Die Hexe von Kalkutta

MTMatthias Krause: Mutter Teresa, die Katholische Kirche und das Leid

Die Glorifizierung des Leidens war keine Marotte von Mutter Teresa, sondern ist offizielle katholische Lehre.

Die Medien berichten derzeit über eine kritische Studie kanadischer Wissenschaftler über Mutter Teresa, z.B. hier: Mutter Teresa betete, statt zu helfen.

Ein Vorwurf – der allerdings nicht neu ist – lautet, Mutter Teresa habe das Leiden der Armen glorifiziert.

„Es liegt Schönheit darin, wie die Armen ihr Schicksal erdulden, wie Christus am Kreuz zu leiden“, sagte Mutter Teresa laut dem britischen Journalisten Christopher Hitchens, der ein kritisches Buch über sie schrieb. „Die Welt gewinnt viel durch ihr Leiden.“ [Yahoo!; Hitchens' Buch ist "The Missionary Position: Mother Teresa in Theory and Practice", auch als Kindle-Version und Audiobuch erhältlich]

Ich will nur kurz darauf hinweisen, dass Mutter Teresa damit ganz auf der offiziellen Linie der Katholischen Kirche zu liegen scheint. Auf Kathpedia.de wird diese so zusammengefasst:

Die Christliche [Anmerkung: Gemeint ist wohl die katholische] Wertung sieht gerade im bewussten Todesleiden ein Mittel der Sühne und Reifung, durch das der Mensch, der die Sündenfolgen auf sich nimmt und von den Sakramenten gestärkt, des Erlösers Todesangst mitleidet. Wer solche Zeit eigenmächtig kürzt, greift in die Menschen- wie in die Gottesrechte ein.

Als Beleg wird auf ein Schreiben der Kongregation für die Glaubenslehre verwiesen: Iura bona von 1980. Darin heißt es:

III.
DIE BEDEUTUNG DES SCHMERZES FÜR DEN CHRISTEN UND DIE VERWENDUNG SCHMERZSTILLENDER MITTEL

[…]

Nach christlicher Lehre erhält der Schmerz jedoch, zumal in der Sterbestunde, eine besondere Bedeutung im Heilsplan Gottes. Er gibt Anteil am Leiden Christi und verbindet mit dem erlösenden Opfer, das Christus im Gehorsam gegen den Willen des Vaters dargebracht hat. Es darf deshalb nicht verwundern, wenn einzelne Christen schmerzstillende Mittel nur mäßig anwenden wollen, um wenigstens einen Teil ihrer Schmerzen freiwillig auf sich zu nehmen und sich so bewußt mit den Schmerzen des gekreuzigten Christus vereinigen zu können (vgl.Mt 27,34). […]

Dies wird im Anschluss sogar als “heroische Haltung” bezeichnet.

Man sollte sich also darüber im Klaren sein: Die Vorstellung, dass (sterbende) Menschen, die leiden, irgendwie mit Jesus mitleiden, stellt nicht etwa eine spezielle Auffassung von Mutter Teresa dar, sondern vielmehr die offizielle katholische Lehre.

Immerhin:

Erlaubt ist der Gebrauch narkotischer Mittel, um große Schmerzen zu lindern, selbst dann, wenn sie den Eintritt des Todes beschleunigen. [Kathpedia]

Andererseits:

Passive Sterbehilfe im Sinne von Zurückhaltung der Ernährung (Wasser etc.) ist nicht gestattet, auch nicht wenn die Nahrung durch eine Sonde in den Magen befördert werden muss. [Kathpedia]

Weiter sollte man sich darüber klar sein, dass sich die katholische Kirche nicht damit zufrieden gibt, die obige Haltung den eigenen Mitgliedern zu predigen. Das Mitleiden mit dem christlichen Sündenbock Jesus soll möglichst per Gesetz auch allen Nichtchristen auferlegt werden. So erklärte die Deutsche Bischofskonferenz z.B. im September letzten Jahres:

Als ethisch verwerflich verurteilt [die katholische Kirche] die öffentliche Duldung oder Förderung jeder Form von institutionalisierter Suizidhilfe, deren hauptsächlicher Zweck darin besteht, Notleidenden eine schnelle und effiziente Möglichkeit für die Selbsttötung anzubieten. Ein gesetzliches Verbot lediglich des gewerbsmäßigen, also gewinnorientierten Handelns greift aus ihrer Sicht jedoch zu kurz, da eine solche Engführung sogar den Eindruck erwecken könnte, alle nicht kommerziellen Formen seien als legitim zugelassen.

Quelle: http://skydaddy.wordpress.com/2013/03/08/mutter-teresa-die-katholische-kirche-und-das-leid/

 

 

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Entweltlichung und „Dritter Weg“

BenediktXVIAuf dem Arbeitsmarkt hat sich die Catholica mit einem eigenen, „Dritten Weg“ die Bahn geebnet für Macht und Rechte vorbei an christlicher Nächstenliebe und gesellschaftlicher Verantwortung. Wie ist das vor unserem Grundgesetz möglich? Was treibt die deutsche Catholica, ihre Sozialvorstellungen menschenrechtswidrig durchzusetzen? Was ist aus dem barmherzigen Samariter geworden?

Ausgangspunkt für alle Überlegungen muss in unserer Demokratie das Grundge-setz (GG) sein, das vor allen Gesetzen und Einzelregelungen bei deren Auslegung absolut Vorrang hat. Und im GG steht die Würde des Menschen an erster Stelle.

Neben zahlreichen Einzelregelungen betreffend die Beziehungen von Staat und Kirche haben die Väter unseres GG in Art.140 GG i.V.m. WRV Art. 135 bis 141 einige bemerkenswerte Grundsätze festgeschrieben. So z.B. in Art. 137 WRV, dass es keine Staatskirche gibt. Das ist ein fundamentales Bekenntnis des Staates zur Neutralität gegenüber allen Religionen und Weltanschauungen. Konsequent ist daher ebenda festgelegt, dass jede Religionsgesellschaft ihre Angelegenheiten selbständig innerhalb der Schranken des für alle geltenden Gesetzes ordnet und verwaltet. Also, Selbstverwaltung ja, Sonderrechte nein. Wie bei jedem Verein.

Nicht nur vor diesem Hintergrund verfängt sich der Star der deutschen katholischen Soziallehre, Kardinal Marx, im Gewirr der eigenen Fussangeln, wenn er mit Blick an das Ende der Welt gegen „Strukturen der Ausbeutung" wettert. Dabei übersieht er nämlich geflissentlich, dass in den Werken seiner Kirche und in unserer Republik vom Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) bis hin zum Mitbestimmungsgesetz (MitbestG) kein für alle anderen Arbeitnehmer geltendes Recht anwendbar ist. Damit sind die Werke der Catholica gegenüber allen anderen Unternehmen nicht hinnehmbar und GG-widrig privilegiert.

Das arabesk als „Dritter Weg" bezeichnete Mitarbeitervertretungsrecht der Catholica ist demokratisch ein Holzweg und ähnelt eher einer Struktur der Ausbeutung, einem Irrweg, auf dem die eigenen Mitarbeiter bezüglich ihres Schutzes wesentlich schlechter gestellt werden als ihre Kollegen in der Privatwirtschaft.

Unabhängig von wohlwollenden oder durch religiösen Gehorsam geprägten aller-höchsten Gerichtsurteilen nimmt die deutsche Catholica schamlos im GG ausgeschlossene Sonderrechte in Anspruch. Wenn sie sich dabei selbst auf Glaubensgrundsätze beruft, darf sie sich gerade nicht auf noch so ausgetüftelte Meinungen von Kirchenrechtlern zurückziehen. Glauben ist nicht Recht. Und was rechtens ist, ist nicht immer gerecht oder richtig.

Da muss der neue Papstberater sich wohl zunächst vom neuen Papst Rat holen, wie der seine Forderung an seine Priester und Primaten versteht, dass diese sich „nicht lächerlich machen und der Kirche schaden, indem sie dem Geld und der Karriere folgen". Oder die Forderung nach mehr Solidarität, wobei das gesamte System auf den Prüfstand gestellt und mit den fundamentalen Rechten aller Menschen in Einklang gebracht werden müsse.

Nähme Marx diese mahnenden Worte seines neuen Pontifex zu Herzen, müsste er umgehend den Sondermüll seines dritten Weges entsorgen und unter Beachtung der Würde des Menschen und seiner Rechte (Art. 1 GG) die für alle geltenden demokratischen, arbeitsrechtlichen Regelungen in den Werken der Catholica anwenden.

Ein für die deutsche Catholica unerwartet steifer Wind aus Rom weht da dem schwarzen Marx ins Gesicht. Der neu gebackene Papstberater und Aalkönig muss beim neuen Papst erst einmal in die Nachhilfestunde gehen und sich erklären lassen, was dieser unter dem Dienst als wahrer Macht versteht und warum er knallhart fordert, dass seine Primaten es genau so machen wie der uneigennützig helfende barmherzige Samariter.

Nach Überzeugung namhafter deutscher Katholiken (Cordes, Lütz) hätte der barmherzige Samariter beim Caritasverband heute kaum eine Chance, weil nicht getauft und mit dem falschen Glauben. Und doch steht er im Zentrum christlicher Lehre.

Aus ehemals ob ihrer Werke durchaus angesehenen christlichen Einrichtungen sind vielfach eine Arbeitgebermacht entstanden, die Gewalt an Menschen mit Glaubensgrundsätzen ausübt. Dabei haben diese mit beruflicher Qualifikation überhaupt nichts zu tun. Es ist GG-widrig, wenn ein Arbeitssuchender Fragen nach seinem Bekenntnis, seinen Neigungen und Einstellungen, seiner Parteizugehörigkeit u.ä. beantworten soll. Dadurch diskriminiert die Catholica Arbeit suchende Menschen, die verzweifelt eine gute Arbeit für ein Leben in Würde suchen. Was haben ein entzündeter Blinddarm oder eine ordentliche Buchführung mit katholischer Glaubenslehre zu tun? Was ein sauber gereinigtes Büro oder ein pädagogisch einwandfrei geführter Kindergarten? Die Willkür kirchlicher Arbeitgeber scheint schrankenlos und wird gnadenlos als Kontrolle in Glaubenssachen praktiziert. In unserer Demokratie heute!

Aber hier prangert der neue Pontifex an, dass Kirchenmänner oft Kontrolleure und nicht Wegbereiter des Glaubens seien, und dass es gälte, „den Menschen wieder ins Zentrum zu rücken". Und auch eine neue, aufgeklärte Richtergeneration und Gewerbeaufsicht machen bei dem Regelungsgeflecht der Catholica nicht mehr mit: Kündigungen müssen zurückgenommen werden, das versagte Streikrecht wird aufgeweicht und mehr und mehr zwingen öffentliche Meinung und Protest zur Aufgabe unhaltbarer Gängelungen durch kirchliche Arbeitgeber und Primaten.

Die letzte entscheidende Rede des papa emeritus in Freiburg hat die deutsche Catholica mit seiner Forderung nach Entweltlichung in ein Dilemma gestürzt. Der papa electus geht genau da konsequent weiter und fordert – vor allem -, die Würde des Menschen zu achten. Solidarität müsse wieder staatsbürgerliche Tugend werden, auch und gerade für die deutsche Catholica, wenn sie sich dann nach Art des armen Samariters Verantwortung übernehmen und sich nicht nur für fragwürdige und als Unrecht empfundene Dienste satt aus öffentlichen Mitteln bezahlen lassen will.

Georg Korfmacher

 

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Marx, die Ethik und das Strafrecht

Kardinal Reinhard Marx betonte bei einer Veranstaltung der Technischen Universität München die ethische Verantwortung des Einzelnen. Da diese Feststellung so trivial ist wie das Amen in der Kirche, musste er vor dem anspruchsvollen Publikum wohl oder übel nachlegen. Und das hörte sich dann so an.

„Es ist ein großer Irrtum zu glauben, wir könnten darauf verzichten, dass Menschen in sich eine sittliche Verantwortung haben", dozierte der Erzbischof von München und Freising. Für ihn reiche eine Rahmenordnung wie das Strafrecht nicht aus.

Also da scheint der Großmeister des Marxismus der Catholica etwas durcheinander zu bringen. Ein eherner Grundsatz aller Juristen besagt, dass ein Blick ins Gesetzbuch die Rechtsfindung erleichtert. Und die Rahmenordnung in unserer Demokratie ist das Grundgesetz, an das sich alle in unserem Staat zu halten haben. Tun sie das nicht, bestimmen andere Gesetze, wann und wie das zu sanktionieren ist.

Und damit muss der Kardinal in eine fatale Gewissensnot geraten, hat er doch seinem Papst absoluten Gehorsam geschworen. Die Ergebnisse eines solchen Schwurs wurden nicht nur in unserer Demokratie eindrucksvoll vorgeführt. Jahrelang hat die Catholica sexuellen Missbrauch an Minderjährigen an der Justiz vorbei auf ihre Weise behandelt und solange zu vertuschen versucht, bis die Schandtaten nach den Regel des Rechts „verjährt" wären.

Von Ethik keine Spur!

„Die richtige Verantwortlichkeit wahrzunehmen, dazu gehört mehr, als ins Gesetzbuch zu schauen." Glaubt der hohe Herr wirklich, was er da im Brustton seiner Überzeugung von sich gibt? Wie soll sich unser Gemeinwesen denn geordnet organisieren, wenn sich nicht einmal die Catholica an das vom Kardinal so bezeichnete „Minimalprogramm" hält?

Der „schwarze" Marx muss sich gefallen lassen, dass er nicht nur an seinen Worten, sondern auch und vor allem an seinen Werken gemessen wird. Es lässt sich leicht plaudern, wenn die Werke christlicher Caritas und insbesondere das eigene Auskommen (ca.12.000 Euro pro Monat) großzügig voll aus öffentlichen Steuermitteln der Allgemeinheit und nicht aus der sogenannten Kirchensteuer finanziert werden.

Und was mit den prekären Arbeitsverhältnissen und der Missachtung unseres Grundgesetzes mit dem Diskriminierungsverbot wegen Rasse und Bekenntnis in den Betrieben im Eigentum der Catholica? Was schon Grundschüler im Ethikunterricht lernen, scheint der große Kardinal mit dem kleinen roten Käppchen zu ignorieren. Der "dritte Weg" ist wohl ein Weg in den Irrtum außerhalb unserer Rechtsordnung.

In Sachen Ethik ist man mit Kant offensichtlich besser bedient als mit den Marx'schen Worthülsen. Aber Kant hat der Kardinal in Schule oder Studium wohl verpasst oder in seiner Rolle der Macht schlicht und einfach verdrängt. Kategorisch ist er nur in Sachen Demokratie. Und die hat er qua CIC und Schwur auf den Stellvertreter Gottes aus seinem Bewusstsein verbannt. Insofern stellt sich der Kardinal selbst ins Abseits. Aber was dann?

Als Demokrat und ethisch handelnder Mensch fällt er offenbar aus. Da kann er sich wohl nur noch demütig auf seine Rolle als „Eunuch für das Himmelreich" (Mt 19,12) konzentrieren. Aber, oh Graus, da wird er möglicherweise in seinem prunkvollen Haus abgelenkt, das seinerzeit für einen Bastard von Bayern und dessen Maitresse gebaut worden ist.

Titelbild: Die bescheidene Wohnstätte des Kardinals: Seit 1818 ist das Palais Holnstein im Staatsbesitz (!) und seit 1821 Dienstsitz der Erzbischöfe von München und Freising. (Bildquelle: Erzbistum)

 

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Der „Marxismus“ der Catholica

Nun hat der Münchner Kardinal mit dem anspruchsvollen Namen noch einen Übungsplatz für die Feuerwerke seiner Worthülsen: er ist jetzt auch Präsident der EU-Bischofskommission ComECE. Wie oft schon, schwingt der deutsche Kardinal auch hier die Keule der sog. katholischen Soziallehre zur Heilung der aktuellen Wirtschaftskrise in Europa. Diese ist nämlich nach Meinung des grossen Kardinals mit dem kleinen roten Käppchen nicht nur wirtschaftlicher und sozialer, sondern auch moralischer Natur.

Die Europäer müssen ihren Lebensstil überdenken, so der Kardinal jetzt vor der ComECE, in der sich Vertreter der Bischofskonferenzen aller 27 EU-Mitgliedstaaten als Lobby zusammengetan haben.  

Denn für den Grossmeister des „schwarzen Marxismus" muss die Krise in der EU "auch als christliches Projekt" gesehen werden.

Und was hilft da besser als die katholische Soziallehre. Diese basiert in ihrer heutigen Ausprägung im Wesentlichen auf einer Epistel (rerum novarum) von 1891, die der seinerzeitige und unfehlbare Papst an seine erwürdigen Brüder, Primaten etc. verschickt hatte, also deutlich nach den auch heute noch besser bekannten Thesen des „roten" Marx. In dieser für seine Primaten geschriebenen Belehrung hatte der mächtigste Mann nach Jesus auf Erden ausser salbungsvollen Bibelsprüchen nicht viel zu bieten. Dabei werden die sarkastischen Sprüche eines Paulus ex Tarsus und des grossen Augustin tunlichst nicht zitiert. Nach diesen beiden Protagonisten des katholischen Sozialverständnisses sollen nämlich nur die essen, die auch arbeitet, und Sklaventum wird ausdrücklich als von Gott gewollt befürwortet.

Aber weder zur wirtschaftlichen, noch zur sozialen und schon gar nicht zur moralischen Natur der Krise ein Wort. Nur die worthülsige Behauptung, dass viele christlich geprägten Vorstellungen auch für Nicht-Christen akzeptabel seien. So kann wohl nur fabulieren, wer allen Ernstes postuliert, die Wurzeln der Aufklärung seien christlich, oder wer für ein gelingendes Europa das Zweite Vatikanische Konzil als Vorbild empfiehlt, eben der Grossmeister des „Marxismus" der Catholica.

Dabei wird der vorsitzende Primat Marx den ihn umgebenden Primaten erklären müssen, was z.B. an seinem „Dritte Weg" im Arbeitsrecht sozial sein soll, oder was die deutsche Catholica mit all ihrem Reichtum für die Armen tut, während ihre Caritas fast vollständig aus öffentlichen Steuermitteln finanziert wird, für die sie nicht einmal Rechenschaft ablegen muss. Und dabei steht er allein auf einer Insel der Glückseligen inmitten einer Vielfalt von laizistischen oder weitgehend so geprägten Staaten.

Auch ein Blick in die päpstliche Epistel von 1891 hilft dem „schwarzen" Marx nicht weiter. Dort wird nämlich der sozialistische Lösungsversuch als ungerecht, weil gegen das Naturrecht des Privateigentums gerichtet, pauschal verurteilt und der arbeitende Mensch auf das Jenseits vertröstet, wenn es hienieden nicht klappen sollte.

Mit Weihrauch und ebensolchem Wasser werden soziale und wirtschaftliche Probleme nirgendwo gelöst. So wird ein womöglich honoriges Gremium eher zu einer Plattform der Plattitüden herabgestuft.

Übrigens, die Bezeichnung „Primaten" (Herrentiere) für seine Brüder im Herrn stammt vom Begründer der katholischen Soziallehre selbst. Doch kein Affentheater. Nur Zeitgeist.

 

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Deutlichst auch in Leipzig zeigen, wer das Sagen haben will

PropsteiWEIMAR. (fgw) Der MDR, der öffentlich-rechtliche Rundfunk Mitteldeutschlands, überschlägt sich derzeit in allen Medien. Nein, nicht der Tag der Befreiung am 8. Mai ist das Thema. Das allesbeherrschende Thema ist die Einweihung des Neubaus der katholischen Propsteikirche St. Trinitatis am 9. Mai in Leipzig. Diese wurde mitten im Herzen der Messestadt errichtet – genau gegenüber dem Rathaus, der demokratisch legitimierten weltlichen Macht. Der katholische Klerus zeigt damit wohl sehr deutlich, wer auch in Leipzig das Sagen haben will.

Zunächst einige demographische Fakten: Leipzig zählt derzeit etwa 485.000 Einwohner, davon sind etwa 56.000 Mitglied der evangelischen Kirche und 19.000 Mitglied der katholischen Kirche; also nur 11,5 bzw. 3,9 Prozent der Bevölkerung. Wie es übrigens von der katholischen Gemeinde selbst heißt, ist diese erst nach 1989 erheblich angewachsen – durch den Zuzug zahlreicher "Eliten" aus der alten Bundesrepublik. In ganz Sachsen sieht es nicht anders aus: Mehr als 80 Prozent der Einwohnerschaft sind religionsfrei.

Im umgekehrten Verhältnis zur demographischen Situation machen Politik und insbesondere die öffentlich-rechtlichen Medien Propaganda für den Katholizismus. Angesagt zur Feier hat sich so u.a. der katholische Ministerpräsident des weitgehend "gottlosen" Freistaates Sachsen, Stanislaw Tillich (CDU).

Der MDR selbst überträgt die Weihe der neuen Propsteikirche in Leipzig am 9. Mai ab 10:45 Uhr im MDR FERNSEHEN live und bei MDR.DE im livestream. Außerdem berichten Hörfunk und Fernsehen noch intensiv über die Propstei-Gemeinde, die Architektur der Kirche und die Bauarbeiten. Ein Beispiel: MDR.DE veranstaltet auf 17 (!) Seiten einen Wissenstest, u.a. mit solchen Fragen: Welche Farbe hat das Scheitelkäppchen des Papstes? Womit wird die Krankensalbung vorgenommen?

Und da ist es auch kein Wunder, daß der MDR seine schon in frühen DDR-Zeiten gegründeten (weltlichen) Ensembles MDR-Kinderchor und MDR-Rundfunkchor zu Auftritten in die katholische Kirche abordnet. Selbst der Chor der staatlichen Leipziger Universität soll dort zum Kirchenlobe singen, heißt es.

Der MDR berichtet sogar über die Kosten des größten Kirchenneubaus im Osten Deutschlands nach 1945. Größter Kirchenbau übrigens für eine deutliche Minorität! Zur Erinnerung, für weniger als vier Prozent in einer weitgehend religionsfreien Stadt. Um so mehr muß die Kirche sich also im Stadtbild zeigen. Nicht nur mit dem Standort vis-a-vis des Rathauses, sondern auch damit: In 50 Metern Höhe ziert ein gut sieben Meter hohes Kreuz aus Edelstahl das Gebäudedach.

Nach Angaben der katholischen Gemeinde belaufen sich die Baukosten derzeit auf etwa 15 Millionen Euro. Davon hätten die Gemeinde sieben Millionen Euro übernommen, 1,5 Millionen stammten vom Bonifaziuswerk der deutschen Katholiken und den Rest trage das Bistum. Weitere Kosten seinen noch nicht bezifferbar, denn es müßten ja noch die sechs Glocken eingebaut werden usw. Zu den reinen Baukosten würden noch weitere zehn Millionen Euro hinzukommen, unter anderem für das Grundstück in bester Citylage, die Orgel und die Innenausstattung…

Tja, das klingt für den objektiven Beobachter erst einmal gut: Die Katholiken bezahlen ihren monströsen Kirchenneubau selbst. Aber ist dem wirklich so? Wie setzen sich die Summen konkret zusammen? Was davon resultiert aus den Mitgliedsbeiträgen – Kirchensteuer genannt? Was davon kommt aus den Vermögenserträgen des Wirtschaftsunternehmens Kirche? Wie hoch ist der Anteil von Spenden aus allen möglichen Töpfen? Gab es keinerlei Baukosten-"Zuschüsse" von der öffentlichen Hand? Der öffentlich-rechtliche Rundfunk fragt nicht nach… Denn ansonsten zeigen sich ja bundesweit Bund, Länder und Kommunen überaus spendabel, wenn es um kirchliche Aktivitäten geht; siehe nur Finanzierung von Kirchentagen. Öffentliche Hand – das beinhaltet ja in erster Linie das Steueraufkommen der religionsfreien Mehrheit, aber auch nichtchristlicher Menschen.

Zurück zu den Zahlenangaben: Sieben Millionen Euro Baukosten habe die katholische Gemeinde selbst getragen, heißt lapidar. Nehmen wir mal an, daß damit alle Leipziger Katholiken gemeint sind und nicht nur die Mitglieder dieser einen katholischen Kirchgemeinde: Dann hätte jeder einzelne Katholik (selbst die im Baby-Alter) pro Kopf rund 370 Euro allein für die reinen Baukosten aufgebracht. Die Leipziger Katholiken wären demzufolge wohl samt und sonders Besserverdienende.

Und da bleibt noch die Frage, wie sieht es mit den weiteren noch mindestens zehn Millionen Euro Kosten aus; von wem werden die denn aufgebracht? Die Fragen, wie es in Leipzig (und Sachsen) mit der verfassungsgemäßen Trennung von Staat und Kirche aussieht und wie mit der weltanschaulichen Neutralität des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, sollen ausnahmsweise mal nicht gestellt werden.

Siegfried R. Krebs

Link zum Original-Artikel : http://www.freigeist-weimar.de/beitragsanzeige/deutlichst-auch-in-leipzig-zeigen-wer-das-sagen-haben-will/

 




Christlicher Humanismus

Am 14. Juni 2014 berichtete Wissenbloggt über die Anstrengungen des Kardinal Marx, einen neuen, „christlichen“ Humanismus zu kreieren (siehe „Christliche Vereinnahmung des Humanismus?“ http://www.wissenbloggt.de/?p=24542)

Daraufhin wurde unser Sprecher Manfred Silberberg aktiv und wollte den Dingen auf den Grund gehen. So schrieb er an die

„Pressestelle des Erzbistums München

Mit Freuden haben wir gelesen, dass Herr Kardinal Marx einen zeitgemäßen Humanismus befürwortet. Was am Humanismus speziell christlich sein muss erschließt sich uns zwar nicht, aber wir, die Sprecher der "Initiative Humanismus" würden uns freuen, wenn wir in einen Dialog zu diesem Thema mit Ihnen treten könnten.

Als Anhang fügen wir Ihnen unser Manifest, unsere Ausarbeitung zum Thema Humanismus, bei.

Mit freundlichen Grüßen

Manfred Silberberg

(Sprecher Menschenrechte/Trennung Staat-Religion)“

Obwohl wir wissen, dass Gottes Mühlen langsam mahlen, hatten wir nach der langen verstrichenen Zeit bereits die Hoffnung aufgegeben, jemals eine Antwort zu erhalten. Doch manchmal geschehen auch Zeichen und Wunder und gestern erhielten wir die Antwort, die ich unkommentiert hier wiedergebe:

„Sehr geehrter Herr Silberberg,

für Ihre Email vom 14. Juni 2014 an den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, und das beigefügte Manifest danke ich Ihnen. Er hat mich gebeten, Ihnen zu antworten.

Sie sprechen in Ihrer Email die Äußerungen des Kardinals über einen „europäischen Humanismus für das 21. Jahrhundert“ an. In der Tat hat er bei einem Kolloquium im Collège des Bernardins in Paris am 10. Juni 2014 dafür plädiert, dass Christen den aktuellen globalen Herausforderungen wie Migration, Umweltzerstörung, Armut oder ungerechter Ressourcenverteilung mutig begegnen sollen. Das Engagement für ein globales Gemeinwohl muss ein wesentlicher Teil des christlichen Lebens sein.

Es ist zu begrüßen, dass sich auch die „Initiative Humanismus“ für die grundgesetzlich verankerten Menschenrechte, für Frieden, Freiheit und die Gleichberechtigung der Geschlechter einsetzt. Humanisten wie Christen verfolgen so das gemeinsame Grundanliegen, die Würde des Menschen zu schützen.

In der Konkretion dieser Desiderate sowie von ihren weltanschaulichen Voraussetzungen her treten jedoch auch erhebliche Differenzen zutage. Christen glauben an Gott als den Schöpfer allen Lebens und die Quelle des Guten, der der Ursprung von allem ist und alles erhält. So kommt dem Menschen zwar ein Recht auf Selbstbestimmung zu, jedoch erstreckt sich dieses nicht auf das Leben als solches. Das Leben darf als Gabe Gottes angenommen werden und ist an seinem Beginn und seinem Ende der Verfügung des Menschen entzogen.

Die katholische Kirche sucht immer wieder das Gespräch zwischen Glaubenden und Nichtglaubenden, so etwa bei der Veranstaltung „Vorhof der Völker“, die vom 26. bis 28. November 2013 in Berlin stattfand. Sie ist bestrebt, die gesellschaftliche Debatte über die Gottesfrage, die Würde des Menschen, die Globalisierung und die sich daraus ergebenden Konsequenzen hinsichtlich Fragen der Ethik und der Lebensführung weiterzuführen. Katholische Akademien und andere kirchliche Einrichtungen greifen diese Themen immer wieder auf und beteiligen hier regelmäßig Vertreter unterschiedlicher Konfessionen und Weltanschauungen.

Mit nochmaligem Dank für Ihr Schreiben verbleibe ich mit freundlichen Grüßen

Ihre Dr. Ilkamarina Kuhr

Deutsche Bischofskonferenz Bereich Glaube und Bildung

Kaiserstraße 161 53113 Bonn Tel.: 0228/103-275 Fax: 0228/103-201 email: g.etscheid@dbk.de




Auf einer Linie mit der Inquisition!

360px-Auto_de_féAuf einer Linie mit der Inquisition (Bild: Manuel Anastácio, Wikimedia Commons) liegt die Site atheisten-info.at! Denn der Chef der Inquisition, der Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation, Erzbischof Gerhard Müller sagt zum Thema der Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene was, das auch auf der Site atheisten-info zu lesen war.

Müller: "dem wachsenden Unverständnis gegenüber der Heiligkeit der Ehe kann die Kirche nicht entsprechen durch pragmatische Anpassung an das vermeintlich Unausweichliche", die Kirche müsse mutig an den eigenen Lehren festhalten.

Und diese Lehren sind laut katholischem Katechismus im §1650: "(..) Die Kirche hält deshalb daran fest, dass sie, falls die Ehe gültig war, eine neue Verbindung nicht als gültig anerkennen kann. Falls Geschiedene zivil wiederverheiratet sind, befinden sie sich in einer Situation, die dem Gesetze Gottes objektiv widerspricht. Darum dürfen sie, solange diese Situation andauert, nicht die Kommunion empfangen. Aus dem gleichen Grund können sie gewisse kirchliche Aufgaben nicht ausüben. Die Aussöhnung durch das Bußsakrament kann nur solchen gewährt werden, die es bereuen, das Zeichen des Bundes und der Treue zu Christus verletzt zu haben, und sich verpflichten, in vollständiger Enthaltsamkeit zu leben."

Der Großinquisitor Müller sagt, an dieser Lehre sei mutig festzuhalten, also die obige Vorschrift im Katechismus soll nicht abgeändert werden. Wiederverheiratete Geschiedene dürfen also weiterhin keinesfalls den "Leib des Herrn" verspeisen. Denn Müller sieht durch eine Zulassung dieser in nichtkatholischer Ehe Lebenden zur Kommunion "die Gefahr einer Banalisierung des Gottesbildes, wonach Gott nichts anderes vermag, als zu verzeihen". Immerhin: Bischof Müller weiß noch, dass die Geschäfte der katholischen Kirche durch Jahrhunderte mittels erbarmungslosen Verdammens geführt wurden. Und jetzt sollte sich der Christengott sogar schon von sündigen Ehebrechern ohne katholisches Ehezeugnis verspeisen lassen müssen.

Müller verweist jedoch darauf, dass die Sorge um wiederverheiratete Geschiedene nicht auf die Frage des Eucharistieempfangs reduziert werden dürfe. Gemäß des kirchlichen Lehramts seien die Seelsorger und die christlichen Gemeinden gerufen, "die Menschen in irregulären Situationen offen und herzlich aufzunehmen, ihnen einfühlsam und helfend zur Seite zu stehen und sie die Liebe des Guten Hirten spüren zu lassen." Also die Liebe der Hirten bekommen die wiederverheirateten Geschiedenen schon, den Leib des Herrn jedoch nicht. Amen.

Aber wenn hier auf der Atheisten-Info-Site steht, was richtig katholisch ist, dann wird das regelmäßig von der katholischen Kirche bestätigt! Und was katholisch ist, muss katholisch bleiben! Allein schon wegen des Unterhaltungswertes für uns religiöse Nichtraucher!

PS: Was ist eigentlich mit geschiedenen wiederverheirateten Geschiedenen? Dürften die dann schon den "Leib des Herrn" wieder verspeisen? Weil sie ja aus der neuen sündigen Zivilehe ausgestiegen wären und die zivil geschiedene kirchlich unauflösliche katholische Ehe formal-kirchenrechtlich ja weiter existieren täte. Oder ist die Scheidung einer Zivilehe auch eine Sünde vor dem HErrn? Darüber könnten die Vatikanisten auch noch nachdenken.

Quelle : www.atheisten-info.at