernunft ist in den vergangenen Zeiten nach dem Kriege am erbitterten Widerstand der kirchlichen Lobby gescheitert. Man fragt sich unwillkürlich, was diese damit bezweckt, welche wahren Gründe sich hinter diesem besessenen Kampf verbergen.

Ginge es den Kirchen lediglich darum, ungestört ihre Riten befolgen zu dürfen, könnte es ihnen doch völlig egal sein, wie sich dieses weltliche Gebilde Staat organisiert und seine Gesetze demokratisch abgestimmt formuliert. Niemand will und wird ihnen das Recht auf Ausübung ihrer Religion nehmen. Es geht also nicht um die Verteidigung des religiösen Freiraums, sondern offensichtlich um die Meinungshoheit, um Dominanz, ja letztlich um die Disziplinierung aller Abtrünnigen oder Nie-Dort-Gewesenen. Es findet so zu sagen eine Fortsetzung der Inquisition mit anderen Mitteln statt. Zwar darf man Häretiker und Ketzer nicht mehr so ohne weiteres auf dem Scheiterhaufen von ihren Sünden befreien, aber das Beharren auf einer unsinnigen Formel zeigt jedermann eiskalt und gnadenlos: Wir sind noch da, warte nur ab, bis wir wieder die alleinige Bestimmungsgewalt haben, dann geht es Dir an den Kragen.

Auch in den nie zu einer gemeinsamen Verfassung geronnenen Lissabon-Prozess haben sich die Kirchenvertreter eifrig bemüht – unterstützt von den deutschen Vatikan-Parteien – ihre diskriminierenden Bestrebungen einzubringen. Es hat nicht gereicht, da selbst die überwiegende Mehrzahl der so genannten „katholischen“ Länder dem Begehren Widerstand entgegensetzte. Seitdem herrscht helle Verzweiflung bei den Katholiken, die so weit führte, dass katholischen Abgeordneten mit Exkommunikation gedroht wurde – ein wohlfeiles Machtmittel, das aber nicht mehr ganz so zieht wie noch in früheren Jahren, als von jeder Kanzel Wahlkampfpropaganda betrieben wurde.

Sie geben nicht auf. Im Rahmen der Kampagne, einen Gott in die europäische Verfassung (so sie irgendwann kommen sollte) einzuführen, veröffentlichte Kath.net nunmehr ganz brandaktuell ein Interview, das der kürzlich verstorbene Otto Habsburg der Organisation „Kirche in Not“ 2007 gab:

Papst Johannes Paul II. hat immer wieder davon gesprochen, Europa müsse auch eine Seele haben. Wie hat er das gemeint?
Der Kampf um die Seele Europas ist der Kampf um den Gottesbezug in der Verfassung. Wenn die Menschenrechte, die eines der wesentlichen Elemente Europas sind, einen Sinn und einen Inhalt haben sollen, muss es logischerweise einen Gott geben. Denn das Menschenrecht fußt schließlich auf dem Gedanken, dass der Mensch als von Gott erschaffenes Wesen eigene Rechte hat. Aus diesem Grund plädiere ich dafür, den Gottesbezug in die Europäische Verfassung einfließen zu lassen.

Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: ohne Gottesbezug ist die Seele Europas in Gefahr! Aber schlimmer noch: ausgerechnet die Menschenrechte, die der Vatikan neben Weißrussland nie unterzeichnet hat, dienen jetzt nachgerade als Gottesbeweis. Wusste dieser Mann zum Zeitpunkt des Interviews überhaupt noch, wovon er redete? Doch es geht bizarr weiter:

Die Gegenseite ist heute aktiver denn je. Der Teufel ist immer dort in der Nähe, wo der liebe Gott ist – weil er der Widersacher Gottes ist. Die antichristlichen und antireligiösen Kräfte sind gut vorbereitet, was von unserer Seite nicht behauptet werden kann. Hier gibt es für die Christen noch viel zu tun.
Reicht es denn nicht, wenn man einfach die Menschenrechte in die Verfassung schreibt und sich an diese vernünftigen Grundsätze hält?
Es reicht eben nicht! Hinter all dem muss eine höhere Autorität stehen. Das war der Grund, warum früher Gott in allen Dokumenten erwähnt wurde, jene höhere Autorität, die die Kontinuität der ganzen Sache verbürgt. Wir brauchen einen Gottesbezug in der Europäischen Verfassung, wobei dieser von allen Monotheisten getragen werden sollte.

Langsam schwant selbst dem kritischsten Leser, warum sich die Amtskirchen so herzhaft über die Präsenz des Islams in Europa freuen: Schützenhilfe für die erschlaffende Kraft des Christentums („alle Monotheisten“!). Und die Menschenrechte reichen natürlich nicht aus, denn denen fehlt die „höhere Autorität“.  Deutlicher kann man dem Scharia-Vorbehalt der OIC-Staaten nicht Beifall klatschen. Ob das allen Katholiken bewusst ist, die da immer noch meinen, vereint mit ihren Kirchen den Islam in Europa eindämmen zu können?

Wer an Gott glaubt, ist in dieser Frage unser Verbündeter. Auf anderen Gebieten mag es durchaus Differenzen zwischen den Religionen geben. Aber wenn wir die europaweite Perspektive sehen, müssen wir alle Kräfte sammeln und die Menschen vereinen, die an Gott glauben und für einen Gottesbezug in der Europäischen Verfassung eintreten.
Könnte es zu einer Re-Christianisierung oder zu einer Re-Vitalisierung des Christentums in Europa kommen?
Ich bin überzeugt, dass es dazu kommt. Ich sehe viele Zeichen, die das bestätigen. Wer, außer der katholischen Kirche, hätte weltweit solche Jugendtreffen zustande gebracht?
Wir leben in einer Zeit großer Veränderungen. Die Lebensbedingungen sind heutzutage ganz andere als früher. Die junge Generation hat das verstärkte Bedürfnis nach Halt, sie befindet sich auch wieder mehr auf der Suche nach Gott. Diese Chance gilt es zu nutzen.
Vor allem müssen junge, christliche Menschen in die Positionen kommen, wo Entscheidungen, auch für Europa, getroffen werden. Hier müssen sie für ihren Glauben

Wer sich die ganze Story zu Gemüte führen möchte, sei verwiesen auf http://www.kath.net/detail.php?id=32213

 

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Warum darf ich keinen Kanadier besitzen?

Der Hintergrund zu folgendem Text: Laura Schlessinger ist eine US-Radio-Moderatorin, die Leuten, die in ihrer Show anrufen, Ratschläge erteilt. Kürzlich sagte sie, als achtsame Christin, daß Homosexualität unter keinen Umständen befürwortet werden kann, da diese nach Leviticus 18:22 ein Gräuel wäre. Der folgende Text ist ein offener Brief eines US-Bürgers an Dr. Laura, der im Internet verbreitet wurde.

Das Original findet sich hier : Why can’t I have a Canadian ?

Liebe Dr. Laura!

Vielen Dank, daß Sie sich so aufopfernd bemühen, den Menschen die Gesetze Gottes näher zu bringen. Ich habe einiges durch Ihre Sendung gelernt und versuche das Wissen mit so vielen anderen wie nur möglich zu teilen. Wenn etwa jemand versucht seinen homosexuellen Lebenswandel zu verteidigen, erinnere ich ihn einfach an das Buch Mose 3, Leviticus 18:22, wo klargestellt wird, daß es sich dabei um ein Gräuel handelt. Ende der Debatte.

Ich benötige allerdings ein paar Ratschläge von Ihnen im Hinblick auf einige der speziellen Gesetze und wie sie zu befolgen sind,

a.) Wenn ich am Altar einen Stier als Brandopfer darbiete, weiß ich, daß dies für den Herrn einen lieblichen Geruch erzeugt (Lev. 1:9). Das Problem sind meine Nachbarn. Sie behaupten, der Geruch sei nicht lieblich für sie. Soll ich sie niederstrecken?

b.) Ich würde gerne meine Tochter in die Sklaverei verkaufen, wie es in Exodus 21:7 erlaubt wird. Was wäre Ihrer Meinung nach heutzutage ein angemessener Preis für sie?

c.) Ich weiß, daß ich mit keiner Frau in Kontakt treten darf, wenn sie sich im Zustand ihrer menstrualen Unreinheit befindet (Lev. 15:19-24). Das Problem ist, wie kann ich das wissen? Ich hab versucht zu fragen, aber die meisten Frauen reagieren darauf pikiert.

d.) Lev. 25:44 stellt fest, daß ich Sklaven besitzen darf, sowohl männliche als auch weibliche, wenn ich sie von benachbarten Nationen erwerbe. Einer meiner Freunde meint, daß würde auf Mexikaner zutreffen, aber nicht auf Kanadier. Können Sie das klären? Warum darf ich keine Kanadier besitzen?

e.) Ich habe einen Nachbarn, der stets am Samstag arbeitet. Exodus 35:2 stellt deutlich fest, daß er getötet werden muß. Allerdings: bin ich moralisch verpflichtet ihn eigenhändig zu töten?

f.) Ein Freund von mir meint, obwohl das Essen von Schalentieren, wie Muscheln oder Hummer, ein Gräuel darstellt (Lev. 11:10), sei es ein geringeres Gräuel als Homosexualität. Ich stimme dem nicht zu. Könnten Sie das klarstellen?

g.) In Lev. 21:20 wird dargelegt, daß ich mich dem Altar Gottes nicht nähern darf, wenn meine Augen von einer Krankheit befallen sind. Ich muß zugeben, daß ich Lesebrillen trage. Muß meine Sehkraft perfekt sein oder gibt’s hier ein wenig Spielraum?

h.) Die meisten meiner männlichen Freunde lassen sich ihre Haupt- und Barthaare schneiden, inklusive der Haare ihrer Schläfen, obwohl das eindeutig durch Lev. 19:27 verboten wird. Wie sollen sie sterben?

i.) Ich weiß aus Lev. 11:16-8, daß das Berühren der Haut eines toten Schweines mich unrein macht. Darf ich aber dennoch Fußball spielen, wenn ich dabei Handschuhe anziehe?

j.) Mein Onkel hat einen Bauernhof. Er verstößt gegen Lev. 19:19 weil er zwei verschiedene Saaten auf ein und demselben Feld anpflanzt. Darüber hinaus trägt seine Frau Kleider, die aus zwei verschiedenen Stoffen gemacht sind (Baumwolle/Polyester). Er flucht und lästert außerdem recht oft. Ist es wirklich notwendig, daß wir den ganzen Aufwand betreiben, das komplette Dorf zusammenzuholen, um sie zu steinigen (Lev. 24:10-16)? Genügt es nicht, wenn wir sie in einer kleinen, familiären Zeremonie verbrennen, wie man es ja auch mit Leuten macht, die mit ihren Schwiegermüttern schlafen? (Lev. 20:14)

Ich weiß, daß Sie sich mit diesen Dingen ausführlich beschäftigt haben, daher bin ich auch zuversichtlich, daß Sie uns behilflich sein können.

Und vielen Dank nochmals dafür, daß Sie uns daran erinnern, daß Gottes Wort ewig und unabänderlich ist.

Ihr ergebener Jünger und bewundernder Fan Jake

 

 




Noch ein Schmankerl aus Österreich

Der Grazer Diözesanbischof Egon Kapellari empfiehlt sündigen Priestern im Falles eines Zölibatsbruchs eine „wehtuende Spende“.  Sogar in der aktuellen Wochenausgabe der deutschsprachigen Papstzeitschriftt „L`Osservatore Romano“ wurde das bischöfliche Referat aus Graz nun samt heikler Zölibatspassage veröffentlicht!

 

Konkret rät Kapellari Priestern, die „in eine Berufs- und Berufungskrise geraten sind oder seit langem in einem falschen Kompromiss stehen“ zu einer „fast wehtuenden, großzügigen Spende“ – etwa für hungernde Menschen. Mit dem klaren Ziel für sündiges Gottespersonal: „wieder freier atmen zu können“.

Als eine Form modernen Ablasshandels will der Grazer Diözesanbischof seinen Vorschlag aber „auf keinen Fall“ sehen. „Es ist eine von vielen Möglichkeiten, damit zu beginnen, in so einer Situation den Knoten zu lösen. Ich lege da auch keine Tarife fest und prüfe auch nicht nach, ob und wie viel ein Priester gespendet hat“. Aber: „Werden Versprechen gebrochen, gibt es einen Selbstbehalt“, erläutert Kapellari im Gespräch mit dem Standard…

Das alleine ist ja schon urkomisch, ich möchte den Lesern aber anhand von postings im dazugehörigen thread im online Standard den Tag noch weiter versüssen und zeigen, wie kreativ und sarkastisch die Poster in diesem Forum sind!

Achtung : es ist nicht alles jugendfrei 😉

Die Quadratmoral der katholischen Amtskirche

Dieser Vorschlag erniedrigt die betroffenen Frauen zu bezahlten Konkubinen. Im Pfarrhof herrscht „Begleitservice“. Dazu passt, dass der Papst Kondome für männliche Prostituierte gestattet. Das ist keine Doppelmoral mehr, sondern Quadratmoral.

Kann es sein,

dass die Pfaffen viel zu oft mit Weihrauch als psychogene Substanz hantieren?
Anders ist diese „Schnapsidee“ nicht zu verstehen. Gilt das in Zukunft auch für das Basisvolk, anstelle von 3 Vaterunsern etc. nach der Beichte die Bankomatkarte zücken?
Echt skurril, diese Fritzen!

Regress

Hat sich der Kapellari in seiner Demenz überlegt, ob er nicht für ein paar Jahrzehnte nachzahlen müsste?

Glaubt die Kirche

… selber nicht mehr an die abschreckende Wirkung ihrer Himmel/Hölle-Konstruktion?

Gute Idee, daher

möchte ich konstruktiv mitarbeiten und folgenden Bußkatalog anbieten:
1. Sex mit erwachsener Frau (Frau ist einverstanden): 200 EUR
2. Sex mit erwachsenem Mann (Mann ist einverstanden): 150 EUR
3. Sex mit Kollegen (Kollege ist einverstanden): 100 EUR
4. Selbstbefriedigung: 50 EUR
5. Vergewaltigung (Erwachsener): Verwarnung
6. Vergewaltigung kleiner Kinder: wird vom Leiter der Glaubenskongregation vertuscht, daher straffrei, um die neue Strenge der katholischen Kirche auszudrücken, bekommt das Opfer – mit angemessenem Abstand von 30-40 Jahren – einen Schokoriegel. Für die Verwendung von bösen Kondomen wird ein Zuschlag von 30 EUR berechnet. Abtreibungen werden von der Kirche bezahlt, an Alimenten beteiligt sich die Kirche zu 60%.

Gute Idee, aber

ich würde noch zwecks der Mehreinnahmen vorschlagen, dass man mit RK – Gutscheinen, die man auch gerne zu Weihnachten verschenken kann, schon vorab die irdischen Freuden für nächste Jahr sichern kann. Oder wie wäre es mit einer RK – Bonus Card, 20% auf alles …

Braucht der Papst vielleicht schon wieder neue Prada-schlapfen?

Keine schlechte Idee!

Aber, ob die Geliebte des Pfarrers das Geld nimmt?

„… um Last von der Seele zu nehmen, lohnt es sich eben auch, Lösungsansätze auf materieller Ebene zu suchen.“

Das ist ja unglaublich, wie entlarvend diese Aussage ist!

Neues Gehaltsschema für Priester

Grundgehalt 2.000,–
Hotelspesen 500,–
Verhütungszuschuss 120,–
Konkubinats-Subvention 750,–
———————————-
Bruttogehalt 3.370,–
Schnaxl-Ablass -1.370,–
———————————-
Gehalt vor Steuern 2.000,–

Offenbar machte die Kirche im letzten Quartal zu wenig Umsatz…

…der Aufsichtsrat sucht neue Einnahmequellen 🙂

Pfarrer wird zur Rede gestellt:

Sie schlafen mit der Köchin in einem Bett?
Ja, aber wir haben ein Bügelbrett dazwischen!
Und wenn das Bügelbrett umfallt?
Dann werfen wir ein Zehnerl in die Kasse!
Nur ein Zehnerl?
Ja, aber es läppert sich ganz schön zsamm!

Jener Mann spicht wirr, er möge sich einen von der Palme wedeln, auf dass er wieder klaren Gedankens werde!

Frauenbild der Kirche:

Heilige oder Huren. Heilige faßt man nicht an, für Huren bezahlt Mann.

Tarife

Ich hab da einmal eine kleine Spendenliste zusammengestellt. Als Vorschlag natürlich – bitte um Ergänzung!
1 x nackert duschen: 5 €
1 x Zipfl zupfn: 10 €
1 x dem Ministranten in den Hintern ….: 7 €
1 x mit dem Kaplan: 10 €
1 x eine Frau küssen: 1000 €
1 x SEX (pfuigack) mit einer Frau: 10.000 €

Religion von innen

das ist nur ein weiterer beweis, dass religion von innen ziemlich unlustig ist, von aussen betrachtet aber SEHR lustig

und wenn jeweils bei Selbstbefriedung zumindest eine kleine Geldstrafe gäbe, wäre ganz Griechenland gerettet.

Zahlen für sex?

So ein Konzept gibt es schon…

Ein Verein, der
– Homosexuelle und
– Frauen benachteiligt,
– Pädophile unterstützt,
– und jetzt auch noch über ein Standbein in der Zuhälterei nachdenkt!
Ich kann jedem Mitglied nur raten, darüber ganz objektiv nachzudenken.
Ein Schelm der denkt, es könnte die katholische Kirche gemeint sein.

Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt!

Der Kirche muss es finanziell ganz schön dreckig gehen

wenn sie jetzt schon die eigenen Hirten schröpft.

Geld gegen Vertrauen – DAS nenn ich moralische Wertvorstellungen!

Sollte jemand …

frei atmen wollen, so biete ich mich an, eine Spende entgegenzunehmen. Bitte um Kontaktaufnahme.
Ich könnte dann auch freier atmen, sozusagen mein Selbstbehalt.

Ich finde die Idee gut, ABER man sollte sich nicht so einfach freikaufen können. Deshalb schlage ich ein 3-Säulen Modell vor:
1. eine saftige Spende
2. öffentliches Auspeitschen
3. Sitzen im Beichtstuhl und um Vergebung bitten
Die katholische Kirche und deren Vertreter müssen wieder frei von Sünde sein

Gibt es dann eine Preisliste:
– für heterosexuellen Sex
– für bisexuellen Sex
– für einen Dreier
– für Gruppensex
– für spezielle Praktiken wie SM, etc.
– kein Tarif für Frauen in der Kirche; die haben ohnehin nichts zu melden und zu lachen
– Rabatt bei Personen, die schon bezahlt worden sind
– Rabatt bei kostenpflichtigen Swingerclubbesuchen
– Rabatt bei kostenpflichtigen Online-Portalen
– Zusatztarif für Geliebte, je Dauer der Liebschaft
– Zusatztarif für Geliebte mit Kind
– Rabatt für Geliebte, die im Dienste der Kirche steht
– Zusatztarif für jene Männer, die weiter oben in der Kirchenhierarchie stehen. Je verlogener und desto mehr man verdient, desto mehr zahlt/spendet mann.

vier Zusatztarife vergaß ich noch:
– Zusatztarife für alle Pfarrer, die ein Eheseminar leiten, aber nicht wissen wie Ehe funktioniert
– Zusatztarife für alle Pfarrer, die ein Eheseminar leiten, dabei Untreue predigen, aber zugleich Zölibatsbruch begehen, also im engeren Sinne auch untreu gegenüber ihrem Glauben sind
– Spezieller Zusatztarif für all diejenigen, die Sex im Jahr 2011 noch unter Strafe stellen.
– Spezieller Zusatztarif für jene Glaubensgemeinschaften, wo Pfarrer, Bischöfe, Kardinale und Päpste KEINEN Zölibatsbruch begehen, aber wie gamsige, kastrierte Eunuchen umherlaufen. Letzteres ist wider die Natur und sollte dementsprechend streng bestraft werden.

 

Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

 

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Mayday – Save Our Souls

IAFLDie persönliche Vorgeschichte:

Wie könnte man einen solchen Tag jemals vergessen? Wir befanden uns auf einem Flug von Leeds in Nordengland nach Nizza in Südfrankreich. Außer meinem Kopiloten und mir war nur ein einziger Passagier an Bord, der Rallye-Pilot A.S., der in Frankreich noch schnell vor dem Beginn der Rallye verschiedene Reifen testen sollte. In Flugfläche 200, also auf 20 000 Fuß Höhe, zogen wir ruhig unsere Bahn in pechschwarzer Nacht. Routine, keine besonderen Vorkommnisse. (Foto: Privatbesitz). Dass wir soeben die englische Küste in Richtung Kanal überquerten, wussten wir nur von unseren Instrumentenanzeigen, zu sehen war nichts. Kurz bevor die englische Bodenkontrolle uns an die französischen Kollegen übergeben würde geschah, was für jeden Piloten ein Albtraum erster Güte ist: Beide Triebwerke begannen unruhig zu arbeiten, der Treibstoffdruck ließ nach, die „engines“ verloren Leistung. Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis sie endgültig ihren Dienst quittieren würden. Ich gab die nun erforderliche Mayday-Meldung nach London ab. Man darf wissen: in der Luftfahrt gibt es das seemännische SOS nicht. „Mayday“ ist eine Verballhornung des französischen „M’aidez“ – “Helft mir!”

Die Reaktion war professionell. „Next suitable airport“, der nächste geeignete Flughafen für die angepeilte Notlandung war London Gatwick, wenn wir es denn erreichen sollten. Mein Kopilot, ein noch unerfahrener junger Mann, war völlig verstört. Nicht etwa weil er Angst gehabt hätte, dazu war sein Vertrauen in mich als seinen Ausbilder zu groß. Nein, er fand die Anflugkarten von Gatwick, um die ich ihn gebeten hatte, nicht. Trotz des unvermeidlichen Stress musste ich feixen: er hatte unter „G“ gesucht, nicht aber unter „L“ wie London-Gatwick. Mein Lachen verging mir von einer Sekunde auf die andere, als mir der Fluglotse die Frage stellte, die mir auch heute noch, 30 Jahre nach den Geschehnissen, in der Erinnerung einen Schauer über den Rücken fahren lässt: „How many souls on board?“ Er musste schließlich seine Infos sammeln, bevor wir uns möglicherweise in einen Haufen rauchender Trümmer verwandelten. Nein, wirklich, er sagte nicht etwa: „how many persons“ oder „how many people“, er wollte die Anzahl der an Bord befindlichen „Seelen“ wissen. Wir schafften es mit Ach und Krach bis Gatwick, der gesamte Luftraum um uns herum wurde freigemacht, sehr zum Ärger der aus Übersee kommenden Piloten, die nun für fast eine Stunde in die Warteschleifen rund um Gatwick geschickt wurden. Meine Landung in Gatwick war wohl nicht ganz so butterweich wie man es als Pilot so gerne hätte. Jedenfalls wachte unser Passagier, der „selig“ geschlafen hatte, auf und sagte in seinem unnachahmlichen Fränkisch: „Was, sind wir schon in Nizza? Nein? Aber was machen wir denn in London?“ Er hatte nicht mitbekommen, dass soeben seine Seele davor bewahrt wurde, seinen Körper verlassen zu müssen.

Die Erschaffung der Seele

Die Frage nach dem Wesen der menschlichen Seele wurde Jahrtausende lang ausschließlich von Theologie und Philosophie beantwortet. Erst in neuerer Zeit haben sich die Naturwissenschaften als Antwortende eingereiht. Der normale Sterbliche weiß von seiner Seele in aller Regel nur das, was ihm von Kindesbeinen an von „Seelsorgern“ eingetrichtert wurde: irgendetwas Quasi-Göttliches, das in einem wohnt, und in dem sich alle gottgegebenen Regeln bündeln, die einen auf den rechten Pfad führen. Das „Seelenheil“ ist dabei so wichtig, dass der Gläubige gelegentlich mit einem „Seelenhirten“ Rücksprache halten muss (Beichte), damit sein „Seelenfrieden“ nicht durch Verunreinigung Schaden nimmt. Und wenn er einst gestorben ist, so wird man für ihn ein „Seelenamt“ abhalten und eine „Seelenmesse“ lesen, denn auch als Toter ist seine Seele schließlich noch vorhanden, zwar in einer anderen Welt, aber durch die Worte des Priesters durchaus noch erreichbar. Das erste Wesen mit schriftlich attestierter „Seele“ war laut Genesis Adam, dem Gott, nachdem er ihn aus einem Lehmklumpen geformt hatte, den Lebensodem einhauchte. Nach diesem schwerwiegenden Akt war Gott übrigens dermaßen erschöpft, dass er erst einmal einen Tag Pause einlegen musste – eine sehr menschlich naive Vorstellung von einem Allmächtigen, die vielen christlichen Kulturen allerdings einen Feiertag bescherte.

Der Dualismus Körper und einer von ihm unabhängigen Seele entspricht dabei durchaus nicht der urchristlichen monistischen Auffassung von der Einheit von Körper und Seele. Hatten nicht die Jünger den Auferstandenen als leiblich-seelische Einheit nach einigen Anfangsschwierigkeiten der Identifikation eindeutig erkannt? Sie nahmen ihn eben nicht als Geist oder Engel wahr, sondern als leibhaftigen Menschen, den sie anfassen konnten. Da lag es nahe, an eine leibliche Auferstehung zu glauben. Doch in den Gräbern verwesten weiterhin die Leichen, das leere Grab des Jesus aus Nazareth blieb die einzige Ausnahme. Das Aufkommen dualistischer Vorstellungen von Leib und Seele war eine zwingende Folge dieses nicht zu leugnenden Tatbestandes. Die folgenden Diskussionen bezogen sich deshalb eher darauf, wann denn nun eigentlich die Seele in den Menschen gelange. Gab es seit Beginn dieser Welt einen quasi unendlichen Vorrat an Seelen, von denen jeweils eine bei Bedarf einem Neugeborenen Wesen implantiert wurde? Und wird diese Seele nach dem Ableben ihres Trägers dem globalen Seelenpool wieder zugeführt? Das wäre keine schöne Vorstellung für die meisten gewesen, grenzte möglicherweise auch zu sehr an Vorstellungen von Seelenwanderung wie sie anderen Religionen eignet. Man entschied sich schließlich für die erheblich attraktivere Idee eines Jenseits voll mit Individuen. Das ließ sich erheblich besser an diejenigen verkaufen, die Angst vor einem endlosen Nichts nach dem Tode hatten. So wurde die Vorstellung genährt, dass man letztendlich alle seine bereits verstorbenen Verwandten im Jenseits in die Arme schließen werde und mit jedermann, einschließlich der Schwiegermutter, in perfekter, ewiger Eintracht dahinleben werde.

Auch Vorgang und Zeitpunkt, zu dem die Seele dem Körper beigegeben wird, wurden eindeutig festgelegt: Weder nahm Gott eine bereits geschaffene Seele aus dem großen Pool, noch wurde die Seele mit dem väterlichen Samen an die Nachkommen weitergegeben (das Ovulum war noch nicht entdeckt) – obwohl dies so elegant die Weitergabe der Erbsünde erklärt hätte. Nein, bei jedem Befruchtungsakt erschafft Gott eine ganz neue, spezifisch auf dieses entstehende Wesen abgestimmte Seele und gibt sie dem werdenden Zellhaufen bei. Da behaupte nun einer, Gott sei heutzutage nur noch überwachend und nicht mehr schöpferisch tätig. Dieser großen Mühe, der sich Gott für jedes Einzelwesen unterzieht, trägt vor allem die katholische Kirche bis auf den heutigen Tag Rechnung, wenn sie so vehement und manchmal auch militant gegen Masturbation, Abtreibung oder Verhütung ankämpft. Eine zunehmend geringer werdende Anzahl Menschen folgt ihr allerdings in dieser rigiden Interpretation. In die Welt gesetzt wurde die Idee einer beim Befruchtungsvorgang von Gott geschaffenen Seele (Kreatianismus, nicht mit dem Kreationismus zu verwechseln) von Laktanz, einem wohl 325 verstorbenen Kirchenlehrer. Sie hat sich gegen zahlreiche Anfeindungen in der römisch-katholischen Kirche vollständig durchgesetzt und bis auf den heutigen Tag praktisch unverändert erhalten.

Die vielen Seelen in unserer Brust – oder wo auch immer

Viel interessanter in der Historie blieb die Frage, an welcher Stelle sich die beigegebene Seele denn nun im Körper einnistet. Bis auf die Extremitäten und die Geschlechtsteile sind alle möglichen Orte im Körper in Erwägung gezogen worden. Die „Seele in meiner Brust“ reflektiert noch deutlich eine der althergebrachten Vorstellungen. Neue Impulse bekam die Debatte in der Neuzeit insbesondere durch René Descartes’ Naturphilosophie und Metaphysik. Nach Descartes (1596–1650) hat man streng zwischen einer ausgedehnten Materie (res extensa) und einer denkenden Seele (res cogitans) zu unterscheiden. Der Körper, zu dessen Bereich Descartes die irrationalen Lebensakte zählt, ist ein Teil der Materie und lässt sich vollständig im Rahmen der Mechanik erklären, während sich die denkende Seele als immaterielle Entität der empirischen Forschung entzieht.

Man war damals davon überzeugt, dass die Fähigkeit zu sprechen und intelligent zu handeln sich durch die Interaktion physischer Komponenten nach Naturgesetzen nicht erklären lasse, sondern vielmehr etwas Nichtphysisches voraussetze, das man berechtigterweise Seele nennen könne. Nach Descartes’ dualistischer Konzeption kann man die Seele nicht im Körper oder an irgendeinem Ort der materiellen Welt lokalisieren. Allerdings gebe es eine Kommunikation zwischen Seele und Körper, deren Ort auffindbar sei. Descartes vermutete, die Epiphyse (zu deutsch Zirbeldrüse) sei der zentrale Ort des Austauschs zwischen Seele und Körper. Diese Hypothese wurde allerdings durch die empirische Forschung bald widerlegt. Die Kritik an Descartes’ Epiphysentheorie führte jedoch zu zahlreichen neuen Hypothesen über den Ort des Seelenorgans. Heute gilt es auch bei den Anhängern des dualistischen Seelenkonzepts wie beispielsweise Richard Swinburne als mehr oder weniger unbestritten, dass die Seele mit Denken (res cogitans) und Bewusstsein ihren Ort im Gehirn habe. In diesem Zusammenhang ist es vielleicht nicht ganz unwichtig, dass die in der lateinischen Bibel als „anima“ bezeichnete Seele in der Septuaginta noch mit „psyche“ wiedergegeben wird.

Das ist insofern von Bedeutung, als die moderne Naturwissenschaft eindeutig das Gehirn als Ort des Denkens und des Bewusstseins, also auch der Psyche, lokalisieren kann. Wenn aber die Gleichung “Seele gleich Bewusstsein” Gültigkeit haben soll, stellt sich eine völlig neue Frage: Wenn Denken offensichtlich an messbare Gehirnströme, chemo-elektrische Prozesse, gebunden ist, also materiell bedingt – wozu dann noch eine Seele? Die, weil immateriell, unnachweisbar eine andere, bisher unbekannte Energieform aufweisen müsste. Paraphysiker und Klerikale glauben fest daran: wie sollte es denn sonst möglich sein, mit Verstorbenen zu kommunizieren? Denken und Bewusstsein sind mit dem Tod unweigerlich zu Ende, weshalb es nach materialistischer (monistischer) Auffassung auch kein wie immer geartetes Weiterleben nach dem Tod geben kann. Mit der Materie stirbt auch das Bewusstsein. Die Kirche ist sich offensichtlich zum Zeitpunkt, als sie Descartes’ Definition von Seele als res cogitans übernahm, nicht klar darüber gewesen, welche Konsequenzen mit dieser Adaptation verbunden sind. Deshalb beharrt sie heute zwar auf dem dualistischen Prinzip, löst sich aber gleichzeitig von der Gleichung “Seele gleich Bewusstsein”.

Seele darf nicht sterben

Was beinhaltet denn nun eine von Denken und Bewusstsein befreite Seele? Letztlich bleiben nur die göttlichen Moral- und Ethikvorstellungen, oder besser: die vom Bodenpersonal verordneten Ideen. Für die von ihnen zusammengestellte Liste von Gut und Böse mussten sie allerdings gehörig sortieren, denn ganz so einfach ergibt sich das aus ihren Schriften nicht. Oder ist es zum Beispiel ein Zeichen höherer Moral, wenn ein Vater bereit ist, den eigenen Sohn zu ermorden, bis er buchstäblich in letzter Sekunde von Gott, der es ihm befahl, daran gehindert wird: „Lass mal bleiben, ich hab ja nur Spaß gemacht“? Oder wenn eine ganze Ortschaft wie Sodom und Gomorrha inklusive aller unschuldigen Kinder dem Erdboden gleichgemacht wird, nur weil einige wenige der „Sünde“ verfallen waren? Welche Moral kann man denn aus solchen Geschehnissen ableiten? Das ficht die Herren natürlich nicht an. Sie nennen ihre hausgemachte Moral weiterhin „gottgegeben“. Der zornige Miesepeter Jahwe wird einfach ausgeklammert.

Es lässt sich nun zeigen, dass unterschiedliche Kulturen im Laufe der Geschichte durchaus im Detail unterschiedliche Moralvorstellungen entwickelt haben. Doch eine erhebliche Anzahl wie zum Beispiel die Ächtung von Mord und Diebstahl teilen alle. Das legt die Vermutung nahe, dass hier evolutionäre Prozesse im Spiel sind, die in ihrem Grund mit religiösen Vorschriften nichts zu tun haben. Es ist für Kleriker völlig unvorstellbar, dass Ethik und Moral sich auch evolutionär entwickelt haben könnten. Ob solche Vorstellungen indirekte oder direkte Produkte der Evolution sind befindet sich in heftiger wissenschaftlicher Diskussion.

Es sei nicht verschwiegen, dass es durchaus „naturwissenschaftliche“ Ansätze zur Rettung der Seele und damit für ein Leben nach dem Tode gibt. Kirchen sind schließlich nicht zuletzt auch eine finanzielle Großmacht. Sie sind vor allem daran interessiert, dass der von ihnen verwendete Seelenbegriff nicht sang- und klanglos mit modernen Erkenntnissen untergeht. Sie würden ihr letztes Repressionsmittel verlieren. Der von ihnen postulierte „Sinn des Lebens“ hätte jede Gültigkeit verloren. Bleibt noch die Angst vor dem Tod, die durch die Einhaltung religiöser Normen genommen werden soll: „Wenn du brav bist, kommst du ins Paradies.“ Zu bedenken bleibt allerdings, dass die Möglichkeit eines wie auch immer gearteten Weiterlebens nach dem Tode theoretisch denkbar ist – und zwär völlig ohne Koppelung an religiöse Vorstellungen. Allerdings verkauft Kirche gerne den Glauben gleich im Doppelpack mit dem Jenseits, obwohl das rein logisch nicht haltbar zu sein scheint. Unabhängig von dieser Frage: Halten wir es doch einfach mit Epikurs’ vergnüglicher Botschaft:  „Genieße das Leben, Du hast nur eines! Angst vor dem Tod? Denke daran, solange Du bist, ist er nicht! Und wenn er ist, bist Du nicht mehr! Was also ängstigst Du Dich?“

Das kann und darf nicht heißen, dass diejenigen, die den starren Regeln der Religionen nicht folgen mögen, nun keinerlei ethische Normen zu einem vernünftig und verantwortungsbewusst geführten Leben benötigten. In einem lesenswerten Beitrag behandelt Prof. Bernulf Kanitscheider, Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der Giordano Bruno Stiftung und des Wissenschaftsrates der GWUP, die „Grundzüge einer naturalistischen Philosophie und Ethik“: „Eine naturalistische Ethik wird also sicher sparsam mit Restriktionen umgehen. Nur so viele Forderungen werden aufgestellt, dass das Wohlbefinden aller Individuen der Gemeinschaft garantiert ist. Ziel einer solchen Ethik ist, dass Menschen nicht aus Selbstzweck irgendwelche Prinzipien erfüllen müssen, sondern dass alle – soweit von den materialen Randbedingungen her möglich – ein aus ihrer eigenen Sicht gelungenes Leben führen können. So steht die naturalistische Ethik im Dienste der Idee eines glücklichen Lebens, dem Zentrum eines modernen säkularen Humanismus.“




Die letzte Ausfahrt II

Im ersten Teil dieses Beitrags (Das Individuum als selbst bestimmtes Wesen) wurde die Frage abgehandelt, welche Einschränkungen aus humanistischer Sicht für die Freiheit des Individuums akzeptabel sind und welche nicht. Freitod ist nicht strafbewehrt, den Kandidaten, die bei ihrem Versuch scheitern, wird allenfalls eine psychiatrische Behandlung angeboten, verbindlich ist sie nicht. Die katholische Klassifizierung (Selbstmord ist Sünde) kommt bereits deshalb nicht in Betracht, da der Begriff „Sünde“ für einen Humanisten eine inhaltsleere Floskel darstellt, die allenfalls der Disziplinierung richtungsloser Schäfchen dient. Somit gehört der Freitod zum Selbstbestimmungsrecht des Menschen ebenso wie die Entscheidung, ihn zu unterlassen. Moralisch gesehen ist beides gleichwertig.

Die Fragestellung kompliziert sich allerdings, wenn sich der Kandidat aus psychischen oder physischen Gründen nicht in der Lage sieht, seinen Entschluss in die Tat umzusetzen – wenn er mithin Hilfe benötigt. Das Thema der Sterbehilfe schwelt seit vielen Jahren unter der Oberfläche der öffentlichen Meinung dahin und kommt allenfalls an die Oberfläche, wenn es gilt, über einen spektakulären Fall zu berichten, oder wenn – wie gerade in der Schweiz – über die Zulässigkeit vom Wähler abgestimmt wird.

Unbestritten scheint heute in aufgeklärten Teilen der Bevölkerung zu sein, dass es möglich sein muss, ein humanes Sterben zu ermöglichen, es sei denn man akzeptiert Schmerzen und Pein als Strafe eines Gottes. Die Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben (DGHS, siehe „Freunde“) bemüht sich seit vielen Jahren mit großem Einsatz, Verbesserungen zu erwirken. Dazu gehört unter anderem die so genannte Patientenverfügung, die es ermöglichen soll, exakte Instruktionen zum Beispiel für die Abschaltung von Apparaturen in der Intensivmedizin zu geben, damit der Sterbeprozess nicht unnötig hinausgezögert wird. Ebenso macht sich die DGHS aber auch mit zunehmenden Erfolgen für einen weiteren Ausbau der in Deutschland noch unterentwickelten Palliativmedizin stark. Beide Initiativen werden in der Öffentlichkeit inzwischen weitgehend unterstützt, allerdings noch nicht sonderlich mit Spendengeldern bedacht. Offensichtlich spenden die Bürger noch immer lieber für Flutopfer in Pakistan, als dass sie ihrer eigenen Zukunft etwas Gutes tun.

Die Tätigkeiten der DGHS gehören eindeutig nicht in den Bereich der aktiven Sterbehilfe. An dieser Stelle muss außerdem genauestens zwischen „aktiv“ und „passiv“ unterschieden werden. Aktive Sterbehilfe gehört in den Bereich „Tötung auf Verlangen“ und diese wird strafrechtlich geahndet. Als gutes Beispiel für die Handhabung können wir die Schweiz heranziehen.

Gerade wurde in Zürich am 15. Mai über 2 Initiativen abgestimmt, die mit diesem Thema zu tun haben. Es geht um Menschen, die keinen Sinn mehr im Weiterleben erkennen und nur noch einen Ausweg sehen: Nämlich physische Leiden, Angst vor Leiden oder einer Krankheit, die die Selbstbestimmung und die Würde des Menschseins ausmacht, nicht zu akzeptieren. Im Kanton Zürich hatten nunmehr zwei Parteien EDU (Eidgenössische Demokratische Union) und EVP (Evangelische Volkspartei) aus religiösen Erwägungen zwei Initiativen gestartet:

Der Text dazu: "Jede Art von Verleitung oder Beihilfe zum Selbstmord soll in der ganzen Schweiz verboten werden". Dazu schreibt der Tagesanzeiger nach der Abstimmung: "Die beiden Vorlagen gegen die Sterbehilfe im Kanton Zürich waren chancenlos. Bei beiden Vorlagen erlitten die EDU und EVP Schiffbruch“. Ein EDU-Kantonsrat zeigte sich enttäuscht über dieses Resultat, „weil sich nicht mehr Zürcher für die Werte der Bibel und Gottes Wort ausgesprochen hätten". Die Kommentare zur abgelehnten Initiative dringen natürlich auch in entsprechend orientierte Publikationen in Deutschland und Österreich vor. So lässt kath.net den italienischen Kardinal Sgreccia zu Wort kommen: „Töten ist kein Recht, sondern ein Verbrechen“. Offensichtlich ist ihm der Unterschied zwischen passiver und aktiver Sterbehilfe unbekannt geblieben.

Zu den obgenannten zwei Initiativen darf man Folgendes wissen. Simbo berichtet: Wir haben in der Schweiz zwei Vereine, "Exit" und "Dignitas". Beide setzen sich für Sterbehilfe ein und sind bereit, sterbewillige Menschen bei diesem Schritt zu begleiten. Allerdings ist zwischen den beiden Vereinen ein frappierender Unterschied festzustellen:

Bei Exit (ca. 55.000 Mitglieder schweizweit) muss man Mitglied und in der Schweiz wohnhaft sein, um in den Freitod begleitet zu werden. Der Wunsch des Patienten ist dort oberste Priorität. Das Mitglied kann verlangen, Vorbereitungen für eine Freitodbegleitung einzuleiten. Ab diesem Moment kann die sterbewillige Person selbst bestimmen, ob und wann sie eine Freitodbegleitung in Anspruch nehmen will. Die Inanspruchnahme von Freitodhilfe ist in der Schweiz erlaubt und legal. Der sterbewillige Mensch muss aber den letzten Schritt "Trinken des Barbituratgemischs" oder "Öffnen des Infusionshahns" selber vornehmen können. Und: der Sterbewillige kann den Vorgang jederzeit abbrechen (es ist zu beachten, dass aktive Sterbehilfe auch in der Schweiz verboten ist). Das Motto des Vereins stammt von  Hermann Hesse: "Was den freiwilligen Tod betrifft: ich sehe in ihm weder eine Sünde noch eine Feigheit. Aber ich halte den Gedanken, dass dieser Ausweg uns offen steht, für eine gute Hilfe im Bestehen des Lebens und all seiner Bedrängnisse".

Der zweite Verein (der Name Dignitas will nicht so recht passen, jedenfalls für mich nicht, sagt Simbo) wurde in der Schweiz vor allem "berüchtigt" dadurch, dass hier so genannter "Sterbetourismus" betrieben wird, d.h. es kommen viele Menschen aus anderen Ländern, um sich hier helfen zu lassen, um zu "sterben". Dem Chef, Herrn Ludwig Minelli (Jurist kein Arzt), wird oft vorgeworfen, sich zu bereichern (bei Exit ist das z.B. nicht der Fall). Doch vor allem die "Methoden" bei diesem Verein sind zum Teil höchst umstritten. So bietet Dignitas auch Helium + Plastiksäcke an, falls sie kein Rezept für Barbiturate erhalten. Da stülpen sich also Menschen Plastiksäcke über den Kopf und drehen den Hahn zur Helium-Flasche auf. Auch dass er Menschen auf Parkplätzen sterben ließ, weil kein entsprechendes Lokal oder eine Wohnung vorhanden waren, stößt bei vielen auf Unverständnis. Und es war sogar die Rede davon, dass in diesem Verein sogar psychisch kranken Menschen zum Suizid verholfen wurde, oder gar Druck ausgeübt wird, falls sich ein Mensch im letzten Moment doch nicht für die Selbsttötung entschließen konnte.

Man sieht, dass es selbst im Bereich der passiven Sterbehilfe erhebliche Auffassungsunterschiede zu notieren gilt, vor allem wenn in die Grauzone zur „Tötung auf Verlangen“ vorgestoßen wird. Auf Yahoo Clever gibt ein Kommentator eine Erklärung zum Thema ab, die ich hier wiedergebe:

Selbstmord und Beihilfe zum Selbstmord sind nicht strafbar. Dagegen wird die Tötung auf Verlangen nach § 216 StGB mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.
Die Abgrenzung zwischen Beihilfe zum Selbstmord und Tötung auf Verlangen richtet sich nach der "Tatherrschaft". Flößt der Partner dem Lebensmüden die Tabletten ein oder verabreicht er ihm die erlösende Spritze, hat der Partner die Tatherrschaft, er wird dann wegen Tötung auf Verlangen bestraft. Nimmt dagegen der Lebensmüde die von dem Partner besorgten Tabletten selbst ein, hat der Lebensmüde die Tatherrschaft und der Partner bleibt straflos.
Das gilt aber nur, wenn der Lebensmüde geistig gesund ist und frei verantwortlich handelt. Ist er dazu z.B. aufgrund von Depressionen nicht mehr in der Lage, hat der andere die Tatherrschaft, selbst wenn er nur die Tabletten besorgt hat.
Unabhängig davon hat der Bundesgerichtshof bisher angenommen, dass die Tatherrschaft in dem Augenblick auf den anderen übergeht, in dem der Lebensmüde bewusstlos wird. Das gilt nach der bisherigen Rechtsprechung als Unglücksfall, bei dem jedermann helfen muss. Leiten hinzukommende Fremde keine Rettungsmaßnahmen ein, werden sie wegen unterlassener Hilfeleistung nach § 323c StGB mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft. Unterlassen die Partner oder der behandelnde Arzt Rettungsmaßnahmen, werden sie – je nachdem, ob der Lebensmüde eigenverantwortlich gehandelt hat oder nicht – wegen Tötung auf Verlangen oder wegen Totschlags, jeweils begangen durch Unterlassen, bestraft. Man muss deshalb mit Problemen rechnen, wenn bekannt wird, dass man während des Sterbevorgangs anwesend war.
Inzwischen hat aber der Bundesgerichtshof in einem neuen Urteil zum Unterbleiben bzw. zum Abbruch lebenserhaltender oder -verlängernder Maßnahmen anerkannt, dass die von einem Patienten früher erklärte Behandlungsverweigerung auch dann noch zu respektieren ist, wenn er zu eigenverantwortlichem Entscheiden nicht mehr in der Lage ist. Danach ist die frühere Rechtsprechung zur Tatherrschaft bei bewusstlosen Lebensmüden wohl überholt.

Man sieht, dass Thema nicht nur moralisch, sondern auch rechtlich kompliziert ist, und von daher eine eindeutige gesetzliche Regelung im Umfeld der Sterbehilfe wünschenswert wäre. Vor allem die Position des Helfers bedarf einer dringenden Klärung. Man informiere sich hierzu auch in dem ausgezeichneten Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Was riskiert der Helfer?.

Simbo und ich haben keine allgemein verbindliche Lösung anzubieten, weshalb wir das Thema in die Hände unserer Leser und Kommentatoren übergeben.  





Glaubensfragen

girl-20878_1280Ein Gastbeitrag von Prof. Dr. Uwe Hillebrand, zuerst publiziert am 10. Januar 2012, doch immer noch aktuell (Bild: PublicDomainPictures, pixabay):

Macht und Einfluss der Kirchen in unserem Staatssystem beruhen auf der Anzahl ihrer Mitglieder, die freilich nicht mit der Anzahl der wirklich Gläubigen gleichgesetzt werden darf. Denn diese ist entschieden geringer als die Gesamtzahl der offiziellen Mitglieder. Viele bleiben Mitglied ihrer Kirche, da sie hoffen, dass der Gott der Christen, falls es ihn wider Erwar-ten doch geben sollte, am Ende ihres Lebens wenigstens die von ihnen brav gezahlten Kirchensteuern honorieren würde. Allerdings setzen sie dabei voraus, dass sich der Gott auf so einen Kuhhandel einlassen würde. Jeder ehrliche Atheist würde ihm lieber sein als solch ein berechnendes Mitglied seiner Kirche, wenn es denn seine Kirche ist.

Es gibt zwei verschiedene Arten von Gläubigen. Zum einen diejenigen, die das Denken ihrer Kirche überlassen, und zum anderen die der Kirche gegenüber durchaus kritisch eingestellten Gläubigen. Sie sind sich wohl dessen bewusst, dass die Kirche, besser ihre Leitung, aus Men-schen besteht (Pastoren, Bischöfen, Kardinälen, Päpsten), denen sie und damit ihrer von ihnen verbreiteten Lehre durchaus Fehler zugestehen, menschliche Fehler. Alles, was sich positiv darstellt, lässt sich für sie auf den Einfluss Gottes zurückführen, Negatives lasten sie, wenn es keinen anderen Ausweg gibt, den Kirchenvertretern, also Menschen, an. In diesem Sinne sind für sie fragliche Punkte der kirchlichen Lehre interpretierbar – was ja auch zum Überleben der Kirche selbst gehört –, oder sogar in gewissen Grenzen verhandelbar.

Aus diesem Grund ist es sinnlos, gläubige Christen z.B. mit offensichtlichen Widersprüchen in den Evangelien zu konfrontieren, wobei noch hinzukommt, dass in der Beziehung bei ihnen eine quasi grenzenlos zu nennende Unwissenheit herrscht. Unwissenheit über ihren Glauben. Losgelöst davon ist für sie die Existenz Gottes ein Faktum, weswegen ihnen die folgende Frage gestellt werden kann, sie lautet: „Haben Sie ihren Gott schon einmal gesehen?“ Die Frage wurde richtig gestellt, denn es heißt, es gebe nur einen Gott, der sich auf drei Personen aufteile. Sollte man also Gott sehen, so kann es sich um die Person Gottvater, die Person Jesus oder die Person Heiliger Geist handeln, wobei man sich unter der Person Heiliger Geist als Nichttheologe absolut nichts vorstellen kann. Aber auch Theologen werden da so ihre Schwierigkeiten haben. Die Sache ist aber nicht relevant, da kein Mensch auf unserer Erde einen der drei je gesehen hat. Die Antwort lautet somit „Nein“. Anders ausgedrückt bedeutet dies gleichzeitig, dass sich der Gott der Christen – sofern es ihn gibt – einfach nicht zeigen will, und die Frage muss erlaubt sein, warum denn nicht. Eine Antwort auf diese Frage gibt Jesus. Nach Johannes 20/29 (Einheitsübersetzung) sagte er zu Thomas: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben. Also, wo ist das Problem?   

Auch in längst vergangenen Zeiten glaubten die Menschen an Götter, die sie niemals gesehen haben, etwa die alten Griechen an den Göttervater Zeus, die Ägypter an den Gott Horus, die Perser an Ahura Mazda oder die Römer an Mithras, nur mit dem Unterschied, dass es diese Götter nicht gab, sagen die christlichen Kirchen. Also konnten die sich auch gar nicht zeigen.

Im Brief an die Hebräer 11,6 heißt es:

Ohne Glauben aber ist es unmöglich, (Gott) zu gefallen; denn wer zu Gott kommen will, muss glauben, dass er ist und dass er denen, die ihn suchen, ihren Lohn geben wird.

Man muss also an die Existenz des Gottes glauben. Ihn darüber hinaus noch wenigstens ein-mal sehen zu wollen, ist dann offenbar nicht mehr notwendig. Im Gegenteil scheint dieses Anliegen sogar unredlich zu sein, und man fragt sich, warum das so sein soll. Wenn jemand im täglichen Leben etwas glaubt, von dem er gar nichts weiß, macht er sich unter Umständen lächerlich, aber nicht so bei seiner Religion. Daran zeigt sich eindeutig die Unlogik des religi-ösen Glaubens. Folgt man der Meinung von Gläubigen, so könne ihr Gott sehr wohl erschei-nen und der Welt beweisen, dass er existiere, wobei die Frage bleibt, wer das denn wissen will. Wenn er aber erschiene, dann wäre kein Glauben mehr notwendig, man würde ihn ja sehen. Deswegen erscheint er nicht. Wie man sieht, ist die Begründung in sich logisch. Zu dieser Ausrede der Gläubigen ist allerdings noch zu sagen, dass nach übereinstimmender An-sicht aller christlichen Kirchenvertreter Gott ein Wesen ist, was per definitionem unsichtbar bleiben muss, weil so ein Wesen keinen Körper hat. Wenn Gott sich also zeigen wollte, dann müsste er folglich zu diesem Zweck Gestalt annehmen. Wenn er uns Menschen erscheinen wollte, wäre es ganz passend, er würde dann ebenfalls als Mensch auftreten, vielleicht ein wenig größer als üblich, das würde die Menschen mehr beeindrucken. Einige Gläubige, die die Frage nach der Sichtbarkeit Gottes schon kennen, stellen mitunter die Gegenfrage, ob man denn die Liebe schon einmal gesehen habe. Nun, die Liebe, die wir ja fast alle schon erlebt haben, ist ein Gefühl, und Gefühle kann man nicht sehen. Gott aber soll eine Person sein, die könnte sich ruhig einmal zeigen, wenigstens  eine von den erwähnten eigentlich drei Personen. Übrigens sollte man einmal darüber nachdenken, wie ein Wesen eine Person und eine Person ein Wesen sein kann. Und was ist überhaupt ein Wesen?

Die zweite Frage lautet: „Haben Sie ihren Gott schon einmal sprechen gehört?“ In der Bibel steht geschrieben, dass Gott früher zu den Menschen gesprochen haben soll. So teilte er Adam seine Vorschriften für das Leben im Paradies mit, oder er sprach zu Noah über dessen Arche, mit der dieser der angekündigten Sintflut entkommen würde. Schade nur, dass mittlerweile sogar der Papst zugeben muss, dass es weder Adam noch Noah gegeben hat. Zu wem mag Gott dann gesprochen haben? Da die schriftlichen Zeugnisse der Vergangenheit demnach wohl nicht allzu verlässlich sind, müssen wir uns auf die heutige Zeit beschränken.

Die Möglichkeit, Gott selbst sprechen zu hören, ist das Gebet eines Gläubigen. Denn es heißt, so ein Gebet sei ein Zwiegespräch mit Gott. In einem Zwiegespräch sagen üblicherweise beide Gesprächspartner etwas, etwa tauscht man seine Meinungen aus. Im Unterschied dazu redet hierbei der eine, gemeint ist Gott, nie. Daher sollte man zum Beten lieber Selbstgespräch sa-gen, bei dem Gott zuhört, das träfe den Kern am ehesten. Dabei gibt es aber ein ernstes Prob-lem. Jeder Mensch auf der Welt kann zu Gott beten, er muss nur Christ sein. Nun gibt es über 2 Milliarden Christen. Wenn nur 0,001 % gleichzeitig beten, sind das etwa 20000 Gläubige. Wie kann Gott dabei etwas verstehen? Und wenn er doch irgendetwas verstehen könnte, so müsste er Tausende von Sprachen beherrschen. Denn nur so könnte er mit dem, was er hört, auch etwas anfangen. Ist Gott ein Sprachgenie? Nein, sagen die Gläubigen, er sei halt göttlich, und ein Gott verstehe eben alle Sprachen, auch ohne Dolmetscher. Es ist bewundernswert, wie einfach doch Religion mitunter sein kann. Ein Pfarrer sagte einmal, Gottes Stimme sei keine Stimme, die Worte und Schallwellen brauche, sie sei eher eine innere Stimme. Das versteht auch jemand, der nicht Theologie studiert hat. Man spricht ja bei der inneren Stimme öfter von einem Wink des Schicksals, von einer Eingebung, oder dass einem plötzlich ein Licht aufgegangen sei. Für einen wirklich gläubigen Menschen ist das nichts anderes als die Stimme Gottes. Nur die wirkliche akustische Stimme Gottes, die hat noch niemand gehört, was auch jeder Gläubige (hoffentlich) zugeben wird, auch wenn er es viel besser fände, wenn sein Gott mal etwas sagen würde. Und dieses permanente Schweigen ist eigentlich seltsam, denn es gab doch in der Menschheitsgeschichte so viel Dinge, die von ihm hätten richtig gestellt werden müssen. Dazu hätte doch ein Machtwort seinerseits genügt. Wie viel Leid wäre so den Menschen erspart geblieben. Oder hat er gar keine akustische Stimme, was wiederrum logisch wäre? Denn unsereins hat Stimmbänder und eine Zunge zum Sprechen, ein Wesen wie Gott aber nicht, denn Wesen haben wie gesagt keinen Körper. Also kann er nicht sprechen, und niemand kann ihn demzufolge sprechen gehört haben.

Die dritte und letzte Frage lautet: „Hat Ihr Gott schon einmal nachweislich irgendetwas für Sie getan?“ Zunächst werden sicherlich viele Gläubige diese Frage bejahen. Sie werden begeistert oder auch ehrfürchtig davon berichten, wie ihnen in ganz bestimmten Situationen nur Gott geholfen haben kann. Das liegt dann daran, dass ihnen die Bedeutung des Wortes „nachweislich“ in diesem Zusammenhang nicht geläufig ist. Die Antwort auf die letzte Frage muss also ebenfalls „Nein“ lauten. Zeugen für die Existenz des christlichen Gottes gibt es somit nicht. Aber muss es eigentlich welche geben? Es genügt doch völlig, wenn man glaubt, dass er existiert. Und wohl kein Gläubiger würde daran glauben, dass er nicht existiert. Denn zu wem würde er dann beten, an wen würde er seine Bitten richten, bei wem würde er sich bedanken, wem seine Sorgen mitteilen?

 

Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

 

Weitere Arbeiten desselben Autors siehe hier.

 




Dem Glauben Beine machen

fatima-pilger-1280x853Dieser Bericht, den ich 2011 schrieb, gelangt zu Schlussfolgerungen, die sich die weitgehend unorganisierten Glaubensfernen endlich zu eigen machen sollten, wenn sie denn nachhaltig Erfolg mit ihren Bemühungen haben wollen. Der Organisationsgrad ist bisher so gering, dass die Stimme der Vernunft weitgehend ungehört verhallt. Ich setze diesen Artikel deshalb noch einmal ein:

Mein Volkswagen-Konzessionär ist ein gemütlicher und freundlicher Mittvierziger. Ich kenne ihn seit acht Jahren und bin mit ihm, er heißt Elyes wie der Prophet, so vertraut, dass ich ihm auch auf den stetig weiter anschwellenden Leib klopfen darf, ohne dass er mir die Frage, ob seine Frau wieder zu gut gekocht hat, übel nimmt. Elyes ist ein Hadj, aber er weigert sich beharrlich, dies auch im Namen zu führen, so wie es die Orient-Experten von Hadschi Halef Omar kennen (ja, ja, Karl May bildet). Er ist normal geblieben und bildet sich nichts darauf ein, dass er – wie es eine der fünf Säulen des Islams vorschreibt – nach Mekka gepilgert ist. Er berichtet aber gern über seine Pilgerreise. Er ist dadurch sicher – nach eigener Aussage – kein besserer Moslem geworden, aber er fand es beeindruckend, dass so viele Leute dort waren, die einfach nur um den schwarzen Block kreisen wollten, dem Teufel Steine hinterherwerfen durften und schließlich auf dem Berg Arafat ein Schaf ins für sie vorgesehene Paradies verfrachtet haben. Da leuchten seine Augen!

Szenenwechsel: Während meiner Zeit als Pilot hatte ich mehrfach die Aufgabe, Pilgergruppen nach Lourdes in Frankreich und nach Fatima in Portugal zu fliegen. Schon aus reiner Neugier blieb ich nicht wie sonst üblich im Flughafenhotel, um auf die Rückkehr meiner Gäste zu warten, sondern ich begleitete sie, übernachtete mit Ihnen in einem einfachen Pilgerhotel und wanderte auch (etwas abseits – gebe ich zu) zu den Erscheinungsstätten. Glücklicherweise ist die fleißige Jungfrau ja immer zur angenehmen Jahreszeit erschienen (was auch dem Tourismus zuträglich ist). Das erleichtert die Bekleidungsfragen. Die Devotionalienläden, die die Strassen säumen, ließen mich eher kalt – obwohl ich zugeben muss, eine kitschige Kerze meiner damaligen Frau als Andenken mitgebracht zu haben. Da konnte ich nicht widerstehen! Was mich viel mehr faszinierte, waren die Pilger selbst, die dort aus aller Herren Länder zusammen kamen. Hingabe im Blick wäre zu schwach als Ausdruck, nein, in den leuchtenden Augen stand regelrechtes Entzücken, eine nicht zu bremsende Freude, der geliebten Jungfrau jetzt so nahe zu sein.

Und dieses Leuchten traf ich bei Elyes wieder: zwei Religionen, die gegensätzlicher nicht sein könnten – dasselbe Leuchten!

Die Frage muss erlaubt sein, was denn das alles mit dem Glauben zu tun habe. Erzbischof Ludwig Schick hat eine Antwort darauf:  „Katholisch von der Wiege bis zur Bahre nimmt rapide ab. Der christliche Glaube und die Kirchen prägen unsere Kultur immer weniger“, sagt er laut kath.net vom 4. Mai 2011. Eine erstaunliche Einsicht für einen Kirchenmann. Also muss etwas anderes her: „Glaube, Kirche und Volksfrömmigkeit äußern sich immer mehr im Event-Bereich, beispielsweise bei Wallfahrten, traditionellen, kulturellen und folkloristischen Festen, bei Taufen, der Erstkommunion, Firmung, Eheschließung bis hin zur Beerdigung“, so Schick. Eine regelmäßige Teilnahme an der Sonntagsmesse und der lebenslange Sakramentenempfang seien hingegen nicht mehr selbstverständlich. Ganz offensichtlich hat er richtig erkannt, was die Schäfchen wirklich bei der Stange hält, das gemeinsame Erlebnis von etwas Besonderem, mit anderen Worten: die Event-Kirche. Das sei die einzige Rettung in einer Zeit der „Säkularisation, die mit Agnostizismus und ‚schweigendem’ Atheismus oder Desinteresse für Religion“ einhergehe. Der Bamberger Erzbischof preist also „Wallfahrten als Ein-Übungen des Glaubens gegen den Säkularisierungstrend unserer Zeit“ und: „Eine der wichtigsten Ein-Übungen ist seit eh und je die Wallfahrt und der Besuch der Wallfahrtsorte. Wallfahren bedeutet dem Glauben Beine machen und den Glauben unter die Füße nehmen“, betont Schick. „Glaube muss getan werden“, so der Erzbischof. „Wir landen bei Gott, bei Jesus Christus, bei der Gottesmutter, bei den Heiligen, die an den Wallfahrtsorten verehrt werden“.

Woran glauben Christen denn überhaupt noch, wenn sie auf diese Art und Weise  bei Laune gehalten werden müssen? Eine Antwort darauf geben die Pfarrer der Aktion „golife“ in Sachsen. Die Zeit führte ein ausführliches Interview mit Ihnen, das ich als Lektüre wärmstens empfehle. Sie erwecken dabei den Eindruck, dass „Gottes Wort“, die Bibel, so weit von den Menschen entfernt ist, dass sie nicht einmal mehr darauf rekurrieren. „Panta rhei“ – alles fließt, da gehen Fundamente flöten, auf denen diese Kirche seit 2.000  Jahren so fest gebaut schien. Mit dem, was ich als junger Mensch in der Kirche mitgeteilt bekam, hat das alles nur noch näherungsweise zu tun.

Zu diesem Schluss kommen auch wissenschaftliche Untersuchungen, die in den Vereinigten Staaten  angestrengt wurden: „Gemeinschaftsgefühl ersetzt den Glauben“.

Wenn religiöse Menschen von sich behaupten, glücklicher und zufriedener zu sein, dann liegt das nicht an ihrer Nähe zu irgendeinem Gott oder einer spirituellen Erleuchtung, sondern erst mal daran, dass Religionsgemeinschaften vor allem letzteres sind – Gemeinschaften. Mitglieder finden hier Anschluss an Freunde, und das sei vor allem, was sie glücklich mache, erklärt Chaeyoon Lim von der University of Wisconsin, gemeinsam mit Robert Putnam (Harvard University) Co-Autor des Papers über "Religion, Social Networks, and Life Satisfaction".

Sie kommen zu folgendem, bemerkenswerten Schluss:

Mit anderen Worten: Religionsgemeinschaften (zumindest die christlichen und jüdischen, von denen sich genug Teilnehmer in der Umfrage fanden – für relevante Aussagen über Muslime und Buddhisten reichten die Daten nicht aus) sind offenbar ebenso hilfreich wie ein Hobbyclub, ein Sportverein – wie jede andere Gemeinschaft, in dem man Menschen treffen und Freunde finden kann. Und die Nähe zu Gott – oder was auch immer – macht nicht wirklich zufriedener. Zumindest nicht in diesem Leben …

Dem ist wenig oder nichts hinzuzufügen.

 

Weitere Arbeiten desselben Autors siehe hier.

 




Die Gottes-Antinomien

 LogikDie "Reductio ad absurdum" 

In der Logik gibt es ein sehr mächtiges Hilfsmittel um von Dingen, über die man sonst nur wenig zu wissen braucht, dennoch eines mit absoluter Sicherheit sagen zu können: daß es sie nämlich nicht gibt. Man nennt das die Reductio ad absurdum (also die Zurückführung auf das Unsinnige). Dabei werden aus der Existenz-Behauptung eines Objekts Schlüsse gezogen, die aufzeigen, daß die Eigenschaften dieses Objekts entweder miteinander oder aber mit anerkannten Fakten in unauflösbarem Widerspruch stehen. Die Nicht-Existenz des besagten Objekts ist dann gesichert und steht deshalb fortan außer Frage.

In der Mathematik macht man davon reichlichen Gebrauch. Das berühmteste Beispiel dafür ist die Erkenntnis, daß es unendlich viele Primzahlen gibt. Dabei ist eine Primzahl eine natürliche Zahl (1, 2, 3 …) mit folgenden Eigenschaften: Sie muß größer sein als 1 und sie darf durch keine natürliche Zahl ohne Rest teilbar sein ausgenommen durch 1 und durch sich selbst. Die Reihe der Primahlen beginnt also mit 2, 3, 5, 7, 11, 13, 17, 19 etc. Es gibt unendlich viele davon (das besagt der Satz von Euklid). Aber wieso weiß man das?

Dazu bedient man sich eben dieser Reductio ad absurdum, die in der Mathematik "indirekter Beweis" genannt wird. Zu diesem Zweck nimmt man einmal an, es gäbe nicht unendlich sondern nur endlich viele Primzahlen. Ausgehend von diesen endlichen Anzahl von Primzahlen läßt sich aber auf wenigstens eine weitere schließen, von der man beweisen kann, daß sie sowohl größer als die "größte Primzahl" als auch ebenfalls eine Primzahl ist.

Somit ergibt sich: Aus der Annahme, daß es eine größte Primzahl gibt, folgt logisch, daß es eine noch größere gibt. Das ist ein Widerspruch und deshalb ist klar: es gibt keine größte Primzahl. Man könnte auch sagen, daß der Begriff "größte Primzahl" einen inneren Widerspruch enthält, der zwar bei flüchtiger Betrachtung nicht auffällt, aber dennoch besteht, und das damit Gemeinte unmöglich macht.

Ebenso berühmt aber unter Nicht-Mathematikern viel weniger bekannt ist die Russellsche Antinomie. Bertrand Russell entdeckte zu Beginn des 20. Jahrhunderts, daß die Basis der damaligen naiven Mengenlehre falsch sein mußte. Das ergab sich zwingend daraus, daß es in ihr möglich war, eine Menge mit widersprüchlichen Eigenschaften zu konstruieren, weshalb eine völlige Revision dieses Zweigs der Mathematik nötig wurde.

Für jene, die es interessiert, sei diese sogenannte Russellsche Menge kurz vorgestellt: Sie ist definiert als die Menge aller jener Mengen, die sich selbst nicht als Element enthalten. (Manche Mengen tun das, beispielsweise ist die Menge aller Begriffe selbst ein Begriff etc.) Es läßt sich nun ohne Mathematik bloß mit den Mitteln der Logik zeigen, daß die Russellsche Menge genau dann sich selbst als Element enthält, wenn sie es nicht tut, und umgekehrt.

In der Mathematik können selbstverständlich nur innere Widersprüche in indirekten Beweisen auftreten, aber in den empirischen Wissenschaften sind Widersprüche zu gesicherten Fakten ebenfalls zu berücksichtigen. Auch hier gibt es ein berühmtes und sehr einfaches Beispiel: das Olbers-Paradoxon in der Astronomie.

Der deutsche Arzt und Amateur-Astronom Heinrich Wilhelm Olbers führte 1826 den Nachweis, daß ein Universum von der Art, wie man es sich damals vielfach vorstellte (nämlich unendlich groß, unendlich alt, durchsichtig und gleichmäßig mit Sternen angefüllt) nicht existieren kann. In diesem Fall dürfte es nämlich keine nächtliche Finsternis geben, sondern der Himmel wäre Tag und Nacht an jeder Stelle so hell wie die Sonnenscheibe. Da das ganz offensichtlich nicht zutrifft, war ein solcherart beschaffenes Universum somit abgehakt und man mußte nach anderen Modellen suchen.

Die Reductio ad absurdum, deren Nutzen für die Mathematik und die Naturwissenschaft ich nun kurz skizziert habe, ist aber universell gültig und somit auch auf Philosophie und Theologie anwendbar.

Der Widerspruch von Gottes Allmacht und Allwissenheit

Unter "Gott" soll im Folgenden das verstanden werden, was die christliche Theologie mit diesem Begriff bezeichnet. Dabei handelt es sich um eine Person (also ein Wesen mit Bewußtsein und Willen), das seit Ewigkeit besteht und alles Existierende erschaffen hat. Gott ist die höchste Form des Seins und hat die Eigenschaften der Allmacht und der Allwissenheit. Außerdem ist er im moralischen Sinn unendlich gut.

Unter dem Begriff der "Allwissenheit" versteht man, daß es keinen Sachverhalt gibt (sei er vergangen, gegenwärtig oder zukünftig), der dem Allwissenden nicht mit vollkommener Genauigkeit bekannt ist. Das hat eine wichtige Konsequenz, die zwar noch keinen Widerspruch enthält, aber viele Menschen doch befremden dürfte: die totale Determiniertheit der gesamten Zukunft.

Ein zukünftiges Faktum, das gewußt werden kann (egal ob von Gott oder von sonst jemandem) muß sicher sein. Hätte es nämlich einen freien Spielraum, dann wäre kein Wissen möglich, sondern bloß eine Wahrscheinlichkeits-Abschätzung. Weiß Gott beispielsweise, daß es am 6. Juni des Jahres 2500 in Rom regnen wird, dann muß es an diesem Tag dort auch tatsächlich regnen, denn sonst hätte er entweder etwas Falsches "gewußt" oder gar nichts, sondern bloß etwas vermutet. Mit einem allwissenden Gott wäre die Welt also von vornherein bis ins kleinste Detail festgelegt. Unsicherheit könnte nur subjektiv eintreten, wenn man die Fakten nicht kennt. Der allwissende Gott aber müßte sie kennen.

Allerdings – und hier setzt der Widerspruch ein – könnte er daran nichts mehr ändern. Nicht nur Allmacht wäre unmöglich, sondern jedwede Macht. Wenn es einen allwissenden Gott gäbe, dann wäre dieser Gott (und jede andere Person ebenso) vollkommen unfähig, irgendetwas willentlich zu beeinflussen. Der Lauf der Welt würde sich abspulen wie ein Film, an dem nichts mehr zu ändern ist.

Fazit: Einen Gott, der sowohl allmächtig als auch allwissend ist, kann es nicht geben.

Die Widersprüchlichkeit des bloßen Allmachts-Begriffs

Jeder kennt wohl die alte Scherzfrage: "Kann Gott einen Stein erschaffen, der so schwer ist, daß er ihn selbst nicht heben kann?". Bei näherer Betrachtung steckt darin eine Menge philosophischer Sprengstoff.

Es kann darauf nur zwei Antworten geben – ja oder nein. Ich habe mit Menschen diskutiert, die entschieden die erste Alternative vertraten: Ja, Gott kann diesen Stein schaffen, weil Gott allmächtig ist. Und anschließend kann er ihn aus dem gleichen Grund auch heben. Der darin enthaltene logische Widerspruch kümmert Gott nicht, denn er steht über der Logik.

Diese Argumentation ist aber nichts weiter als ein sprachlich camoufliertes Eingeständnis der Unmöglichkeit. Was "über der Logik" steht, ist eben unlogisch und deshalb mit den Mitteln der Reductio ad absurdum widerlegbar. Einen in diesem Sinne allmächtigen Gott kann es somit nicht geben.

Das wissen mittlerweile auch die Theologen, weshalb sie die obige Frage verneinen. Ein Stein, den Gott nicht heben könnte, wäre ein Widerspruch zu seiner Allmacht und somit eine Unmöglichkeit. Etwas Unmögliches aber, so sagen sie, kann Gott auch nicht tun.

Das ist eine in zweierlei Hinsicht interessante Position. Erstens macht sie definitiv Abstriche vom semantischen Inhalt des Wortes "allmächtig". Darunter versteht man eine durch nichts eingeschränkte Macht. Wird sie aber durch Logik eingeschränkt, dann ist sie eben keine "All"-Macht im eigentlichen Sinn des Wortes mehr. Das hat übrigens auch nichts mit der Übersetzung zu tun. Was für das deutsche Adjektiv "allmächtig" gilt, trifft gleichermaßen auch auf das lateinische "omnipotens" und das griechische "pankrates" zu. Die Beschneidung der Allmacht zur Vermeidung des logischen Widerspruchs ist somit ein echter Rückzieher.

Allerdings ist das nur der kleinere der beiden Nachteile, die mit der negativen Antwort verbunden sind. Es stellt sich nämlich die Frage, wo die Logik herkommt, an die sich Gott halten muß, und die er nicht verletzen kann. Seine Schöpfung kann sie nicht sein, denn sonst würde sie ja seinem Willen unterliegen und hätte für ihn keine Zwingkraft. Er muß sie also schon vorgefunden haben (und das vor aller Ewigkeit!), denn sie steckt den Rahmen ab, innerhalb dessen er sich auswirken kann. Das absolut Höchste ist ein Gott dieser Art also nicht. Wird er dennoch so definiert, dann liegt ein Widerspruch vor. Einen eingeschränkt "allmächtigen" Gott, der dennoch die höchste Form des Seins ist, kann es somit nicht geben.

Das Theodizee-Problem

Von Gott heißt es, daß er unendlich gut ist, und obwohl dieses Adjektiv "gut" nicht mit gleicher inhaltlicher Strenge gefaßt werden kann wie andere ihm zuerkannte Eigenschaften, treten dennoch gerade hier so massive Widersprüche zur Realität auf, daß darüber in Philosophie und Theologie seit Jahrtausenden gerätselt wird.

Trivialerweise gibt es auf der Welt Dinge, die nicht gut sind, weil sie dazu führen, daß unschuldige Menschen leiden. Warum verhindert das Gott nicht? Will er nicht? Nein, das widerspräche seiner (noch dazu unendlichen) Güte. Oder kann er nicht? Nein, das stünde ja im Widerspruch zu seiner Allmacht. Warum also läßt er so etwas zu?

Die übliche theologische Antwort darauf lautet, daß das eine Folge der menschlichen Willensfreiheit ist. Das ist aber nicht schlüssig, denn viel Leid entsteht aus Ursachen, auf die der Mensch willentlich gar nicht Einfluß nehmen kann (wie beispielsweise ein Erdbeben).

Außerdem ist eine freie Willensentscheidung des Menschen nicht logisch zwingend mit deren kausalen Folgen verbunden. Auch wenn Gott beispielsweise einem bösen Menschen die Freiheit läßt, auf einen Unschuldigen zu schießen, könnte er immer noch die Kugel in ihrem Lauf ablenken, um trotz dieser Freiheit das Opfer vor Schaden zu bewahren. Das tut er aber nicht.

Eine weitere Antwort lautet, daß die Welt eben so beschaffen ist, daß die Freiheit der einen zum Leid der anderen führen kann. Nun, das ist sie offensichtlich, aber wenn Gott diese Welt geschaffen hat, dann ist er auch für ihre Eigenschaften verantwortlich. Er hätte ja auch eine bessere erschaffen können.

Im Gegensatz dazu nahm Leibnitz an, daß unsere Welt bereits die beste alle möglichen ist. Dem ist aber entgegenzuhalten, daß Menschen kein Problem damit haben, sich eine bessere Welt vorzustellen. Eine solche ist somit keineswegs denkunmöglich. Ein allmächtiger Gott könnte also mit Leichtigkeit eine bessere geschaffen haben, auch wenn er den Gesetzen der Logik unterworfen ist.

Eine weitere Antwort auf das Theodizee-Problem ist die Behauptung, daß alles Schlechte doch letztlich zu etwas Gutem führen wird. Aber abgesehen davon, daß das unschwer als Ausflucht zu erkennen ist, hat es auch keine argumentative Kraft. Einem allmächtigen Gott müßte es sicherlich möglich sein, Gutes auch ohne den Umweg über entsetzliches Leid zu erreichen, wenn er das nur wollte.

Das letzte Verzweiflungs-Argument der Theologie ist der Hinweis, daß das Wort "gut" für Gott eine ganz andere Bedeutung haben kann als für uns. Folgt man dieser Argumentation, dann würde es aber sinnlos, den Menschen zu sagen, daß Gott gut ist, weil der semantische Inhalt dieses Adjektivs für uns Menschen verloren ginge. Da könnte man ebensogut ein anderes nichtssagendes Wort verwenden und beispielsweise behaupten "Gott ist unendlich babig". Das wäre sogar noch besser, weil dann keine durch Synonymie hervorgerufene Irreführung mehr einträte.

Die Antwort der Theologie

Werden Gläubige mit den in diesem Artikel vorgebrachten logischen Einwänden so lange konfrontiert, bis ihnen klar wird, daß sie keine Chance mehr haben, sie zu zerstreuen, dann tritt üblicherweise eine charakteristische Reaktion ein: Sie versuchen, der ihnen lästig gewordenen Diskussion auf eine nicht-argumentative (und somit irrationale) Weise zu entfliehen. Kinder und einfache Menschen, die so reagieren, verwenden dabei gerne den Ausdruck "aber trotzdem!".

Theologen käme das wohl zu ungebildet vor, weshalb sie ein lateinisches Äquivalent vorziehen: "Est mysterium fidei" – das ist ein Geheimnis des Glaubens. Will man das auf die Spitze treiben, dann kann man sich noch eines weiteren berühmten lateinischen Satzes bedienen: "Credo, quia absurdum est" – gerade, weil es absurd ist, glaube ich. Na ja, dem ist dann wohl nichts mehr hinzuzufügen.

Resümee

Der monotheistische Gott der christlichen Theologie hat dogmatisch festgelegte Eigenschaften, die zu logischen und faktischen Widersprüchen führen. Es ist somit sicher, daß es einen so beschaffenen Gott nicht geben kann. Zwar ist es möglich, den Gottesbegriff so abzuwandeln, daß alle hier beschriebenen Antinomien nicht mehr eintreten, aber das wäre dann eben ein anderer Gott und nicht mehr der hier besprochene christlich-monotheistische. Im Hinblick auf diesen jedenfalls ist die Gültigkeit des Atheismus beweisbar. 

 

An dieser Stelle sei verwiesen auf den Folgebeitrag des Autors:
Gibt es Gott – Warum sollte es?

 

 




Warum ich kein Christ sein will VII

Redaktion: Zur besseren Orientierung im Gesamtwerk verweise ich wieder auf das   Inhaltsverzeichnis. Ansonsten lasse ich sofort dem Autor das Wort:

Lehnert: Im vorliegenden Kapitel VII soll gewissermaßen nach vorn geschaut und skizziert werden, was für mich an die Stelle der von mir als überholt und untauglich angesehenen christlichen Lehre treten soll. Überholt ist für mich die aus vor- und frühgeschichtlichen Zeiten stam­mende Vorstellung eines bestrafenden und belohnenden Gottes und der sich um dieses Gottesbild rankende Opfermythos. Untauglich ist diese Lehre für eine durch Naturwissenschaft und Technik geprägte Welt, die sich unter anderem von einer Vielzahl völlig neuartiger ethisch-moralischer Fragen herausgefordert sieht. Gentechnologie, Reproduktionsmedizin und Hirnforschung seien hier stellvertretend für moderne naturwissenschaftliche Forschungsgebiete genannt, die ethisch-moralisches Neuland betreten. Diese For­schungen werfen Fragen auf, die mit den herkömmlichen, dem christlichen Menschenbild verhafteten Normen meines Erachtens nicht problemangemessen beantwortet werden können. Problemangemessen soll hier heißen: den Bedürfnissen des Menschen gerecht werdend […].

Was ist der Sinn des Lebens?

Ich meine, dass wir uns eingestehen müssen, dass das Universum nicht teilnimmt an unserem Denken in den Kategorien von Sinn, Bedeutung, Absicht oder Ziel. Es sind Denkmuster, die wir entwickelt haben, um die uns um­gebende Welt und die in ihr ablaufenden Prozesse ordnen, uns verständ­lich machen und deuten zu können. Besonders Vorgängen und Ereignissen, die wir nicht verstehen, versuchen wir eine Bedeutung, einen Sinn zu geben. Das Netz dieser deutenden Begriffe, mit denen wir unsere Welt strukturieren und vor allem interpretieren, existiert in unserem Kopf und nur dort. Diesen Begriffen entsprechen keine in der uns umgebenden Natur objektiv feststellbaren Eigenschaften oder Erscheinungen.

Wenn also die gott- und jenseitsorientierten Deutungsmuster der Religionen uns nicht mehr überzeugen können und wir andererseits vergeblich im Kosmos oder in der uns umgebenden Natur nach einem objektiven Sinn des Seins und unserer irdischen Existenz Ausschau halten, wer oder was hindert uns daran, unserem Leben selbst Sinn und Bedeutung zu geben? Denn wenn ein objektiver Sinn nicht gegeben oder nicht erkennbar ist, so kann ich doch für mich selbst auf vielerlei und individuelle Weise mein Leben einrichten und gestalten, so dass es mich erfüllt, mich zufrieden und vielleicht sogar glücklich macht und mir daher lebenswert erscheint. Dies eventuell in einer so unbekümmerten Art und Weise, dass die Frage nach dem Sinn des Lebens sich gar nicht mehr stellt. So gesehen definierte sich der Sinn des Lebens von allein als das Leben selbst! […]

Der Sinn des Lebens besteht somit für mich – so schlicht es sich auch an­hören mag – in dem Bestreben, ein Leben zu führen, das ich als möglichst glücklich und erfüllt empfinde, und dabei stets bemüht zu sein, im Rahmen meiner Möglichkeiten auch anderen Menschen zu Glück und Freude zu verhelfen. Und dort, wo es nötig und mir möglich ist, möchte ich dazu beitragen, Leid und Schmerz anderer Menschen, wie überhaupt jedes empfindenden Wesens, zu mindern. Ein Beitrag in diesem Sinne mag zum Beispiel die Mitwirkung an einem gemeinnützigen Vorhaben sein, als Aktivität zusammen mit gleichgesinnten Menschen oder als Engagement als Einzelner, der nicht nur für sich leben, sondern sich auch um andere kümmern will. Sei es durch Hilfe für Kranke, für allein gelassene Opfer von Verbrechen oder für Menschen, die das »Schicksal« sehr benachteiligt hat, sei es als Einsatz für Menschen, die mit ihrem Leben nicht so gut zurecht kommen wie man selbst, oder vielleicht in Form der Unterstützung von Kindern, deren Lebensumstände wenig Freude und Glück aufkommen lassen.

Das Gefühl für andere wichtig zu sein und gebraucht zu werden, erfüllt viele Menschen mit Genugtuung. Wenn es nicht die eigene Familie ist, dann können es Menschen sein, die meiner Unterstützung bedürfen. Vielleicht ist es auch ein ganz persönlicher Beitrag gegenüber der Gesellschaft in Form eines irgendwie gearteten Werks, das anderen Menschen zu mehr Lebensfreude verhilft. Zwischen den beiden Polen »Glück mehren« und »Leid mindern« gibt es eine große Fülle von Möglichkeiten, sich »sinnvoll« zu betätigen, das heißt, dem eigenen Leben Bedeutung zu geben und dabei selbst Be­friedigung zu empfinden.

Abschließend noch dies: Ich habe in diesem Buch mit grundsätzlicher Kritik an Kirche und Christentum nicht gespart und habe meine Ablehnung dieser Religion sehr deutlich zum Ausdruck gebracht. Was ich aber mit Res­pekt anerkenne, ist die praktische Hilfe, der tatsächlich »Leid mindernde und Glück mehrende« Dienst von ungezählten Pfarrerinnen, Pfarrern, Nonnen, Diakonissinnen und anderer Menschen, die aufgrund ihrer christlichen Einstellung Nächstenliebe praktizieren. Auch andere Religionsgemeinschaften könnten hier genannt werden. Die Motive unseres Handelns mögen mitunter ganz unterschiedliche sein, es zählt allein, was der Schriftsteller Erich Käst­ner (1899-1974) einst so formulierte: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Die Geschichte vom barmherzigen Samariter – sie steht im Lukas-Evan­gelium in Kapitel 10, Vers 25-37 – ist hier ein schönes Beispiel für Nächs­tenliebe: Dem Andern selbstlos helfen, weil er leidet, gleichgültig von welcher Stammeszugehörigkeit oder religiösen Auffassung er ist. In einer solchen Praxis sehe ich eine bemerkenswerte Gemeinsamkeit auch mit einem mir ansonsten fern stehenden christlichen Glauben.

Bekenntnis zu einem humanistischen Lebenskonzept

Konkret sehe ich ein solches Lebenskonzept im Humanismus formuliert, der in seiner neuzeitlichen Form ein wissenschaftlich fundiertes Menschenbild mit einer diesseitig begründeten Ethik verbindet und dessen Leitprinzip die Selbstbestimmung ist. Der Humanismus der Aufklärung war philosophisch-geisteswissenschaftlich ausgerichtet und entwickelte sich in der Auseinandersetzung mit der christlichen Lehre. Der sich formierende neue Humanismus begründet seine Auffassungen über das menschliche »Sein und Sollen« weniger aus der Gegnerschaft zu Kirche, Christentum und Religion allgemein, sondern leitet zum einen seine Vorstellungen aus den Erkenntnissen der heutigen Naturwissenschaften, speziell der Kosmologie, Evolutionsbiologie, Genetik und Hirnforschung ab. Zum anderen liegen seinem Moral- bzw. Ethikkonzept nicht mehr die angeblich metaphysisch vorgegebenen Kategorien »gut«, »böse« oder »schuldig« zu Grunde, sondern solche, die un­mittelbar an den realen, tatsächlichen Interessen und Bedürfnissen der Men­schen orientiert sind. […]

Da ethisch-moralische Forderungen nur gesetzt und letztlich nicht begründet, allenfalls einsichtig und zustimmungsfähig gemacht werden können, ist es aus Gründen der anzustrebenden Widerspruchsfreiheit und Übersichtlichkeit sinnvoll, möglichst grundlegende und möglichst wenige solcher Forderungen aufzustellen. Diesen Versuch hat zum Beispiel M. Schmidt-Salomon unternommen und folgende – wie er sie nannte – Humanistische Basis-Set­zung formuliert:

»Alle Menschen sind gleichberechtigt und frei in ihrem Streben, ihre individuellen Vorstellungen vom guten Leben im Diesseits zu verwirklichen, sofern dadurch nicht die gleichberechtigten Interessen anderer in Mitleidenschaft gezogen werden, und es ist die unaufkündbare Aufgabe eines jeden Menschen mit allen zur Verfügung stehenden Kräften dazu beizutragen, dass möglichst wenigen (im Idealfall: niemandem) die Inanspruchnahme dieses fun­damentalen Rechts versagt bleibt.« 7

Diesen Satz setzt er als »wahr« und universell gültig, er kann nicht bewiesen und soll auch nicht weiter zurückgeführt werden, er fungiert gewissermaßen als »moralisches Axiom« (Letztbegründung). Kommentierend fügt Schmidt-Salomon hinzu:

»Aus dem Recht, dem Anspruch auf die Möglichkeit der Verwirklichung individueller Lebenskonzepte, einem Recht, das für alle gilt, erwächst auch eine Pflicht, die für alle gelten muß: Der radikale Humanismus der Neomoderne verpflichtet den Menschen dazu, nicht nur Rücksicht auf die gleichberechtigten Ansprüche anderer zu nehmen, sondern auch nach Kräften verändernd tätig zu werden, wenn erkennbar ist, daß die Rechtsansprüche anderer ungerechtfertigt durch direkte, strukturelle oder kulturelle Gewalt bedroht werden.«

Zu betonen ist mit Schmidt-Salomon zweierlei: 1. Eine solche Form humanistischer Ethik macht ihre Letztbegründung, auf der sie aufbaut, bewusst sichtbar, damit »einsehbar«, aber im Zweifel auch diskutier- und kritisierbar. 2. Ethik ist nichts Heiliges und Unantastbares mehr – im Gegensatz zur her­kömmlichen Moral, die vermeintlich im als absolut gesetzten Göttlichen grün­det und damit als heilig und unantastbar gilt – sondern wird zu einem Instru­mentarium des ehrlichen und fairen Miteinanderumgehens, das unter verän­derten Umständen erforderlichenfalls auch revidiert werden kann.

Der Mensch muss sich also seine ethischen Normen und Regeln selbst geben. Die »Amerikanische Unabhängigkeitserklärung« und die »Allgemeine Erklärung der Menschenrechte« haben gezeigt, dass das funktioniert und dass man dabei auf große allgemeine Zustimmung treffen kann. Die Missbilligung von kirchlicher Seite an der angeblichen Selbstherrlichkeit des Menschen lautet, dass »eine solche Ethik sich nur noch an den tatsächlichen oder mutmaßlichen Interessen orientiere, die ein Mensch habe«.8 Von einem Humanisten würde das eher nicht als Kritik aufgefasst, sondern als Bestätigung des Grundsatzes, dass der Mensch – immer mit Blick auf die Verantwortung auch für den anderen – das Maß der Dinge sei und nicht eine behauptete, nicht erkennbare Instanz über uns.

Der hier skizzierte Humanismus versteht sich somit als eine weltliche Alternative zur Religion, als eine Weltanschauung, die ohne Priester und Pro­pheten auskommt, kein angeblich von Gott diktiertes heiliges Buch kennt, ihr Wissen über die Welt und den Menschen aus den Naturwissenschaften gewinnt, sich von überkommenen, metaphysischen Moralvorstellungen löst, stattdessen ethische Normen an den fundamentalen Bedürfnissen und Interessen der Menschen orientiert. Wie schon öfter festgestellt, bezeichnet sich etwa ein Drittel(!) der Bundesbürger als konfessionslos. Sehr viele von ihnen praktizieren eine humanistische Lebensweise, in vielen Fällen jedoch lediglich aus Unkenntnis ohne ausdrücklichen Bezug auf humanistische Prinzipien der eben geschilderten Art. Gefragt danach würden sie sich vielleicht als Atheisten bezeichnen oder als Agnostiker, also als jemand, der die Frage nach Gott als nicht entscheidbar ansieht. Sie alle gehören zu jener großen Zahl von Menschen, die im öffentlichen Bewusstsein aufgrund der unge­rechtfertigt dominierenden medialen Präsenz der Kirchen die Rolle einer an­geblich zu vernachlässigenden Randgruppe spielen müssen, dennoch inzwi­schen in Wissenschaft, Literatur und nicht zuletzt im Kulturteil anspruchs­vollerer Zeitungen höchst aktiv sind.

Redaktion: Im Schlussteil des 2. Unterkapitels bezieht sich Lehnert neben Michael Schmidt-Salomon auf den Philosophen Joachim Kahl und zitiert:

»In einem Weltall ohne Ziel und Sinn ist es unsere ureigene Aufgabe, unserem flüchtigen Dasein selbst Ziel und Sinn zu verleihen. Das ist durchaus möglich, wenn wir keine übersteigerten spirituellen Erwartungen hegen, wie sie jahrtausendelang von den Religionen genährt worden sind. Wer dagegen weiterhin in den kosmischen Weiten die Handschrift eines weisen Gottes sucht und nach den gütigen Augen eines himmlischen Vaters Ausschau hält, der wird immer wieder aufs Neue vom Gefühl der Heimatlosigkeit und Gottverlassenheit beschlichen werden.« (S. 49) … »Ohne die Hypothese ›Gott‹ lässt sich die Welt in ihrem Dasein und Sosein viel schlüssiger, redlicher, klarer, einfacher erklären und deuten als mit ihr.« (S. 82)

Mit fast heiterer Gelassenheit formuliert er einige Seiten weiter:

»Menschliches Leben heißt: sich erträglich einrichten für ein kurzes Gastspiel auf einem Staubkorn im Weltall, tätig sein mit Sinn und Verstand, mit Anstand und Würde, mit Witz und Humor, schließlich Abschied nehmen von allem für immer – in der Gewissheit, dass niemand da oben zugeschaut hat und bald vergessen sein wird, was gewesen ist.«

Das Recht auf Selbstbestimmung ist ein Menschenrecht

Redaktion: Im folgenden erläutert Lehnert die Problematik um die Sterbehilfe:

Dennoch gibt es für mich eine Determinante in diesem Spannungsfeld von Gesetz und Normen, ärztlichem Auftrag und Ethos, Weltanschauung und Religion, die für mich unverrückbar feststeht und die ich absolut respektiert wissen möchte: mein Recht auf Selbstbestimmung in allen Phasen meines Lebens. Dieser Wille hat auch dann zu gelten, wenn ich ihn selbst nicht mehr äußern kann, aber vorher zweifelsfrei schriftlich dokumentiert oder notfalls einem Bevollmächtigten er­klärt habe. Selbstbestimmung ist daher auch das Hauptargument der Befürworter einer gesetzlich geregelten Freigabe der Sterbehilfe. Die »Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben« zum Beispiel formuliert in einem Positionspapier:

»Es gibt Menschen, die ihr Würdeempfinden auch am Lebensende nicht anderen ausliefern möchten. Diese Menschen möchten das Recht er- und behalten, ohne In­tervention und ohne moralisierende Bevormundung trotz denkbarer Risiken einen Sterbeprozess abzukürzen. Eine Tabuisierung von Sterbewünschen und des Sterbe­willens Betroffener widerspricht dem Selbstbestimmungsrecht, das im Persönlichkeits­recht als Grund- und Menschenrecht verankert bleibt. … Der Absolutheitsanspruch weltanschaulicher und religiöser Institutionen auf Unverfügbarkeit des menschlichen Lebens widerspricht dem Ethos und Menschenrecht auf Gewissensfreiheit und be­deutet einen Rückfall in die Zeit vor der Aufklärung. Das Recht auf Leben beinhaltet keine Pflicht zu leben.«

[…] Der Christ wie der Nichtchrist, der Gottgläubige wie der Atheist haben das Recht, ihr Leben so zu beenden, wie es ihrem persönlichen Gewissen und ihrer persönlichen Vorstellung von einem menschenwürdigen Leben entspricht. Wenn keine Aussicht mehr auf ein lebenswertes Leben besteht oder wenn die Schmerzen un­erträglich werden, dann hat nach meiner Auffassung ein Mensch das Recht, sein Ende zu wollen, das Recht auf »Selbsterlösung«. Und wenn er in seiner Hilflosigkeit dann des Beistands eines human denkenden Arztes oder Mitleid empfindenden Mitmenschens bedarf, dann ist es ein Skandal, wenn einem uneigennützig handelnden Menschen Strafverfolgung droht.

Redaktion: Lehnert zieht als weiteres Beispiel für das Selbstbestimmungsrecht des Menschen die von Kirche verteufelte Präimplantationsdiagnostik bei, das ich hier übergehen kann, da es sich weitestgehend mit dem deckt, was bereits in einem WB-Artikel „Intelligent Design aus Menschenhand“ abgehandelt wurde.

Paradies und Unsterblichkeit durch geplante Evolution?

Redaktion: In diesem letzten Unterkapitel geht Lehnert auf den nicht unumstrittenen „Transhumanismus“ ein. Der Transhumanismus beschreibt die Möglichkeiten von direkten Eingriffen des Menschen in den evolutionären Prozess mit dem Ziel der Verbesserung der Lebensqualität und der Lebensverlängerung.

Lehnert: Schon in Kapitel I kam zur Sprache, dass der Mensch inzwischen in die bisher blindlings ablaufende Evolution bewusst und zielgerichtet eingreift. Möglich wurde dieses Eingreifen durch die mittlerweile vorhandenen Kennt­nisse in der molekularen und angewandten Genetik. Derartige Aktivitäten haben bisher eher das Deaktivieren eines als schadhaft erkannten Gens zum Ziel, noch nicht dessen Reparatur oder gar die bewusste Weiterentwicklung der Genstrukturen. Ein vergleichsweise einfacher und inzwischen möglicher Eingriff ist das Abschalten eines Gens, um bestimmte Krankheiten, vor allem Krebs­formen zu unterdrücken; eine Vorgehensweise, für die es im Jahre 2007 im­merhin den Medizin-Nobelpreis gab. Umstritten und aus theologischer Sicht außerordentlich brisant dagegen ist die gezielte Weiterentwicklung des Menschen in Richtung gewünschter Eigenschaften durch planmäßiges Verändern der Erbanlagen und der sie steuernden Faktoren.

Der »neue Mensch« sollte – so die Vorstellung der Transhumanisten – frei sein von Krankheiten, die in den Erbanlagen und Schwächen des Körpers begründet liegen, er sollte über deutlich erweiterte physische und psychische Kapazitäten verfügen, ein sozialverträglicheres Verhalten zeigen und schließlich dem Prozess des biologischen Alterns nicht mehr so erbarmungslos wie heute ausgeliefert sein. Es ist das – ganz langfristige – Ziel des Trans­humanismus, nicht nur die Lebensumstände des Menschen mittels moderner Technologien zu optimieren, sondern den Menschen selbst soweit neu zu formen, dass er letztendlich zu einem völlig neuartigen Wesen mutiert, das in seinen vorteilhaften Eigenschaften und Fähigkeiten in kaum noch vergleichbarer Weise über den heutigen Menschen hinausgewachsen ist. […]

Als eine unüberwindbare Schranke, die von der Menschheit schon immer als Bedrohung und Fluch empfunden wurde, gelten Altern und Tod. Da bekommt die urmenschliche Hoffnung eine reale Basis, wenn nicht wenige Bioforscher inzwischen Lebenszeitverlängerung, also das deutliche Aufschieben von Altern und Tod, ja sogar biologische Unsterblichkeit prinzipiell für möglich halten. Die Erforschung der Prozesse des Alterns und die damit verbundene Hoffnung, Möglichkeiten der Lebenszeitverlängerung, ja irgendwann vielleicht so etwas wie prinzipielle Unsterblichkeit zu entde­cken, lässt aber so manchen Betrachter erschrecken und diese Entwicklungen einerseits ersehnen, andererseits als geradezu gotteslästerlich erscheinen.

Aber ist es nicht so, dass unsere Ziel- und Wertvorstellungen einem stetigen Wandel ausgesetzt waren? Wissen wir heute, welche Vorstellungen vom »guten und richtigen Leben« spätere Generationen haben und welche Maßstäbe sie dereinst anlegen werden? Welche Gefühle und Wünsche sie mit den neuen physischen und psychischen Fähigkeiten entwickelt haben werden? Sie werden vermutlich auf uns zurückblicken, wie wir auf unsere Vergangenheit schauen, und ebenso feststellen, dass die Bedürfnisse, Interessen und Hoffnungen der Menschen wandelbar sind, weil sie ganz entscheidend auch durch die jeweils ge­gebenen wissenschaftlichen und technischen Möglichkeiten bestimmt werden.

Kann es unter den eben geschilderten Zielvorstellungen so verwerflich sein, in die natürliche Evolution einzugreifen, um sie zu beschleunigen und in eine gewünschte Richtung zu lenken? Was kann falsch daran sein, der bisher blindlings und ungerichtet ablaufenden Evolution ihre »darwinistische Erbarmungslosigkeit« zu nehmen und ihren weiteren Verlauf an ethisch wün­schenswerten Zielsetzungen zu orientieren? Muss es nicht vielmehr als »ethi­scher Imperativ« gelten, sich um die Verbesserung der Lebensqualität des Menschen zu bemühen, ihn gesünder, langlebiger, intelligenter und verträglicher zu machen? Einem Christen ist dieses Denken und Handeln eigentlich verwehrt, bedeutet es doch, sich in frevelhafter Weise in Gottes Planung ein­zumischen. Für den Christen wurde der Mensch von Gott als sein Ebenbild erschaffen. Veränderte der Mensch diese Ebenbildlichkeit, maßte er sich in der Vorstellung eines Christen an, Gottes Werk, ja selbst Gott als Original als nicht zufriedenstellend anzusehen und eigenmächtig zu verbessern. Die Entwicklung wird jedoch mit großer Sicherheit über solche Bedenken hinweggehen. Ausschlaggebend für die Akzeptanz wird letztendlich der erkannte Nutzen für Gesundheit und Lebensqualität sein. […]

Ein Paradies auf Erden und die Aussicht auf eine selbstbestimmte Lebenszeit – so utopisch, so befremdlich, gar frevelhaft manchem von uns diese Visionen heute auch erscheinen mögen – sie werden für die kommenden Generationen am Horizont der Möglichkeiten auftauchen. Und die Erfahrung zeigt, das alles, was machbar ist und menschlichen Bedürfnissen entgegenkommt, schließlich auch realisiert wird. Diese Aussichten lassen eine Ahnung aufkommen, wie dramatisch sich in fernerer Zukunft Mensch und Leben verändern könnten. Wir heute Lebenden sollten uns nicht anmaßen zu entscheiden, was spätere Generationen für erstrebenswert halten dürfen. Menschen einer solchen Zukunft, die sich zwar erst schemenhaft, aber doch schon in Umrissen abzeichnet, bedürften dann keiner trügerischen Vertrös­tung mehr auf ein paradiesisches Himmelreich, das jenseits unserer irdischen Welt auf sie warten und ihnen unendliches Glück und ewiges Leben besche­ren würde.

Redaktion: Lehnert endet sein Werk mit einem sehr persönlichen „Credo“, in dem er dazu aufruft, sich auf den Weg zu machen und nicht angesichts der Länge des Weges und seiner Unwägbarkeiten zu verzweifeln. Jeder einzelne kleine Schritt in Richtung auf ein Mehr an Aufklärung und Humanismus macht bereits in sich Sinn. Doch das gebe ich lieber in die Hände des Lesers, als dass ich es hier verkürzt darstelle.

Bibliographisches:

„Warum ich kein Christ sein will“

4., überarbeitete und erweiterte Auflage, Januar 2011

TEIA AG – Internet Akademie und Lehrbuch Verlag

Salzufer 13/14, 10587 Berlin

ISBN 978-3-939520-70-2

Bezug zum Beispiel über http://www.amazon.de/Warum-kein-Christ-sein-naturalistisch-humanistischen/dp/3939520705/ref=zg_bs_340579031_21

 

Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

 

Weitere Arbeiten desselben Autors siehe hier.

 




Gunter Sachs und die Menschenwürde

Der Pistolenschuss von Gstaad rührt aufs Neue ein Thema auf, bei dem es wohl niemals Einigkeit der Meinungen geben wird. Da erschießt sich ein Mensch im Alter von 78 Jahren und erklärt in einem Abschiedsbrief, dass er die vorhersehbare Entwicklung seiner Krankheit, Alzheimer oder Demenz, nicht ertragen wolle, um nicht sich selbst und seiner Umwelt zur Belastung zu werden. Gunter Sachs, Millionenerbe, anerkannter Photograph und einziger deutscher Playboy der Nachkriegszeit, beendet ein Leben, das von der Öffentlichkeit mit Glamour, Jet-Set und schönen Frauen in Verbindung gebracht wurde. Dass Gunter Sachs offenbar am Beginn einer Demenzerkrankung stand, wurde der Öffentlichkeit erst durch seinen Suizid bekannt. In seinem Abschiedsbrief schrieb Sachs: „Der Verlust der geistigen Kontrolle über mein Leben wäre ein würdeloser Zustand, dem ich mich entschlossen habe, entschieden entgegenzutreten“.

Gut hundert Jahre ist es her, dass Alois Alzheimer erstmals die Hirnkrankheit beschrieb. Doch eine wirksame Behandlung gibt es auch heute nicht. Denn die komplexen Mechanismen, die bei der Alzheimerkrankheit das Massensterben von Hirnzellen verursachen, sind noch immer nicht entschlüsselt. Aber die Wissenschaftler kommen voran. Dank neuer Technologien verstehen sie die Krankheit immer besser und spüren Angriffspunkte für neue Therapien auf. Die Medikamente von morgen sollen den Nervenzelluntergang verlangsamen, stoppen oder sogar verhindern, einige werden bereits am Menschen erprobt.

Die Zeit schreibt dazu: Nach einer Schätzung der Deutschen Alzheimer-Gesellschaft leben in Deutschland 1,2 Millionen Demenzkranke, von denen zwei Drittel an Alzheimer erkrankt sind. 2050 könnten es 2,6 Millionen sein, wenn kein Durchbruch bei der Behandlung erzielt werden kann, warnt die Gesellschaft

Mit der Frage, welche Risikofaktoren es gibt und wie man Alzheimer vorbeugen kann, hat sich vor kurzem im Auftrag der US-Regierung eine Gruppe unabhängiger Experten beschäftigt. Die Fachleute unter Leitung von Martha Daviglus von der Northwestern University Feinberg School of Medicine durchforsteten dazu die wissenschaftliche Literatur.

Der letzte prominente Fall für Alzheimer war wohl Ronald Reagan, der die letzten Jahre seines Lebens von seiner Frau Nancy gepflegt wurde. Diese hat ausführlich über den Verlauf berichtet. Es beginnt mit Erinnerungslücken (früher sagte man: „der Opa is halt a bisserl deppert worn“) und setzt sich fort bis zu einem vollständigen Verfall derPersönlichkeit. In diesem Endstadium erkennt der Patient nicht einmal mehr die nächsten Angehörigen, Frau und Kinder sind ihm wie Fremde. Das ist vor allem für die Verwandtschaft ein schwerer Schlag, weniger für den Erkrankten selber. Das Schlimme ist, dass die Krankheit (bisher) nicht heilbar ist, allenfalls kann die Entwicklung durch vernünftige Lebensweise und ein gewisses Training hinausgezögert werden. Der größte Risikofaktor bleibt aber das Altern und so wird diese Krankheit mit der steigenden Lebenserwartung ganz automatisch häufiger ins Bewusstsein der Menschen treten. Ein Heilmittel wäre also ein dringliches Desiderat.

Unser Thema soll jedoch nicht die schreckliche Krankheit sein, sondern die Frage, inwieweit jedermann ein Selbstbestimmungsrecht über sich selbst hat, mit anderen Worten: es geht um die unterschiedlichen Betrachtungsweisen des Suizids durch Humanisten gegenüber anderen, die dieses Selbstbestimmungsrecht verhindern wollen. So titelt kath.net heute: „Suizid kann nicht vorbildlich sein“ und sieht wieder einmal die modernen Zeiten als Verursacher des Untergangs der katholischen „Ethik und Moral“:

Das selbst bestimmte Lebensende ist eine derzeit in unserer Gesellschaft sich ausbreitende und systematisch propagierte Vorstellung, die teilweise illusionären Charakter angenommen hat.

Und weiter:

Es liegt an uns, das von Gunter Sachs gesetzte Zeichen richtig zu interpretieren, nämlich als den verzweifelten Hilferuf eines Menschen, der die Kontrolle über das eigene Leben zum ultimativen Daseinszweck erhoben hatte. Es ist an der Zeit, diesen höchsten Wert der Postmoderne angesichts seiner tödlichen Konsequenzen in Frage zu stellen.

Hinter all dem steht natürlich die urkatholische Vorstellung, dass dieses Leben von Gott „geschenkt“ sei, und niemand das Recht habe, dieses Geschenk zurückzuweisen. Damit wird der Freitod zur Undankbarkeit gegenüber dem Schöpfer und ist somit zutiefst verabscheuungswürdig. Sieht man das allerdings unter humanistischen Gsichtspunkten, so stellt sich automatisch die Frage: „Wem soll ich denn für meine Existenz dankbar sein?“ Niemand hat jemals darum gebeten, geboren zu werden. Wenn man ein glückliches und erfülltes Leben führt, kann man allenfalls daran denken, dass die eigenen Eltern die Mühsal (aber wohl auch die Freude) auf sich genommen haben, einem kleinen Wesen mit viel Geduld und Mühe ein selbstbewusstes Leben zu ermöglichen. Ich bin meinen Eltern jedenfalls dafür dankbar. Doch einem Gott? Was hat er damit zu tun?

Ähnlich sieht das die durchaus nicht komplett humanistisch ausgerichtete „Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben“ (DGHS):

Es muss wieder eine Rückbesinnung auf eine menschengerechte Alters- und Sterbekultur stattfinden. Die DGHS als Patientenschutz-Organisation setzt sich bundesweit ein für mehr Menschenrechte, mehr Bürgerrechte, weniger staatliche Bevormundung und die Beseitigung von Missständen im Umgang mit Sterbenden.

Die Frage nach Patientenverfügungen über ein selbst bestimmtes Sterben ohne unnötige Qualen durch so genannte lebensverlängernde Intensivmedizin sowie ein eindeutiges Bekenntnis zur Menschenwürde gehören unter anderem zum Programm der DGHS, wobei sie sogar einzelnen ganz konkrete Hilfe bis hin zu Rechtsberatung oder Begleitung vor Gericht zur Durchsetzung von Ansprüchen gegen Urteile anbietet, die der Würde des Menschen im Wege stehen. Wie immer schwammig auch der Begriff der „Würde“ formuliert sein mag –darüber ließe sich trefflich streiten – bleibt eines klar: Die eigene Verantwortung für sein Leben sollte man niemals in die Hände von Dritten delegieren, nicht einmal dann, wenn dieser Dritte sich „Gott“ nennt. So sagte ein guter Bekannter, der inzwischen im Alter von 84 Jahren als friedlicher Katholik verstorben ist, zu mir: „Wenn ich vom Hals abwärts vollständig paralysiert wäre, würde ich zum Bahnhof gehen und mir eine Pistole kaufen“.

Das wäre sein gutes Recht gewesen. 


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