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Wirtschaft und Soziales

Happy_HumanDie Humanisten sehen in der Marktwirtschaft die einzige Form vernünftigen Wirtschaftens. Die Marktwirtschaft ist die einzige Wirtschaftsordnung, die mit individueller Freiheit vereinbar ist. Gleichzeitig hat die Marktwirtschaft immer wieder deutlich gemacht, dass nur sie allgemeinen Wohlstand begründen kann.

Eine konsequente Ausrichtung an der Marktwirtschaft bedeutet nicht, den Interessen der Mächtigen der Wirtschaft zu Diensten zu sein. Vielmehr ist die Marktorientierung das Eintreten für den Wettbewerb und das Zurückdrängen von Monopolisierung und Kartellbildung. Es gilt heute mehr denn je die Aussage von Walter Eucken: „Die Wirtschaftspolitik der Wettbewerbsordnung unterscheidet sich  von einer Politik der Freien Wirtschaft mehr, als sich die Wirtschaftspolitik der Freien Wirtschaft von der Zentralverwaltungswirtschaft in den letzten Jahrzehnten unterschied“.  Ziel marktwirtschaftlicher Politik ist nicht die Pflege der oligopolistischen Marktordnung, sondern der Einsatz für eine Marktwirtschaft, die sowohl von staatlicher Willkür wie von privater Wirtschaftsmacht frei ist.   

Die Marktwirtschaft ist die Wirtschaftsordnung, die ein Maximum an Wohlstand generieren kann. Zweifelsfrei hat die Entwicklung der Wirtschaft in den letzten zweihundert Jahren auch soziale Verhältnisse hervorgebracht, die zu Recht Kritik und den Wunsch nach Verbesserung laut werden ließen. Die Notlage der Arbeiter, die Marx eindringlich und richtig schilderte, ist von ihm unrichtig erklärt worden. Der große Irrtum in der Analyse von Marx ist die Tatsache, dass er die Marktformen ignorierte. Nicht die Trennung der Menschen in Eigentümer von Produktionsmittel und arbeitsuchenden Menschen ist die Ursache, sondern dass die Arbeitgeber, denen die Maschinen gehörten, in monopolistischen Marktformen nachfragten.

Häufig wird die ungleiche Einkommensentwicklung der letzten Jahre beklagt. Es ist deshalb zu beachten, dass zwischen Leistungsentgelt und der wirtschaftlichen Aktivität eine positive Korrelation besteht. Bei einer sehr gleichmäßigen Einkommensverteilung würde das Volkseinkommen geringer sein als bei einer ungleichmäßigeren, sofern sich die Ungleichmäßigkeit in jenen Grenzen hält, die von der Leistungsmotivation gedeckt sind. Eine hohe Wachstumsrate ist nur um den Preis einer ungleichmäßigeren Einkommensverteilung zu haben, eine gleichmäßigere kostet Wachstum. Ökonomische Ungleichheit ist unter einer Bedingung zu akzeptieren: Sie muss sich zum größtmöglichen Vorteil für die am wenigsten begünstigten Gesellschaftsmitglieder auswirken. Die Förderung der sozial Benachteiligten muss absolut gesehen werden und nicht relativ.

Das Eintreten für eine marktwirtschaftliche Ordnung bedeutet keineswegs die Schleifung des Sozialstaats. Eine vitale und dynamische Wirtschaft ist Voraussetzung für soziale Wohlfahrt. Der Sozialstaat kann nicht finanziert werden, indem man die innovativen Unternehmen, Leistungswilligen und Unternehmensgründer übermäßig mit Abgaben belastet und den wirtschaftlichen Standort belastet und damit in der Konsequenz die gesamte Wirtschaftskultur lähmt. Sozialleistungen sind nur dann dauerhaft gesichert, wenn Dynamik und Wachstum die Wirtschaft stärken.

Die Wirtschaft hat einen Anspruch auf faire Rahmenbedingungen. Das heißt, dass sie von unnötigen Belastungen befreit wird. Unsinnige Steuervorschriften, wie z. B. die Hinzurechnungen bei der Gewerbesteuer,  sind zu beenden und die Steuertarife sind so zu gestalten, dass sie nicht das Wachstum behindern. Gleichzeitig muss der Wirtschaft klar werden, dass sie ein Teil der Gesamtgesellschaft ist und nicht gegen sie handeln kann. In einer älter werdenden Gesellschaft hat die Wirtschaft Maßnahmen zu ergreifen, die Verbesserungen für ältere Arbeitnehmer zur Folge haben. Die Wirtschaft muss für Arbeitsbedingungen sorgen, in welchen junge Menschen mehr Mut zur Familiengründung entwickeln können.

Ein Mindestlohn ist anzustreben. Dies ist keine Aushöhlung des marktwirtschaftlichen Prinzips. Es wird damit nur ein Zustand korrigiert, in welchem der Staat durch Aufstockungsleistungen an Geringverdiener die Unternehmen indirekt subventioniert.

Menschen, die in Not geraten sind, verdienen die Unterstützung der Gesellschaft. Es ist nur eine Minderheit, die den Sozialstaat ausnutzt, deshalb muss der Grundsatz „Fördern und Fordern“ auch zukünftig gelten.         

Im Sinne der sozialen Gerechtigkeit  ist eine Steuerprogression zu begrüßen. Sie soll den Verteilungsprozess im Rahmen der Wettbewerbsorientierung korrigieren. Um die Wettbewerbsordnung zu erhalten, ist es nötig, die Progression zu begrenzen. So notwendig die Progression unter sozialem Gesichtspunkt ist, so notwendig ist es zugleich, durch die Progression nicht die Leistungsbereitschaft zu gefährden.

Für die Humanisten sind Vollbeschäftigung und solide Staatsfinanzen grundlegende Ziele. Deshalb ist mittelfristig eine deutliche Senkung der Staatsverschuldung anzustreben. Die Schuldenbremse ist hierzu ein bedeutsamer Anfang. Dass kurzfristige mit Schulden finanzierte Konjunkturprogramme keineswegs für eine nachhaltige Verbesserung der Vollbeschäftigung sorgen, sondern vielmehr langfristig zu einer Strangulation des Staates führen, hat die Schuldenkrise in der EU überdeutlich gezeigt. Die Humanisten versprechen sich durch eine vitale Marktwirtschaft eine bessere Wirkung für die Erwerbsquote.

Die Humanisten begrüßen im Grundsatz Arbeitnehmerschutzrechte. Es ist aber im Einzelfall zu überprüfen, inwieweit diese Beschäftigung hemmenden Effekt erzielen. (in Spanien hat das Schutzrecht für junge Arbeitnehmer dafür gesorgt, dass Spanien die höchste Jugendarbeitslosigkeit in der EU hat)

Die Humanisten fordern ein klares und vereinfachtes Steuerrecht. Das gegenwärtige Steuerrecht ist wegen der Kompliziertheit nicht mehr zumutbar. Diese Kompliziertheit führt dazu, dass für gleiche Steuertatbestände von den Steuerberatern und den Finanzämtern verschiedene Lösungen ermittelt werden. Steuerberater dürfen nicht mehr Steuerrater sein. Es ist auch auf dem Gebiet des Steuerrechts Rechtssicherheit zu gewährleisten.

Es sind Vorkehrungen zu treffen, dass inflationsbedingte Einkommenserhöhungen nicht mehr zu automatisch von höheren Tarifen erfasst werden. Die sogenannte „kalte Progression“ ist eine stille und automatische Steuererhöhung. Sie ist wirksam zu begrenzen.

Voraussetzung der Marktwirtschaft ist der Wettbewerb. Es sind Maßnahmen zu ergreifen, die den Wettbewerb sicherstellen bzw. für mehr Wettbewerb sorgen. Einer „vermachteten Wirtschaftsstruktur“ (Walter Eucken) ist entgegenzuwirken. Hierzu gehört auch die Förderung von Existenzgründungen.

In der Marktwirtschaft sind Insolvenzen ein natürlicher Sachverhalt. Es ist durch ein entsprechendes Insolvenzrecht sicherzustellen, dass auch Großbanken in der Insolvenzverwaltung ihren systemnotwendigen Verpflichtungen nachkommen können.

Aufgrund der demografischen Situation ist eine längere Lebensarbeitszeit nicht zu vermeiden. Es sind deshalb Anstrengungen zu unternehmen, um Arbeitnehmer länger in der Erwerbstätigkeit zu halten. Ein späterer Renteneintritt bei einem gleichzeitigen Verdrängen der älteren Arbeitnehmer durch ihre Arbeitgeber ist nicht länger hinzunehmen.

Die Humanisten sind im Grundsatz gegen staatliche Beteiligungen an Großunternehmen. Aber im Gegensatz zur FDP ist dies kein unerschütterliches Dogma. Ein staatliches Engagement an einem Unternehmen kann im Sinne der Marktwirtschaft sein, wenn dieses Unternehmen nach einer Übernahme mit dem übernehmenden Unternehmen zu einem Monopol wird. Die Verhinderung von Monopolstrukturen ist im Interesse des marktwirtschaftlichen Systems wichtiger als die Herkunft des Eigenkapitals. Solange staatliche Unternehmen sich in Wettbewerbsmärkte einordnen und die Preisbildung auf den Märkten nicht durch staatliche Subventionen gestört ist, sind sie in der Wettbewerbsordnung erträglich. 

Das Patentrecht ist zu reformieren. Es war Absicht, mit Patentrecht die technische Entwicklung zu fördern und den Erfinder zu schützen. Die Geschichte hat gezeigt, dass das Patentrecht eine starke Tendenz zur Monopolbildung und zur Konzentration ausgelöst hat. Patentinhaber sollten verpflichtet sein, die Benutzung einer Erfindung gegen eine angemessene Lizenzgebühr jedem ernsthaften Interessenten zu gestatten. In Bezug auf lebenswichtige Medikamente in ärmeren Ländern hat sich eine internationale Debatte über den Patentschutz entwickelt. So kämpft die „Treatment Action Campaign“ (TAC) in Südafrika für mehr Wettbewerb auf dem Pharmamarkt. Sie fordert, dass die Märkte durch die Abschaffung des Patentschutzes für Anti-Aids-Medikamente für kleinere Pharmahersteller geöffnet werden. Tausende von Menschen sind in den letzten Jahren an Krankheiten wie Aids oder Malaria gestorben, weil die Oligopolgewinne die lebenswichtigen Medikamente unbezahlbar gemacht haben. Die Versorgung der Kranken würde besser aussehen, wenn auf dem Pharmamarkt ein echter Wettbewerb herrschen würde.

Tausende von unabhängigen Saatgutunternehmen sind in den letzten Jahrzehnten verschwunden. Millionen von Landwirten wird das Recht genommen, ihr eigenes Saatgut weiter zu vermehren und damit Vielfalt zu sichern. Immer weniger Oligopole entscheiden über Ernährungsgrundlagen, von denen die Menschheit abhängt. Es ist zu prüfen, ob hier eine Reform des Sortenschutzrechtes Abhilfe schaffen könnte.

 

Weitere Arbeiten zum Thema zum Thema der geplanten Partei "Die Humanisten" siehe hier.

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Spinner-TV

wachtturm-judeÄgyptischer Kleriker über jüdische Verschwörung.

Da ein gewisses Missverhältnis zu bestehen scheint zwischen der öffentlichen Wahrnehmung der islamischen Welt im Westen und der islamischen Welt  – erscheint es angemessen, regelmäßig einen Blick in den Orient zu werfen, damit wir etwas über fremde Kulturen lernen. In dieser Reihe gibt‘s darum Videos aus dem Fernsehen islamischer Länder zu sehen. Glauben Sie den Islamkritikern kein Wort – schauen Sie sich‘s einfach selbst an!

http://www.youtube.com/watch?v=4nCjF2Ww7g4&feature=player_embedded

Heute: Ein ägyptischer Kleriker namens Sayyed Azab erzählt, wer für die französische Revolution verantwortlich ist (Tipp: Sie feiern das Laubhüttenfest), wer die kommunistische Revolution in Russland einfädelte (könnten es die Juden gewesen sein?) und wer den Atheismus verbreiten will (jüdische… Atheisten). Die Juden in Ghettos zu sperren sei ferner Selbstverteidigung gewesen, weil “die Menschen so viel von dem Bösen der Juden erleiden mussten”.

Außerdem beschwert sich der Kleriker, dass Juden einen sofort als Antisemiten brandmarken würden, sobald man sie “kritisiert”. Das Problem kennen Israelkritiker zur Genüge.

Diese französischen Juden-Atheisten warten nur darauf, den harmlosen, braven Bürger Sayyed Azab des Antisemitismus zu bezichtigen – ausgerechnet ihn, der nichts weiter sagt, als dass die Juden Böses in die Welt tragen und Revolutionen auslösen würden, um die Menschheit zu unterjochen. Ausgerechnet ihn!

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Offenbar muss man derartige Behauptungen in Ägypten nicht weiter begründen.

Quelle:

MEMRI TV

Egyptian Cleric Sayyed Azab: The Jews Staged the French and Communist Revolutions to Corrupt the World
Al-Omma TV (Egypt) – April 18, 2013

http://www.feuerbringer-magazin.de/2013/04/25/spinner-tv-agyptischer-kleriker-uber-judische-verschworung/

Das Titelbild stammt aus der von den Zeugen Jehovas herausgegebenen Zeitschrift "Der Wachtturm".

Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

 

Weitere Arbeiten desselben Autors siehe hier.

 




Der „Marxismus“ der Catholica

Nun hat der Münchner Kardinal mit dem anspruchsvollen Namen noch einen Übungsplatz für die Feuerwerke seiner Worthülsen: er ist jetzt auch Präsident der EU-Bischofskommission ComECE. Wie oft schon, schwingt der deutsche Kardinal auch hier die Keule der sog. katholischen Soziallehre zur Heilung der aktuellen Wirtschaftskrise in Europa. Diese ist nämlich nach Meinung des grossen Kardinals mit dem kleinen roten Käppchen nicht nur wirtschaftlicher und sozialer, sondern auch moralischer Natur.

Die Europäer müssen ihren Lebensstil überdenken, so der Kardinal jetzt vor der ComECE, in der sich Vertreter der Bischofskonferenzen aller 27 EU-Mitgliedstaaten als Lobby zusammengetan haben.  

Denn für den Grossmeister des „schwarzen Marxismus" muss die Krise in der EU "auch als christliches Projekt" gesehen werden.

Und was hilft da besser als die katholische Soziallehre. Diese basiert in ihrer heutigen Ausprägung im Wesentlichen auf einer Epistel (rerum novarum) von 1891, die der seinerzeitige und unfehlbare Papst an seine erwürdigen Brüder, Primaten etc. verschickt hatte, also deutlich nach den auch heute noch besser bekannten Thesen des „roten" Marx. In dieser für seine Primaten geschriebenen Belehrung hatte der mächtigste Mann nach Jesus auf Erden ausser salbungsvollen Bibelsprüchen nicht viel zu bieten. Dabei werden die sarkastischen Sprüche eines Paulus ex Tarsus und des grossen Augustin tunlichst nicht zitiert. Nach diesen beiden Protagonisten des katholischen Sozialverständnisses sollen nämlich nur die essen, die auch arbeitet, und Sklaventum wird ausdrücklich als von Gott gewollt befürwortet.

Aber weder zur wirtschaftlichen, noch zur sozialen und schon gar nicht zur moralischen Natur der Krise ein Wort. Nur die worthülsige Behauptung, dass viele christlich geprägten Vorstellungen auch für Nicht-Christen akzeptabel seien. So kann wohl nur fabulieren, wer allen Ernstes postuliert, die Wurzeln der Aufklärung seien christlich, oder wer für ein gelingendes Europa das Zweite Vatikanische Konzil als Vorbild empfiehlt, eben der Grossmeister des „Marxismus" der Catholica.

Dabei wird der vorsitzende Primat Marx den ihn umgebenden Primaten erklären müssen, was z.B. an seinem „Dritte Weg" im Arbeitsrecht sozial sein soll, oder was die deutsche Catholica mit all ihrem Reichtum für die Armen tut, während ihre Caritas fast vollständig aus öffentlichen Steuermitteln finanziert wird, für die sie nicht einmal Rechenschaft ablegen muss. Und dabei steht er allein auf einer Insel der Glückseligen inmitten einer Vielfalt von laizistischen oder weitgehend so geprägten Staaten.

Auch ein Blick in die päpstliche Epistel von 1891 hilft dem „schwarzen" Marx nicht weiter. Dort wird nämlich der sozialistische Lösungsversuch als ungerecht, weil gegen das Naturrecht des Privateigentums gerichtet, pauschal verurteilt und der arbeitende Mensch auf das Jenseits vertröstet, wenn es hienieden nicht klappen sollte.

Mit Weihrauch und ebensolchem Wasser werden soziale und wirtschaftliche Probleme nirgendwo gelöst. So wird ein womöglich honoriges Gremium eher zu einer Plattform der Plattitüden herabgestuft.

Übrigens, die Bezeichnung „Primaten" (Herrentiere) für seine Brüder im Herrn stammt vom Begründer der katholischen Soziallehre selbst. Doch kein Affentheater. Nur Zeitgeist.

 

Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

 

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Vom Islamisten zum Atheisten II

Ahmad O. ist Psychologe in Alexandria, er unterstützt aktiv den politischen Widerstand in Ägypten und berät Aussteiger aus der Islamistenszene.

Im Folgenden Teil 2 des Interviews

Präsident Mursi wirkt wie eine Marionette. Wer sind die wirklich mächtigen Männer in der Muslimbruderschaft? Wieviel Einfluss hat das Militär?

Die wahre Macht bei den Muslimbrüdern haben die Manager des Parteibüros, darüber besteht kein Zweifel. Der mächtigste von ihnen, der Multimillionär Khairat El-Shater, gilt als Hauptfinancier und Chefstratege. Mursi wird von vielen „El-Shaters Reservereifen„ genannt, Mursi ist nur deren Werkzeug, denn er ist inmitten der Moslembrüder aufgewachsen und hat es verinnerlicht, gehorsam und unterwürfig zu sein. Seine einzige Mission ist es, alle Ziele der MB durchzusetzen und ihre Gier nach Macht zu befriedigen. Auch in den ägyptischen Medien reden und versprechen die Führer der MB mehr als Mursi, man muss nur in die Medien sehen um zu entdecken, wer die wahren Führer sind.

Ich glaube nicht, dass das Militär noch Einfluss auf das politische Leben in Ägypten hat. Alles, was die Militärs interessiert, sind finanzielle Vorteile und die haben sie durch den Deal mit Mursi schon bekommen, abgesichert durch die "islamistische" Verfassung. Natürlich gibt es immer noch Theorien, die besagen, dass die SCAF (Supreme Council of the Armed Forces), also der oberste Rat der Streitkräfte, nur auf den richtigen Moment wartet, um zu putschen und wieder an die Macht zu kommen, ich denke das aber nicht, mittlerweile kann ich sogar sagen, dass ich auch nicht denke, dass das Militär jemals die Intention hatte, an der Macht zu sein, es war nur ein Spiel mit der MB, das ist alles, sie haben ihre Schäfchen jetzt im Trockenen.

Der IWF will Ägypten mit einigen Mrd. Dollar unterstützen. Alle bisherigen Finanzspritzen sind ja durch Korruption in den Taschen weniger gelandet (das zumindest unterscheidet sich nur unerheblich von Europa, Anm. der Interviewerin). Hinterfragen die Ägypter diese Finanzhilfen kritisch?

Es gibt keine Möglichkeit, diese Gelder so zu steuern, dass sie der ägyptischen Bevölkerung zugute kommen. Auch deshalb sind viele Menschen hier gegen diese internationale Hilfen, denn Sie wissen sehr wohl, dass das nur weitere Ketten an ihren Beinen bedeutet. Damit ist der Preisanstieg gemeint, der bald kommen wird, solche Finanzhilfen verschieben ihn nur auf einen wahltaktisch geeigneteren Moment. Die Geldgeber haben natürlich Bedingungen, die für die Bevölkerung eine zusätzliche Belastung wären und die das Leben nur weiter erschweren würden, daher sind viele Parteien und Bewegungen gegen diese Hilfen, von denen das Volk außer weiterem Leid nichts hätte!

Wer zahlt, schafft an“ gilt aber auch für die Golfstaaten, deren Einfluss seit den 90er Jahren schon anhand der jährlich steigenden Zahl von verschleierten Frauen auf den Straßen sehr deutlich zu erkennen ist, immer mehr saudische Männer reisen nach Ägypten, um mit jungen Frauen Orfi Ehen einzugehen (Anm: Orfi Ehen sind die sunnitische Form der Zeitehe,also eine Möglichkeit, das Verbot des außerehelichen Geschlechtsverkehrs zu umgehen) usw. Gibt es dafür auch eine kritische Öffentlichkeit?

Ich denke, diese Ölstaaten haben niemals aufgehört, in Ägypten mit zu regieren, nicht erst seit den 90ern. Es hat schon damit begonnen, dass viele Mitglieder und Sympathisanten der MB und anderer Islamisten in diesen Ländern Arbeit gefunden haben und nach ihrer Rückkehr auch die Kultur der Arbeitgeberländer mitgebracht haben und das hat den islamistischen Einfluss noch verstärkt. Natürlich hat das Geld aus den Ölstaaten viele Auswirkungen und so erleben wir jetzt, dass diese Länder versuchen, die ägyptische Wirtschaft zu dominieren durch Projekte, die in der Politik darauf Einfluss nehmen, dass sowohl der Machterhalt der MB als auch die Loyalität der Salafisten gesichert ist, das soll heißen, die Golfstaaten regieren immer mit!

Was die Orfi Heirat mit Ägypterinnen betrifft: das stimmt leider, es wird allerdings hauptsächlich praktiziert, um billig an minderjährige Mädchen zu kommen, was die Sache in meinen Augen noch widerlicher macht.

Die Gesellschaft hat erst begonnen, sich über all das Sorgen zu machen, als die Moslembrüder an die Macht kamen, es braucht aber noch viel Aufklärungsarbeit aller Aktivisten, um die Menschen vor dieser Gefahr zu warnen. Die politischen Parteien müssten sich dieses Themas auch verstärkt annehmen, denn es geht dabei besonders darum, dass Freiheit und Menschenrechte aus dieser Einflussnahme nicht erwachsen werden können. Ich hoffe, dass die neuen säkularen Kräfte in Ägypten das stoppen können und ich bin sicher, dass wir es schaffen werden, Fundamentalismus und Wüstenkultur früher oder später in die historische Bedeutungslosigkeit zurück zu werfen!'

Es ist so evident, dass das Land sehr viele Investitionen bräuchte von der Infrastruktur über Bildung bis hin zum Gesundheitswesen. Glauben die Menschen wirklich, dass man alles nur mit der Sharia erreichen kann?

Vor der Machtübernahme durch die MB glaubten das in der Tat sehr viele und auch, dass die Sharia alle ihre Problem lösen würde. Das ist ja auch der Slogan der MB: „Islam ist die Lösung", und das propagieren sie nach wie vor. Sie haben immer von der mangelnden Bildung der Leute profitiert in den armen Gegenden des Landes, die nicht nur unter schlechter Bildung und Hunger leiden, sondern auch unter Überbevölkerung, die ja auf mangelnde Bildung zurückzuführen ist. Und dabei wurde und wird diesen Menschen auch noch eingeredet: Du bist ein Opfer, also handle auch so, nimm meine Almosen und ansonsten schweige! Das war schon unter Mubarak so, aber die Moslembrüder haben es perfektioniert und mit ihren Essenslieferungen an die Armen auch ihr falsches Bild über den „Allesproblemlöser“ Sharia mit transportiert.

Aber nachdem Morsi und seine Parteifreunde jetzt an der Macht sind sehen die Menschen nun die Fakten und sie beginnen zu erkennen, dass die Sharia kein einziges ihrer Probleme löst – Gesundheitswesen? Bildung? Sicherheit? – da haben die Islamisten überhaupt nichts getan und nun wissen gar nicht so wenige, dass sie an der Nase herumgeführt wurden von Worthülsen und Slogans, die mit unseren wirklichen Problemen überhaupt nichts zu tun haben.

Deshalb denke ich, dass die Popularität der Islamisten im Moment sehr stark nachgelassen hat und deshalb sagen wir den Menschen immer und immer wieder: Wacht auf, die Sharia ist und war eine Utopie!

Haben die ägyptischen Arbeiter eine starke Stimme und wie schwer ist es, Gewerkschaften zu gründen? Wie sieht die Linke generell das Erstarken der Islamisten?

Die ägyptischen Arbeiter haben eine starke Stimme, zumal die Revolution von den Arbeitervororten ausgegangen ist. Sie sind stark, aber nicht gut organisiert, was sich hoffentlich ändern wird.

Die Bildung von Gewerkschaften war schon immer schwer bis unmöglich, mit der neuen Verfassung dürfen solche Vereinigungen nur von der Regierung gebildet werden, weil sie denken, dass sie damit die Arbeiterbewegung kontrollieren können, was aber zeigt, dass sie vor dem Druck der Straße sehr wohl Angst haben!

Seit die Islamisten an der Macht sind, ist auch ein verstärkter Zulauf zu den Linken zu bemerken und diese sind jetzt auch viel aktiver als vorher. Es gibt jetzt viele sozialistische und kommunistische Bewegungen, die gegen das System und gegen einen Gottesstaat kämpfen, so dass ich befürchte, dass bald wieder Blut von linken Aktivisten und Anführern fließen wird.

Sehen Sie im Ansteigen der Lebensmittelpreise, den fast täglich teurer werden Grundnahrungsmitteln wie Brot und Reis, der immer größer werden sozialen Kluft die Gefahr einer sozialen Revolte bis hin zum Bürgerkrieg?

Nun, ich denke, dass die hohe Inflation sicher zu einer vermehrten Unzufriedenheit mit Mursi führen wird und dass das die Revolution gegen das System noch mehr anheizen wird, aber das wäre sicher nicht der einzige Grund.
Unsere Revolution sollte nicht nur Reaktion auf etwas sein, sondern die Ideen dahinter sollten der Motor sein, Prinzipien ausgesprochen von Menschen müssen die Triebfeder sein ,so können wir zu Recht sagen, es gibt eine Revolution, nicht nur eine Reaktion auf Alltagsprobleme, nur so können wir eine nachhaltige Änderung der ägyptischen Gesellschaft erreichen, einen nachhaltigen Paradigmenwechsel, der uns endlich würdevoll leben lässt!

© Edith Bettinger / freidenker.at

Original: http://www.freidenker.at/index.php/blog/2252-vom-islamisten-zum-atheisten-teil-2.html

 

 

Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

 

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Denk-Schrift III: Deutsche Politiker

Ausreden und Entschuldigungen:

Natürlich wird dieser knappen Darstellung der feindlichen Haltung der christlichen Kirche zur überlieferten Kultur als erstes Einseitigkeit vorgeworfen. Auch die Killerphrase "Rundumschlag“ ist beliebt. Das ist die übliche Antwort, wenn man sich einer näheren Beschäftigung mit den aufgeworfenen Fragen entziehen möchte. Nun, Einseitigkeit kann der Analyse nur dann vorgeworfen werden, wenn man den Untaten eine vergleichbare Liste guter Taten entgegen stellen könnte, die den angerichteten Schäden qualitativ und quantitativ entspräche. Aber wie sollte das gelingen? Wie sollte fast zweitausend Jahre Verfolgung Andersdenkender kompensiert werden? Wie sollte die Vernichtung ganzer Kulturen vom antiken Rom bis zum enthaupteten Aztekenkult gegen die Suppenküchen der Caritas und Diakonie aufgewogen werden? Wie sollten tausend Jahre physische und verbale Gewalt, Kreuzzüge, Inquisition, Hexenverbrennung und Indices verbotener Bücher gegen irgend etwas verrechnet werden? Es gibt Vergleiche, die verbieten sich, weil alle  Vergleichsmaßstäbe gesprengt, alle Zeitdimensionen unvorstellbar werden. 1700 Jahre staatlich verordneter, kirchlich geforderter Glaubenstotalitarismus ist ein solcher Vergleich.

1700 Jahre! Wissen wir eigentlich noch, wovon wir sprechen? Dennoch werden bis heute die massenhaft betriebenen Verstöße gegen die Menschlichkeit mit überheblicher Geste fortgewischt, letztlich, im Jahre 2011, durch den katholichen Kirchenhistoriker Klueting: „Man komme mir nicht mit Religionskriegen, Schwertmission, Judenmassaker, Ketzerverfolgung oder Hexenverbrennung. Das alles ist mir als Historiker bestens vertraut. Aber das sind antichristliche Verunstaltungen des Christlichen". So einfach entledigt sich ein Theologe, Professor dazu, der Vergangenheit: Eine im Wesen „reine“ Kirche muß bedauerlicherweise eine Unmenge antichristlicher Elemente in ihren Reihen beherbergen. Dann wäre noch als Entschuldigung das „finstere Mittelalter“ zu erwähnen, das der mildtätigen Kirche seinen grausamen Stempel aufgedrückt habe. Aber das Mittelalter ist nicht „finster“ geworden, weil die Menschen die Düsternis lieben, sondern weil eine übermächtige Kirche die Jahrhunderte mit finsteren Kirchenedikten überflutet und alle Werte neu definiert. Es sind Jahrhunderte, in denen die Frage „Was sagt Gott dazu?“ die einzige Frage aller Stände wird. In denen die Pracht, die Größe und die Überzahl der Kirchen den bescheidenen Hütten der Menschen das Sonnenlicht rauben wird. In denen in kollektiver, sonntäglich vertiefter Furcht vor Gottes Strafen gelebt und wie kaum eine andere Zeit das Grausame, Vulgäre und Rohe gepflegt wird. In denen unvorstellbare Obszönitäten, das Vierteilen, Blenden, Hände-, Brüste- und Hodenabhacken, das Zunge-, Lider- und Fingernägelausreissen, das Zerpflügen eingegrabener Menschen empfohlen werden. In denen Priester dumpfe Seelenqualen schüren, verstörte Geister in der Magie Halt suchen und kosmische Zeichen, Vorhersagen vom "Jüngsten Gericht", apokalyptische Verzerrungen und Visionen grotesker Tiere die Menschen verängstigen.

Da gibt es nichts „aus der Zeit heraus“ zu entschuldigen. Das „finstere“ Mittelalter ist kein Schicksal und die Verbrechen sind keine bedauerlichen „Verfehlungen“ einer ansonsten geheiligten Kirche. Ebenso wenig wie die bis in die 90er Jahre des 20. Jahrhunderts erfolgte Entwürdigung junger Frauen in den Wäschereien katholisch-irischer Magdalenenstiften [3] oder der tausendfache Mißbrauch junger Knaben in den Händen zölibatärer Priester. Das „finstere Mittelalter“ ist kein unabwendbares Ereignis gewesen, sondern zwangsläufige Folge einer unmenschlichen Kirchenlehre.

Epilog: „Das Christentum hat unsere Kultur geprägt“

Das Christentum hat unsere Kultur geprägt, das ist wahr, wenngleich seine kulturelle und menschliche Gesamtbilanz verheerend ausfällt und die neue Weltsicht keinen Vergleich mit der bekämpften antiken, arabischen oder maurisch-spanischen Kultur aushalten kann.

Diesen „Sieg“ des erstickenden Dogmas über freie, intellektuelle Hochspannung, diesen Triumph der unheiligen Allianz aus Kreuz und Schwert über eine beispiellose Hochkultur, deren gigantischer geistiger Fundus noch heute Philosophie, Kunst, Wissenschaft, Architektur und Poesie beflügelt, diesen Pyrrhus-Sieg der Staatskirche mit nachfolgender Analphabetisierung eines halben Kontinentes und wirtschaftlicher Verödung Europas als Ausgangspunkt einer neuen, angeblich der Antike überlegenen christlich-abendländischen Kultur feiern zu wollen, gar in Verkennung der philosophischer Werke und Ideen antiker Denker und unter Verleugnung unangenehmer biblisch-testamentarischer Texte und der historischen Tatsachen „die ursprünglichen Besitzverhältnisse“ der Kirche (H. Bielefeldt, 2011) über Würde und Menschenrechte glauben anmahnen zu müssen, kommt einer Satire auf unsere geschichtliche Kenntnis gleich und offenbart einen beschämenden Mangel an Bildung der classe politique.

Die Wahrheit ist, dass die katholische Kirchenführung mit den Menschenrechten wenig anzufangen weiß. Menschenrechte stellen sich aus kirchlicher Sicht vor allem als eine Kombination protestantischer und revolutionärer Auffassungen dar. So verwarf Leo XIII. im Jahre 1888 in der Enzyklika Libertas praestantissimum donum die Idee der Menschenrechte mit den Worten: „Die uneingeschränkte Freiheit des Denkens und die öffentliche Bekanntmachung der Gedanken eines Menschen gehören nicht zu den Rechten der Bürger“, es sei völlig ungerechtfertigt, die unbegrenzte Freiheit des Denkens, der Rede, des Schreibens oder des Gottesdienstes zu fordern.

Rund 120 Jahre später behauptet Papst Benedikt XVI. anläßlich seines Deutschlandbesuches im September 2011 in einer nebulösen, erkenntnistheoretisch wie rechtsphilosopisch [4] angreifbaren, sprachlich verschwurbelten Rede vor dem Deutschen Bundestag, die Idee der Menschenwürde und -rechte sei von der Überzeugung eines Schöpfergottes, von der „Gottesebenbildlichkeit“, abzuleiten und ordnet damit die auch von Buddhisten und Muslimen getragene UN-Menschenrechtserklärung auf die katholische Linie ein. Dieser christlich-kirchliche Gottesbezug der Menschenrechte, weder durch empirische oder wissenschaftliche Erkenntnisse nachweisbar, noch durch politische oder logische Argumente belegbar, eine Behauptung also aus dem luftleeren Raum, animierte die Konrad-Adenauer-Stiftung zum öffentlichen Nachdenken unter Leitung des CDU-Politikers Bernhard Vogel: Der Gottesbezug trage „dazu bei, dass der Mensch unreduziert wahrgenommen“ werde. Andere Menschenbilder seien „defizitär“, die „mit Sicherheit auch defizitäre ethische und politische Entscheidungen nach sich“ zögen („Menschenwürde“, 2006).

Dieser von der Bundesregierung finanzierte, zopfige Text gegen den Weltbürger, der alle bisherigen feindlichen Menschenbilder der Kirche, insbesondere die antijüdischen, antihäretischen, antireformatorischen und antimodernistischen, schlicht negiert, wurde als Handreichung für den Bundestag von einer Handvoll deutscher Theologen ausgetüftelt, die „Menschenwürde“ unter sich auszumachen versuchten. Philosophen und Kulturwissenschaftler waren unerwünscht.

Nur am Rande sei noch erwähnt, dass die ominöse Gottesebenbildlichkeits-Debatte durch die Evolutionsforschung (Darwin) als hoffnungslos antiquiert ausgewiesen ist. Denn falls die Gottesebenbildlichkeit zuträfe, hätte sich Gottes Wesen mit dem Wandel des Menschen vom lustarmen Einzeller zum erotisch-raffinierten homo sapiens ständig verändert, hätte Gott vor 100.000 Jahren körperlich wie wesenshaft dem homo erectus geglichen. Da Gott aber ewig ist, kann eine solche Veränderung ausgeschlossen werden. Im übrigen handelt es sich um eine auch theologisch unsinnige Gespensterdebatte. Denn sie unterstellt, dass Gott erkennbar ist (Spiegelbild des Menschen), was seine Göttlichkeit erneut grundsätzlich in Frage stellt. Die Ebenbildlichkeits-Debatte ist also Phraseologie in Reinstform, die wichtige Zukunftsthemen wie Praeimplantationsdiagnostik und Gen-Technologie zum Schaden der Menschen mit irrationalen Luftargumenten belastet und lediglich geeignet ist, eine ernsthafte, tiefer gehende Werte- und Würdediskussion zu umgehen und diese stattdessen in kirchlich-archaische Denkweisen einzumauern.

Gleichermaßen geheimnisvoll bleibt, was Papst Benedikt XVI. überhaupt unter „Menschenrechten“ versteht. Um die Freiheit des Denkens oder um Bürgerrechte jedenfalls kann es sich kaum handeln, da Libertas praestantissimum donum diese ausdrücklich ablehnt. Und dass die katholische Kirche Frauen den Zugang zu allen mit der Weihe verbundenen Ämtern und Funktionen verweigert und damit gegen das europäische Diskriminierungsverbot verstößt, ist ebenfalls bekannt.

Was Europa im innersten zusammenhält

Die gebetsmühlenartig wiederholte Behauptung, die christliche Idee von der Gottebenbildlichkeit des Menschen habe die Menschenrechte begründet und es sei ein Verdienst des Christentums, die Formel von der Menschenwürde gefördert zu haben, ist also nachweisbar falsch. Und angesichts dessen, was die Kirche in diesem Namen getrieben hat, bemerkenswert dreist. In Wahrheit ist die Redensart von einer durch die christliche Lehre generierten „Menschenwürde“ voll bitterer Ironie. Denn was die Lehre von der Erbsünde anthropologisch bedeutet, liegt auf der Hand: Sie ist menschenverachtend. Der Mensch ist verderbt, ein Wurm und Opfer seiner Sinne. Gott macht mit ihm, was er will. Der Mensch solle zu Staube kriechen und sich blind in sein jenseitiges Schicksal ergeben. Selbst der Gottessohn wird entwürdigt. Gegeißelt und mit Dornen gekrönt wird er seit Jahrhunderten den Menschen zur Schau gestellt. Keine Mutter würde nach dem Tode ihres Sohnes derart Schauerliches und Pietätloses zulassen.

Was Europa im innersten zusammenhält, was Europa ausmacht, ist also nicht der billige Rekurs auf die Bergpredigt, ist nicht ein angeblich „liebender Gott“, der die Menschen nach Belieben tötet und foltert. Was Europa zusammenhält, ihm ein unverwechselbares Gesicht gibt, ist das griechisch-römische Erbe, die mühevoll gegen die Staatskirche errungenen Bürgerrechte, die der klerikalen und weltlichen Willkür ein Ende setzen, die Freiheit des Denkens, die Gleichberechtigung und all das, was im Grundgesetz, in den Artikeln 2-18 steht. Europas Basis ist nicht die Bibel, sondern die Petition of Rights (1628), die Habeas-Corpus-Akte (1679), die Bill of Rights (1689) und die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte (1789). Diese Texte ergänzen die philosophischen Schriften von David Hume bis Kant, die als Texte der Befreiung zu verstehen sind. „Liberté, Égalité, Fraternité“, das ist es, was Europa ausmacht. Die monotheistische Theologie dagegen hebt die Freiheit auf. Sie lebt vom Zwang „Du sollst“ und von der Züchtigungsrute im Falle des Ungehorsams.

Es geht nicht um Gott

Zu guter Schluß und um nicht mißverstanden zu werden: Es geht nicht um Religion oder Glauben, sondern um einen hierarchischbürokratischen Komplex namens Amtskirche mit Bischöfen, die wie Fürsten behandelt und wie Generale besoldet werden. Es geht um Priester, die in heilloser Überforderung eine verquere gottferne Dogmatik an erste Stelle setzen, Gott die Unendlichkeit rauben, mit jedem neuen Attribut die Authentizitätsprobleme steigern und die chronischen Inkompatibilitäten ins Uferlose vermehren. Es geht um eine Kirche, die ihre 1700-jährige, unerbittlich grausame Geschichte als Staatskirche hintertreibt und stattdessen von der „Religion der Liebe“ schwadroniert. Die in völliger Verkehrung der Lehre und ihrer eigenen Historizität einen „liebenden Gott“ als Kronzeugen anführt, der die Erde verwüstet, die Menschheit vernichtet, brutale Fressketten einrichtet, die abscheulichsten Strafen androht und Auschwitz und Hiroshima zuläßt. Die, kurz gesagt, Gott zur Marionette eines unsäglichen Religionsschauspieles macht.

Und: Es geht um einen Staat, der dies alles nach Kräften fördert, gar in Verfassungen zur Furcht vor dieser Religion auffordert und Juden, Muslime und Nicht-Konfessionelle zwingt, mit ihren Steuern die satten Gehälter christlich-kirchlicher Würdenträger zu bezahlen. Es geht um eine Gesellschaft, in der der Bürger sich dagegen verwahrt, bei der Gestaltung des Politischen von nicht gewählten Meistern der Wahrheit bevormundet zu werden, die nach Wahrheitsregeln, die schon vor 2000 Jahren nicht mehr auf der Höhe der Zeit waren, an Problemen wie Praeimplantationsdiagnostik und Kernenergieausstieg herumdoktern. Es geht um selbsternannte Werte-Gurus, die weder die erforderliche Expertise in existenziellen Sachfragen nachweisen können, noch demokratisch legitimiert sind, die wenig mehr als Schlagworte zum Begriff „Ethik“ beisteuern und dennoch unangemessenen Einfluß auf die Gestaltung gesellschaftlicher Prozesse besitzen. Das hat es in Deutschland noch nicht gegeben: Bischöfe befinden darüber, ob Kernenergie und erhöhter CO2-Ausstoß aus konventionellen Kraftwerken gesellschaftlich vertretbar sind. Ihre Entscheidungsgrundlage ist ein Buch aus der Zeit der babylonischen Gefangenschaft der Juden.

Es geht auch um Würde

Und es geht auch um Würde. Als Republikaner schämt man sich, dass die Bundeskanzlerin als Gastgeberin an den Berliner Sitz der Deutschen Bischofskonferenz eilt, um dort vom Gast, einem umstrittenen Kirchenführer, empfangen zu werden. Betreten schaut man zu, dass Bundesverfassungsrichter, zu strikter religionspolitischer Neutralität verpflichtet, in ein Freiburger Priesterseminar pilgern, um einem Religionsführer ihre Aufwartung zu machen. Das soll uns mal einer nachmachen! Bundeskanzlerin, Bundestagspräsidium und oberstes Verfassungsgericht werfen sich im eigenen Land dem Repräsentanten einer Organisation zu Füßen, die im Laufe ihrer 2000jährigen Geschichte mehr Phantasie aufgewendet hat, Andersdenkende mit Streckbänken und Daumenschrauben zum Gehorsam zu zwingen, als jede andere Diktatur. Ungläubig beobachtet man, dass die Mehrheit der Volksvertreter einem Bundestagspräsidenten folgt, der auf Kosten der katholischbischöflichen Cusanus-Gesellschaft studiert und kürzlich eine Vater-Unser-Interpretation publiziert hat, der vom Papst in Privataudienz empfangen worden ist und im Gegenzug die Volksvertretung für die eigene religiöse Überzeugung strapaziert, indem er initiativ den Papst zu einer Rede vor dem Parlament, der Volkskammer aller Deutschen, einlädt. Nicht als Staatsmann hat Benedikt gesprochen, wie beschönigend behauptet wurde, sondern als Kirchenführer. Denn diesen Zahn zog der Papst den Politikern bei seiner Antrittsrede höchstpersönlich: Er sei als Papst und nicht als Staatenlenker gekommen.

Diese provokante Einladung Norbert Lammerts (samt der Fraktionsführer), die die Verfilzung von Staat und Kirche, von Politik und Religion öffentlich dokumentierte, die zum Auszug von einhundert Parlamentariern führte, deren vakanten Sitze horribile dictu mit Claqueuren gefüllt wurden, die Zehntausende auf die Berliner Straßen trieb, dieses instinktlose Unterfangen, das die 2000-jährige offene Feindschaft der Päpste gegen die Juden tatsächlich ebenso entschuldete wie die erbitterte Verfolgung von Häretikern und Ketzern durch die katholische Kirche, dieser staatskirchenpolitische Winkelzug, überflüssig wie ein Kropf, der dem innenpolitischen Frieden dauerhaft geschadet, die Diskussion um die Trennung von Staat und Kirche erst richtig angeheizt, alte Gräben vertieft und neue aufgerissen hat, ist ein böser Schlag ins Gesicht all derer gewesen, die meinen, Staatsreligionen hätten schon genug Unheil angerichtet, nun sei es genug mit heiligen Kriegen und Bush-Kreuzzügen, mit Salafisten, Pius-Brüdern und Scientologen, mit Bekehrten und Offenbarten, mit Verfluchen und Verstoßen, mit tönernen Friedensbekundungen und realer Unfriedensstiftung.

Also, wehret den Anfängen. Zum Beispiel bei der Frage, ob noch mehr Religionsunterricht an die ohnehin schon polyethnisch und multireligös überfrachteten öffentlichen Schulen gebracht werden soll. Diesmal geht es darum, dass Politiker die Schulen für islamischen Religionsunterricht öffnen wollen. Vorgeblich um fundamentalistische Auswüchse zu begrenzen. Als wäre es jemals möglich gewesen, Religionsradikalinskis durch freiwilligen, wöchentlichen Unterricht an staatlichen Einrichtungen zu bändigen. Mit solchen Maßnahmen erfährt lediglich der Zwist zwischen Konfessionsfreien, Protestanten, Katholiken, Freikirchlern und Muslimen eine neue Dimension. Statt Religion konsequent in die private Sphäre zu verschieben („Sonntagsschulen“), statt sie von den Hochschulen zu verbannen, werden die öffentlichen Schulen verstärkt in das grausame Geschacher um Glaubenswahrheiten hineingezogen.

Dabei deuten alle Daten deuten darauf hin, dass das Großkirchen-Christentum in der modernen Welt sein tatsächliches Ende bereits hinter sich hat. Denn die Welt rückt zusammen und die Kirchen sind nicht zufällig leer. Sie leeren sich, weil die Priester die Fragen des 21. Jahrhunderts unter Heranziehung 2000 Jahre alter Folianten dechiffrieren wollen, weil sie Urknall, Evolution, Apparatemedizin und Ausschwitz theologisch nicht mehr beherrschen. Wer angesichts des anthropozentrischen Größenwahns, des ungebremsten, katastrophalen Bevölkerungswachstums und in Gegenwart perverser Tier- und Ressourcenausbeutung weiterhin von „gottgewollter Herrrschaft des Menschen über die Natur“, von „Krone der Schöpfung“ und „macht Euch die Erde untertan“ meditiert, wer im Zeitalter der Globalisierung der Weltanschauungen immer noch behauptet, die ewige Wahrheit zu vertreten, der sollte von der öffentlichen Bühne abtreten. Der sollte dem grenzüberschreitendem Humanismus den Vortritt lassen.

[3] Im Irland der 60er und 70er Jahre verschwinden junge Frauen, oft mit dem Segen ihrer Familien, hinter den Mauern der Magdalenenstifte, die gefallenen Mädchen Zucht und Ordnung beibringen sollen. Vgl. dazu den preisgekrönten Film „Die unbarmherzigen Schwestern“ von Peter Mullan, 2002.

[4] Vgl. „Hier irrte der Papst“, FAZ v. 03.11.2011.

Rolf Bergmeier, M.A.

Althistoriker und Philosoph; Forschung mit Schwerpunkt im Grenzbereich von Spätantike, frühes Mittelalter und Kirchengeschichte.

Veröffentlichungen seit 2010 (Monographien):

· Kaiser Konstantin und die wilden Jahre des Christentums. Die Legende vom ersten christlichen Kaiser, 2010.

· Schatten über Europa. Der Untergang der antiken Kultur, Dezember 2011

 

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Denk-Schrift II: Deutsche Politiker

Gottgegeben: Die katholische Kirche als Lehrmeister:

Natürlich wird in den Werken Augustins auch der Vorrang der katholischen Kirche begründet. Diese, so vertraut er uns an, vertritt als „Tempel Gottes“ den dreifachen Gott. Und zwar seit Anbeginn des Universums, wie wir aus dem von Papst Benedikt zu verantwortenden katholischen Katechismus des Jahres 1993 erfahren dürfen: Gott, so sagt uns der damalige Kardinal Ratzinger durch den Mund des Katechismus, Gott habe die heilige katholische Kirche „schon seit dem Ursprung der Welt vorausgestaltet“. Das ist stark! Katholische Kirche seit dem Ursprung der Welt! Diese „Vorausgestaltung“ ist nicht in tastender, unschlüssiger göttlicher Planung erfolgt, „mal schauen, was aus dem Andromeda-Nebel wird“, nein fix und fertig ist sie gewesen, die katholische Kirche, „vorausgestaltet“ eben, vor Milliarden Jahren, mit Papst Benedikt, Bischöfen und Frauen in dienenden Berufen.

Die Protestanten spielen im vorkosmischen Plan Gottes übrigens keine richtige Rolle. Sie können leider „nicht gerettet werden“, so der heutige Papst Benedikt in seiner Heilsbotschaft Dominus Jesus aus dem Jahre 2000, da sie „um die katholische Kirche wissen, in sie aber nicht eintreten“. Warum sich die Protestanten bei einer solchen Diffamierung nicht zu Worte melden, wenn Benedikt als bisher einziger Religionsführer zu einer Rede vor dem Bundestag eingeladen wird, warum sie sich wie provinzielle Bittsteller nach Erfurt zur Audienz beim Papst bemühen, um dort noch die Stiefel zu küssen, die sie Jahrhunderte lang getreten haben, bleibt einigermaßen schleierhaft. Es sei denn, sie würden, o sancta simplicitas, tatsächlich immer noch daran glauben, dass es eine Ökumene gibt, die nicht katholisch ist.

Damit Papst und Bischöfe bei diesem kräftezehrenden Bekehrungsritual nicht verunsichert werden, wird ihnen der Besitz der Wahrheit ausdrücklich bestätigt: Die Wahrheit würde ihnen in der Erleuchtung des Geistes durch Gott zuteil. Der göttliche Geist strahle diese Ideen und Regeln direkt in den menschlichen Geist ein. Natürlich nicht in jeden Menschen, also nicht in den Geist von Philosophen, Agnostikern, Atheisten, Kommunisten, Häretikern, Kritikastern und seit dem Jahre 1 leider auch nicht mehr in die Köpfe der Juden. Letztere tragen ohnehin ein unentschuldbares Übermaß an Schuld mit sich herum, so dass der „heilige“ Augustinus sie in seiner Kampfschrift „Gegen die Juden“ als Mörder, aufgerührter Schmutz, triefäugige Schar, Wahnsinnige, Wölfe zu denunzieren gezwungen ist. Und auch hier gilt, dass die Juden wahrhaftig Grund gehabt hätten, sich gegen die Papstrede zu verwahren.

„Religion der Liebe“ als Begründung des moralischen Führungsanspruchs

Mit dem Begriff der „Nächstenliebe“ läuft die theologische Wortdrescherei zu großer Form auf. Zwar hat man noch nie davon gehört, dass die steinreiche Kirche Grundstücke oder bischöfliche Barockresidenzen verkauft hat, um der vorweihnachtlichen Aufforderung, „den Armen zu spenden“ beispielhaftes Gewicht zu geben. Zwar wissen die Gewerkschaften zu berichten, dass Arbeitnehmer in den kirchlichen Großeinrichtungen Diakonie und Caritas in niedrige Lohngruppen abgedrängt und nahezu mit Hungerlöhnen abgespeist werden. Zwar werden Geschiedene ausgegrenzt, des Arbeitsplatzes beraubt und Homosexuelle gedemütigt. Auch pfeifen alle Spatzen die in der Menschheitsgeschichte einzigartigen Verbrechen bei der Verfolgung Andersdenkender von den Zinnen der Kathedralen, aber nichts, auch rein gar nichts hält die kirchliche Klientel, die beileibe nicht nur aus Pastören besteht, davon ab, das Christentum als „Religion der Liebe“ in Positur zu bringen.

Ausgangspunkt ist natürlich der „himmlische Vater“. Dieser liebe alle Menschen, behauptet die Kirche. Ein Unsinnsspruch, denn Gottes Zorn ist stadtbekannt. Er ist so schlecht auf die Menschen zu sprechen, dass er sie mehrfach aufs böseste bestraft: Erstens mit dem Tod und zweitens mit der Erbsünde. Kurz danach räumt der „liebe Gott“ in einer Sintflut alles Leben beiseite, auch das der Fische, die sich doch eigentlich in dem vielen Wasser pudelwohl fühlen müßten, weil er sich immer noch über die Sünder ärgert. Dann, nachdem sich das Leben auf Erden wieder erholt hat, verlangt er, dass sein eigener Sohn ans Kreuz genagelt wird, als „Sühne für die verdorbene Menschheit“. Aber von den angedrohten wüsten Höllenstrafen nimmt Gott dennoch keine einzige zurück. Trotz Kreuzigung. Stattdessen gestattet er "Stellvertretern" tausend Jahre lang die Menschen zu drangsalieren und greift trotz „Allmächtigkeit“ nicht mit Blitz und Donner ein, um Hiroshima oder Auschwitz zu verhindern. Zu guter Letzt schickt dieser Kirchengott seine ungehorsamen Kinder auf ewig in das Feuer der Hölle, wenn sie nicht die katholischen Bedingungen für das ,,Seelenheil" erfüllen.

Dieses rigide Strafszenario, vor 2000 Jahren von untergangsgläubigen Jenseitsbeseelten im pathologischen Deutungswahn entworfen und seither zum Nutzen und Frommen der Kirche angewendet, diese furchtbare Höllensage, meilenweit von den religiösen Vorstellungen der Antike entfernt, [1] führte dazu, dass die meisten christfrommen Menschen mehr als 1500 Jahre in einer pseudoheilsamen Angststarre verharrten, weil sie fürchteten, direkt in den Kochtöpfen des schwarzen Hinkefußes zu landen. Und noch heute diktiert Angst vor dem „richtenden“ Gott das kirchliche Gottesszenario. Dennoch haben Priester die Stirn und Gläubige die Biederkeit, vom „liebenden Gott“ zu sprechen.

Dieser Gott hat einen Sohn. 400 Jahre lang sind beide innerhalb der christlichen Gemeinden heftig umstritten. Der römische Kaiser Konstantin ist es schließlich, der auf dem Konzil von Nicäa (325) den jüdischen Alleingott zum „wesensgleichen“ Zweifach-Gott transformiert. Der „Vater“ erhält einen göttlichen Sohn, der aber kein Sohn sein darf, da er ja „von Anbeginn“ schon existiert. Er ist also eher ein Bruder, aber auch wieder nicht, da er – zwar wesensgleich mit Gottvater – vom göttlichen Vater gezeugt sein soll, (Kath. Katech. 254). Er scheint also eher ein Klon zu sein, gezeugt und wesensgleich. Aber so ganz genau weiß das niemand, zumal nicht Gottvater, sondern der „Heilige Geist“ Maria geschwängert haben soll, irgendwie metaphysisch, wie sich versteht.

Josef spielt übrigens keine Rolle. Er akzeptiert achselzuckend die Fremdschwangerschaft seiner Frau und hütet Ochs und Schaf. Jesus, ein tiefgläubiger Jude, verkündet menschenfreundliche, altjüdische Botschaften. Seine Jünger und Apostel, rund 50 Männer und Frauen, und die römischen und jüdischen Zeitgenossen wissen allerdings rein gar nichts von ihm zu berichten. Was in einer Zeit, in der die Bibliotheken mit Hunderttausenden von Büchern zu bersten drohen, völlig lebensfremd ist und zwei Schlußfolgerungen zuläßt: Entweder ist Jesus eine rein literarische Figur, die erst mit den Paulusbriefen zu leben begann. Oder Jesus war weder aufsehenerregend noch konnte er über Wasser gehen. Er war ein Prophet. Und von denen gab es damals viele. Dieser „Gottessohn“ also, bis tief in das 4. Jahrhundert innerhalb der christlichen Gemeinden hoch umstritten, logisch und theologisch das Widersinnigste, was Religionen je erfunden haben, diesen Gottessohn also expedieren die Priester auf die Erde. Dort, im Leib einer Irdischen, habe er gewartet, neun lange Monate, bevor er das Licht der Erde erblickt, ohne Geburt. Die „Gottesmutter“ Maria ist daher unberührt, unbefleckt, himmlisch schön und so heilig, dass sie per Dekret von Papst Pius XII. aus dem Jahre 1950 körperlich in den Himmel auffährt. Wie man sich das vorzustellen hat, ist nicht bekannt. Aber Benedikt XVI. ist der Auffassung, dass dieser nicht nur wegen Marias Himmelfahrt hoch umstrittene Papst in den Pantheon der Heiligen aufgenommen werden sollte.

30 Jahre also lebt dieser Gottessohn auf Erden und stirbt in den Fängen jüdischer Häscher und römischer Söldner. Nicht in edler Haltung, sondern in erniedrigenster Pose, Mitleid heischend und den Menschen zur Besichtigung am Kreuz freigegeben, ohne dass der Allmächtige mit Donnerschlägen dazwischen fährt. Das habe ER so gewollt!, ruft die Kirche. Sein Wille sei gewesen, seinen Sohn stellvertretend für die Menschen büßen zu lassen. Man bedenke: ER läßt seinen Sohn ans Kreuz nageln, weil ER seine eigene Strafe nicht aufheben will! Wer denkt sich eine solche Vater-Sohn-Beziehung aus?

So also stellt sich die christliche Kirche den liebenden Gott vor. Daraus also leiten die Priester das Nächstenliebe-Gebot ab, ohne dessen Wirken wir angeblich unsere Werte und Würde, kurz unseren Halt, verlieren. Aber historisch betrachtet ist das Nächstenliebe-Gebot jüdisch: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ (3 Moses 19,18). Im übrigen dürften vermutlich alle Kulturen den Wert der "Nächstenliebe", wenn auch unter verschiedenen Namen, hervorheben, ohne sich deshalb ständig an die Brust zu klopfen. Bereits die Philosophie Zarathustras (vor 500 v.u.Z.) basiert auf den drei Grundsätzen "Gut Denken, gut Reden und gut Handeln" und auf seinem Credo "Ich bin Zarathustra, wahrhaftiger Gegner der Lügner, und ich werde sie bis zu meiner letzten Kraft bekämpfen. Aber mit meiner ganzen Kraft werde ich den Aufrechten und Rechtschaffenen beistehen" (43/8). Wenig später läßt Sophokles um 450 v.u.Z. seine Antigone rezitieren: „Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich geschaffen“. Und Aristoteles erkennt um 330 v.u.Z. in seiner „Nikomachischen Ethik“, das Wesen der Freundschaft sei, mehr Liebe zu geben als zu nehmen. Der römische Philosoph Seneca schreibt ein ganzes Buch über die Wohltaten, „De beneficiis“, und erkennt in seinem Werk „Vom glückseligen Leben", das höchste Gut sei „ein ruhiges Handeln, reich an Menschenliebe und Rücksicht für die, mit denen man lebt". Cicero, ebenfalls ein „Heide“ des 1. vorchristlichen Jahrhunderts, wird diesen altruistischen Gedanken aufgreifen und von einer natürlichen „Wohlgeneigtheit zwischen allen Menschen“ sprechen. Keiner ist bisher auf den Gedanken gekommen, die Lehren Zarathustras, Sophokles` oder Senecas mit dem Epitheton „Philosophie der Liebe" zu versehen, obwohl ihnen dieses Markenzeichen wahrlich zustände. Im übrigen ist dieses überstrapazierte Liebesgebot als „Altruismus“, als Teil des natürlichen Verhaltens des Menschen, bekannt. Die Soziobiologie weist bereits Mitte des 20. Jahrhunderts die genetischen Grundlagen des Altruismus nach.

Neu scheint lediglich das Gebot der „Feindesliebe“ zu sein (Mt 5,43-48), das eine Radikalisierung des Nächstenliebe-Gebotes darstellt und vermutlich nur in Zusammenhang mit der damaligen unmittelbaren Erwartung einer neuen (himmlischen) Welt zu verstehen ist. In der kirchlichen Praxis ist das Feindesliebe-Gebot bis heute ohne Bedeutung. Die Kirche segnete Waffen und die Soldaten haben bis in die jüngste Zeit „für Gott und Vaterland“ die Gegner massakriert. „Feindesliebe“ bleibt damit als realitätsferne, unerfüllbare Forderung eine Wort-Tapete, genauso sinnvoll wie die Forderung „Reichtum für alle“. So bleibt es also völlig nebulös, welche spezifisch christlichen Werte die Kirchenführung eigentlich anzubieten hat.

So schlecht hat es noch keine Epoche mit dem Menschen gemeint

Man wird zugeben müssen, dass dieser „liebende Gott“, der in Wahrheit ein ziemlicher Wüterich zu sein scheint, unmöglich den wahren Gott repräsentieren kann. Ritterlichkeit, Fairness und Gerechtigkeit sind keine Vokabeln, die im Sprachschatz dieses Kirchengottes auftauchen. „Fürchte Gott“ mahnt daher sein Apologet Johannes (Offenbarung 14,7) und folgerichtig fordert die Landesverfassung Rheinland-Pfalz auch nicht, die Jugend in Gottesliebe zu erziehen, sondern in blanker Furcht: „Die Schule hat die Jugend zur Gottesfurcht […] zu erziehen” (Art. 33). Ein Spruch, der angesichts der heterogenen Religionslandschaft und des sehr realen Anteils von rund 30 Millionen Konfessionsfreien wie eine Botschaft aus dem 18. Jahrhundert anmutet. 2

Diese misanthropische Lehre mit ihren dominanten Eckpunkten, Erbsünde und göttliches Strafgericht, ist eine deprimierende Kriegserklärung an den Menschen. Von der Zeugung an mit einer übergroßen Schuld beladen, ist die Menschheit eine sündhafte Elendsmasse, mit der Gott machen kann, was er will. So schlecht hat es noch niemand mit den Menschen gemeint. So finster wurde noch niemals die Zukunft ausgemalt. Nie in der Menschheitsgeschichte wurde das Denken mit derart sinnlosen und wahnwitzigen Sünden- und Höllenapokalypsen kontaminiert, nie hat es einen radikaleren Wandel des Menschenbildes gegeben, nie eine bedrohlichere Lehre, nie eine größere Entmutigung, nie eine dreistere Tarnung mit Sprüchen vom „liebenden Gott“ und von der „Religion der Liebe“. Eine „chinesische“ Kulturrevolution, umfassender, grausamer, länger dauernd als jemals eine Kulturrevolution in der Menschheitsgeschichte, wird sie die Zeit verändern. Jenseitsorientierung, Diesseitsabgewandtheit, Schuldvorwürfe, Selbsterniedrigung und Angst vor Hölle und Vorhölle werden endgültig die entscheidenden und bestimmenden Faktoren im Leben der Menschen. Wir ahnen, dass die Wolfszeit anbricht. Das alles ist weder rational noch theologisch zu begreifen. Erst der Blick in die Religionsgeschichte öffnet den Zugang zum Verständnis. Eingeklemmt zwischen einer turmhoch überlegenen römisch-griechischen Kultur mit weit fortgeschrittener Wertediskussion auf der einen Seite und der noch älteren, ehrwürdigen jüdischen Bibel auf der anderen, steht die christliche Lehre als Klassen-Neuling von Beginn an unter Zugzwang. Diese neue Religion muß überhaupt erst noch ihren Platz finden, muß extravaganter und radikaler als alle anderen Religionen sein, muß die Mystifikation ins Unendliche steigern, muß die Juden enteignen, ihnen die Vergangenheit entwenden, muß die uralte Lehre zur Ankündigungsplattform ihrer neuen Religion degradieren, muß alle Andersdenkenden bekämpfen, um überhaupt Platz zwischen jüdischem Monotheismus, polytheistischer Duldsamkeit, senecaischen „Tue Gutes“-Gedanken und neuplatonischer Religionsphilosophie finden zu können.

Und so verrennen sich die christlichen Priester in immer abenteuerlichere Konstruktionen, die mit Augustinus` Sündenlehre und der Zwei-Naturen-Lehre des Jahres 451 ihre widergöttlichen Referenzpunkte finden. Gott, so erkennen wir, wird von den Priestern in schlimmster Weise geschmäht. Man müßte die Erfinder und Apologeten dieser Lehre wegen „Gotteslästerung“ (§166 StGB) vor Gericht stellen, ihnen wenigstens die Berechtigung absprechen, über Gott zu sprechen. Unabhängig davon, dass sie wegen der Paradoxie, über Unendliches sprechen zu wollen, aus dem Kreis der Gebildeten ausgeschlossen werden müßten. Die Kirche aber wird es nie verwinden, dass ihr Religionsgründer Jude war, der nicht im Traum daran dachte, eine bürokratischhierarchische Kirche mit einem Stellvertreter Gottes an der Spitze zu gründen. Sie wird Jesus vereinnahmen und die lästige jüdische Konkurrenz auf das bitterste verfolgen.

1 "Winter und Sommer sänftigen sie [die Götter] mit dem Eintreten eines milderen Hauches, das Irren strauchelnder Seelen ertragen sie sanftmütig und gnädig" (Seneca, De beneficiis).

2 Im „Vorspruch“ heißt es gar: „Im Bewusstsein der Verantwortung vor Gott, dem Urgrund des Rechts und Schöpfer aller menschlichen Gemeinschaft …“. Baden-Württemberg fordert in der Landesverfassung Art. 12 Eltern und Lehrer auf: „Die Jugend ist in Ehrfurcht vor Gott, im Geiste der christlichen Nächstenliebe …“ zu erziehen. Bayerische Landesverfassung, Art. 131, Abs. 2: “Oberste Bildungsziele sind Ehrfurcht vor Gott …“. Von 16 Bundesländern haben acht den Gottesbezug in der Präambel und fünf christliche Erziehungsziele in der Landesverfassung erwähnt.

 

 

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Denk-Schrift I: Deutsche Politiker

Redaktion: Ich freue mich ganz besonders, dass mir Rolf Bergmeier die Genehmigung zum Abdruck seiner Denkschrift erteilt hat. Dies geschieht fast zeitgleich mit der Vorstellung seines neuen Buches „Schatten über Europa“, das am 12. Dezember 2011 im Humanistischen Pressedienst begleitet von einem Interview vorgestellt wurde.

Vor und während des Besuches Papst Benedikts XVI. ist viel über „christliche Werte“, „Leitkultur“ und vom Christentum als „Fundament europäischer Kultur“ gesprochen worden. Was führende Politiker zu diesen grundlegenden und die herausgehobene Stellung der christlichen Kirche im deutschen Staatswesen begründenden Thesen bisher haben verlauten lassen, ist mehr von religiösem Engagement als von Kenntnis über historische und kirchengeschichtliche Zusammenhänge geprägt. Die folgende Denk-Schrift will der vorherrschenden weltanschaulichen Betrachtung einen lesbaren, wissenschaftlich orientierten Text an die Seite stellen. Dem Wesen einer Denk-Schrift entsprechend ist der Umfang des Textes knapp bemessen. Interessierte Leser werden gebeten, sich mit Hilfe der auf der letzten Seite zitierten Literaturwerke zu informieren.

„Wer unser christliches Weltbild nicht akzeptiert, ist fehl am Platze“

Für die meisten Politiker scheint die Sache klar zu sein: Deutschlands  „Werte“ sind christlich und weil sie göttlich sind, sind sie auch ewig. Ohne diese christlichen Werte werde der Gesellschaft der Boden unter den Füßen weggezogen. 47 Seiten hat die CDU-Wertekommission unter Leitung des damaligen rheinlandpfälzischen CDU-Chefs Christoph Böhr im Dezember 2001 zusammengeschrieben. Das Programm unter dem Titel „Die neue Aktualität des christlichen Menschenbildes“ wurde vom damaligen Generalsekretär der CDU, Laurenz Meyer, mit den Worten vorgestellt: „Unsere Werte, die Fundamente, auf denen unsere Gesellschaft gebaut ist, sind heute und in Zukunft […] dieselben wie zuvor“.

Die CDU-Vorsitzende, Angelika Merkel, erklärte im Oktober 2010 auf einer Regionalkonferenz in Berlin-Brandenburg die spezifischen CDU-Werte: “Wir fühlen uns dem christlichen Menschenbild verbunden, das ist das, was uns ausmacht.” Wer das nicht akzeptiere, so meinte sie, der sei „bei uns fehl am Platz“ (Tagesspiegel, 15.10.2010). Damit setzt die CDU-Vorsitzende, die gerade Thilo Sarrazin wegen angeblich integrationsfeindlicher Tendenzen gerügt hatte, nicht auf kulturelle und politische Versöhnung, sondern auf religiöse Konfrontation. Wer nicht Christ ist, fliegt raus.

Ob das der CDU angesichts wachsender Kirchenaustritte und der hohen Zahl von Immigranten aus unterschiedlichsten Kulturkreisen bekommt, mag dahingestellt bleiben. Dem innenpolitischen Frieden dient dieses Programm sicherlich nicht. Und der Freiheit des Denkens noch weniger, das ohnehin unter dem Bombardement von Schlagworten („alternativlos“, „scheitert der Euro, dann scheitert Europa“) und dem überfallartigen Wechsel politischer Positionen bedenklich gelitten zu haben scheint.

Gerne vereinnahmen christliche Politiker auch die jüdische Kultur. Im Bemühen, eine gemeinsame Abwehrfront gegen den angeblich zerstörerischen Islam aufzubauen, wird die „christlich-jüdische“ Kultur zitiert, die es zu verteidigen gelte. Ein etwas eigenartiges Kulturkonglomerat, das da aus dem Hut gezaubert wird. Denn die Christen haben sich zweitausend Jahre lang eifrig bemüht, der jüdischen Religion und Kultur den Garaus zu machen. Und so wird dieser Versuch einer Vereinnahmung von den Juden auch strikt abgelehnt.

Die wenigen Beispiele zeigen bereits auf den ersten Blick einen religionstypischen Mangel an Nachdenklichkeit, eine bemerkenswerte Naivität der Argumentation und eine fahrlässige Verkürzung der Belegführung. Sehen wir uns also die Erklärungen an und beginnen mit der Prüfung der Behauptung, das Christentum sei der eigentliche Kulturträger des Abendlandes, sei „Europas Leitkultur“, bevor wir uns mit den „christlichen Werten“ beschäftigen.

Vom Fundament europäischer Kultur

"Das Christentum hat nahezu alles, was uns heute umgibt, geprägt" erinnert Bundeskanzlerin Merkel die Parteigenossen auf der besagten Regionalkonferenz. Sie spricht damit aus, was viele denken, aber das sagt wenig. Denn es gibt auch eine negative Prägung.

Hitler und der Nationalsozialismus haben Deutschland auch geprägt, ohne dass wir uns dieser Zeit gerne erinnern. Es versteht sich, dass Frau Merkel in ihrem Bemühen, allem Christlichem eine positive Wirkung abzugewinnen, nicht die Leidensgeschichte Hunderttausender und die unverkennbar negative Wirkung des Christentums auf Wissenschaft und Forschung diagnostizieren mag. Noch weniger scheint die Physikerin die Bedeutung nicht-christlicher Kulturkreise für das „Abendland“ und deren wertebildenden Traditionen zu kennen.

Da wäre an erster Stelle die griechisch-römische Kultur zu erwähnen, der Europa fast alles verdankt, was tief und schön ist. Gleich ob die Antigone im Theater, der Codex Justinianum im Rechtswesen, der Lehrsatz des Pythagoras oder die Säulenarchitektur in der Baukunst, wir benutzen ein Erbe, das vor mehr als 2000 Jahren geschaffen und bis in das 4. nachchristliche Jahrhundert von „heidnischen“ Künstlern, Technikern und Wissenschaftlern fortentwickelt worden ist. Überall gab es damals beheizte Bäder, Brunnen, Fischteiche, Kanäle und Gärten. Aquädukte und Tunnel führten das Wasser über elf Fernleitungen in die Stadt Rom und alleine diese Stadt hatte damals 28 öffentliche Bibliotheken und Dutzende von Musikhallen. Nahezu jedes Städtchen verfügte über Schulen, der gebildete Römer sprach zwei Sprachen und etwa die Hälfte der Bevölkerung konnte lesen und schreiben.

Dann aber versandet ab dem 5. Jahrhundert dieser Strom des Wissens und der Kultur. Innerhalb von wenig mehr als einem Jahrhundert verwahrlosen fast alle Erbstücke, die Griechen und Römer in Italien und Gallien, Spanien und Syrien, Schottland und Nordafrika hinterlassen haben. Verfügten die antiken Bibliotheken in Rom, Marseille, Alexandria oder Konstantinopel noch über jeweils mehrere hunderttausend Bücher, so quälen sich wenig später Reste von einigen hundert Büchern in das Mittelalter der Klosterbibliotheken hinein. Die Wasserleitungen verfallen, die öffentlichen Schulen bleiben leer, Medizin und Naturwissenschaften veröden, die Theater sind geschlossen, die Menschen verlernen das Schreiben und brauchen Übersetzer, wenn sie kommunale Verordnungen lesen wollen. Über das Abendland senkt sich das "finstere Mittelalter" herab.

Die Kirche zerstört die antike Kultur

Schuld an diesem Desaster sind nicht die Germanen, ist nicht die Dekadenz der Römer, wie man immer wieder hört. Sie tragen lediglich zur Heimsuchung bei, sind aber nicht die Hauptverantwortlichen. Die Trostlosigkeit hat einen anderen Namen: Christentum. Die tausendjährige antike Kultur ist untergegangen, weil christliches Alleingott-Denken die heidnische Toleranz gegenüber allen Göttern ablöst, weil die christliche Kirche mit den griechisch-römischen Göttern zugleich auch die antike Kultur des Imperium Romanum bekämpft, weil eine rational nicht nachvollziehbare Diktatur der Wahrheit jedes alternative Denken zerstört, weil das jenseitszentrierte Himmel-Hölle-Bild diesseitiges Bemühen zum Tand erklärt und weil religiöse Fanatiker jegliches Denken außerhalb der Bibel als verwerflich denunzieren.

Das Unheil beginnt im Jahre 380 mit Kaiser Theodosius. Dieses Jahr ist ein Schicksalsjahr für Europa: Staat und Kirche verbünden sich in einer unheiligen Allianz zur Staatskirche, die die Macht erhält, ihre radikalen, diesseits- und menschenfeindlichen Vorstellungen in Politik umzusetzen. Die bisher heillos zerstrittenen Christen werden mit Hilfe von sechzig kaiserlichen Erlassen zu einer katholischen „Einheitspartei“ geordnet und bekommen damit die Möglichkeit, den Lehrsatz religiöser und geistiger Intoleranz zum Staatsziel zu erklären: Du mußt an den christlichen Gott glauben.

Diesem Missionierungsgedanken fallen fortan alle Kulturen von der antiken über die maurisch-spanische bis zu den Indio-Kulturen in Nord-, Mittel- und Südamerika zum Opfer. Wo immer das Christentum auftritt, es tauscht die bestehenden Kulturen gegen eine schmale, rein religiös orientierte Kirchenkultur aus. Während das römische Imperium die griechische Kultur aufsaugt und zur weltberühmten griechisch-römischen Kultur erweitert, während das islamische Bagdad und das maurische Spanien alle erreichbaren Kulturen von Indien bis zur jüdischen zu einer traumhaften Höchstkultur vereinen, gefällt sich das benachbarte Christentum zur gleichen Zeit in der Zerstörung aller nichtchristlichen Kulturen.

Dass die zerstörten Kulturen häufig, insbesondere im Falle der griechisch-römischen, der arabischen und der maurisch-spanischen der neuen christlichen Ideologie künstlerisch und wissenschaftlich weit überlegen sind, wird im frommen Trommelwirbel gerne überhört. Und es ist die überragende muslimische Kultur in Toledo, Sevilla und Cordoba, die zwischen 800 und 1200 als Parallelkultur auf die bedrückenden Defizite der christlich-mittelalterlichen Kultur hinweist. Sie wird in den Stürmen der christlichen Reconquista 1492 untergehen. Die verstoßenen Wissenschaftler und Künstler aber wandern aus und werden in Mitteleuropa das „finstere“ Mittelalter beleben. Ihr Wissen und ihre Bücher werden die Wiedererweckung der Antike einleiten, die Renaissance. Aber die Freiheit bleibt kanalisiert, das Verbot, frei zu denken und ungebunden zu forschen, bleibt bei Todesdrohung weiterhin bestehen.

An Belegen für die kulturfeindliche Haltung der christlichen Kirche fehlt es nicht. Der bekannte christliche Schriftsteller Tertullian meint, „es sei besser, unwissend zu sein, um nicht kennen zu lernen, was man nicht soll“. Tertullians Zeitgenosse, Tatian, lehnt in einer zügellosen Rede „An die Hellenen“ die gesamte griechische Bildung als unnütz und unmoralisch ab. Die antiken Philosophen seien Lärmer, Geschwätz und Rabengekrächze kennzeichne ihre Reden. Die Akademien seien "Schwalbenzwitscherschulen" und die Arzneikunde käme aus einer „Schwindlerwerkstatt“.

Es folgen weitere Kirchenführer, die gegen das „Philosophenvieh“ wettern. Trächtige Säue“ seien sie, „Hunde, die zu ihren Auswürfen zurückkehren“, Dummköpfe, Fälscher, Giftspeier, Betrüger, Verrückte und Strauchdiebe. Einen schlechten Ruf bei Christen haben auch Mathematiker. Augustinus wendet in seinem „Gottesstaat“ ein ganzes Kapitel auf, um den Nachweis zu führen, dass die Mathematiker eine gegenstandslose Wissenschaft betreiben. Die systematische Erforschung naturwissenschaftlicher Phänomene wird als überflüssig betrachtet, da alle Naturereignisse, vom Erdbeben bis zum Blitzschlag, Gottes Wirken zugeschrieben werden. Naturereignisse seien Folgen seiner Pflicht, die Menschen zu strafen oder zu loben. Mit Geschichte brauche sich der Christ nicht zu beschäftigen, da das ganze Geschichts-Schriftentum durch die Heiligen Schriften widerlegt sei, die einen Zeitraum von 6000 Jahren Menschheitsgeschichte berechnet hätten. Selbst die Medizin wird abgelehnt, da die Kraft der Heiligen besser helfe. Von Baukunst, Staatslehre und Landwirtschaft brauche der Christ nichts zu wissen, es sei denn, um die betreffenden Stellen der Heiligen Schrift besser zu verstehen.

Parallel zur Vernichtung der Wissenschaften geht es der Kunst und den Schauspielen an den Kragen. Letztere seien Teil der weltlichen Irrtümer, verkündet Tertullian. Der „heilige“ Augustinus wettert gegen die Theater: „Schaustellungen von Schändlichkeiten und Freistätten der Nichtswürdigkeit“ seien sie, „Fäulnis und Pest der Seelen“, „Unzucht“, „wollüstiger Aberwitz“. So schafft es die christliche Kirche, die großen Tragödien von Aischylos, Sophokles und Euripides und alle Komödien von den Bühnen verschwinden zu lassen. Statt „Ödipus“ und „Antigone“ sind nunmehr Jesus und Maria Magdalena Gipfelpunkte der Dramatik.

Am verheerendsten aber wirkt sich die Austrocknung und Schließung der öffentlichen Schulen aus. Im 6. Jahrhundert sind alle öffentlichen Schulen geschlossen. Eine ganze Region von den Pyrenäen bis zum Bosporus, von Friesland bis Sizilien verlernt das Lesen und Schreiben. Während im Imperium Romanum mehr als die Hälfte der Bevölkerung lesen und schreiben kann, wartet das Mittelalter mit neunzig Prozent Analphabeten auf.

Erst ab dem 13. Jahrhundert wird sich das „finstere“ Mittelalter langsam wandeln, vorsichtig, weil es sich niemand erlauben kann, mit der Kirche zu verderben. Die Gründe für die vorsichtige Neuorientierung liegen außerhalb des Christentums (Byzanz, Spanien, Sizilien), auch wird der Wandel durch eine dramatisch verschärfte Gehirnwäsche (Inquisition) begleitet. Aber das ist ein anderes Thema.

Das neue christliche Welt- und Menschenbild

Drei radikale Lehrmeinungen bewirken das Desaster, das „finsteres Mittelalter“ genannt wird:  Neben dem Missionsbefehl „Geht hinaus in alle Welt“, der, meist von wenig Gebildeten umgesetzt, selten auf Dialog als vielmehr auf die geistige Bevormundung „Verstockter“ (Exodus 7,13) bis hin zur Zwangstaufe setzt, sind das Dogma vom Menschen als einem „verlorenen Sünder“ und die Theorie vom Gericht Gottes, dessen unbarmherzige Strafen in düstersten Farben ausgemalt werden, Basis eines völlig neuen Weltbildes, das zum eigentlichen Ausgangspunkt des Kultureinbruchs wird.

Geburtshelfer sind zwei Männer: Paulus und Augustinus. Der erste aus dem ersten Jahrhundert, der zweite aus dem vierten/fünften Jahrhundert. Ihre teils grotesken Lehren beherrschen bis heute das Christentum.

Paulus, kurz nach dem Tode Jesu von göttlich-greller Erleuchtung getroffen, „ein Licht warf mich auf den Boden“, wird über Nacht vom christenverfolgenden Saulus zum bekennenden Paulus. Diese paulinische „Erleuchtung“ ist in der Medizin nicht unbekannt. Eine solche sprunghafte Reaktion wird als Symptom einer Übersteigerungen normalen Erlebens diagnostiziert, verbunden mit Wahnbildung und optischen oder akustischen Halluzinationen. Gelegentlich kommt der Betroffene zu dem Schluss, von Außerirdischen oder Geistern aus dem Jenseits beobachtet zu werden. Im Falle eines krankhaften Verlaufes besteht für den Betroffenen eine unerschütterliche Gewissheit, dass das wahnhaft Erlebte tatsächlich geschehen ist. Diese Symptome faßt die moderne Medizin unter dem Begriff der Schizophrenie zusammen. Paulus also hört Stimmen aus dem Universum „warum verfolgst Du mich?“, geht in die Wüste, erkennt das Jenseits und gilt bei Nietzsche daher als Erfinder des Christentums. Dieser Paulus klagt die Menschheit an: Der Glaube an sich selbst sei böse, ebenso das Freiheitsgefühl. Stolz sei die größte Sünde. Im übrigen sei den Armen im Geiste das Himmelreich.

Jahrhunderte später macht Augustinus, der nach einer gleichermaßen geheimnisvollen „Bekehrung“ zunächst Frau und Kind in die Wüste schickt, sich dann eine Konkubine zulegt, dem Menschen endgültig seine antike Würde streitig. Der nordafrikanische Bischof legt mit seinen Schriften ein spekulatives, teils anspruchsvolles, teils kindliches Palaver über Glaube, Liebe, Hoffnung, Schuld und Sühne vor. Seine philisterhaften Streitschriften gegen den freien, schöpferischen Menschen sind in ihrer nihilistischen Abwertung allen menschlichen Bemühens und in der entwürdigenden Selbsterniedrigung des Menschen in der Weltliteratur einzigartig. Unter Umgehung sämtlicher Einwände hinsichtlich der Erkennbarkeit des Unendlichen torkelt Augustinus trunken durch eine rabenschwarze, selbst inszenierte Scheinwelt und berichtet Seltsames über die Architektur des Himmels, über Fegefeuer und Hölle, Auferstehung und Qualen.

Sein wohl berühmtestes Werk, der Gottesstaat, ein Brocken von 22 Bänden, entwirft ein zutiefst pessimistisches Bild vom Leben, das mehr einem Sterben gleicht als dem Leben. Thematisch und chronologisch wild hin- und herspringend zwischen römischer Geschichte, schändlichen Schauspielen, Sittenverderbnis, Beschimpfung antiker Philosophen und Zitaten aus dem Alten Testament, verblüfft Augustinus den Leser mit einem Bacchanal fabelhafter Einsichten in das Jenseits. Von dieser Himmelsschau haben sicherlich seine Betrachtungen über Adam und Eva, deren Ursünde, der daraus abzuleitenden Sündhaftigkeit der Menschen und der Übertragung der Erbsünde durch die Sexualität den größten Unterhaltungswert, aber auch die weitreichendste Bedeutung. Denn Sexualität ist selbstredend abzulehnen. Sie ist offensichtlich dem Tierischen zuzuordnen. Dies äußere sich darin, daß die Zeugung nicht ohne ein gewisses Maß an tierischer Bewegung erfolge. Da die Sünde Adams durch die Libido übertragen werde, sei diese der Grund für die Übertragung der Ursünde. Folglich sei Sex mit Lust verwerflich. Lediglich unter drei Voraussetzungen toleriere Gott die Geschlechtlichkeit als fahrlässige Sünde: Der Geschlechtsakt müsse erstens innerhalb der Ehe, zweitens ohne Lust und drittens mit der Absicht der Kinderzeugung erfolgen. Am nahesten bei Gott seien jedoch die Männer und Frauen, die sich dem anderen Geschlecht verweigerten.

Augustinus weiß auch zu berichten, wie es nach dem Tode zugeht: Es gebe zwei Auferstehungen, eine der Seelen und eine der Körper. Frauen behielten nach der Auferstehung zwar ihre Geschlechtlichkeit bei, das sei aber kein Problem, denn die weibliche Geschlechtlichkeit“ sei fortan „über Beilager und Geburt“ erhaben. Geschnittenen Haare und Nägel würden dem Auferstehenden nicht verloren gehen, es sei denn, sie wirkten entstellend. Nebenher sichtet er die menschlichen Laster, ordnet sie in einer Stufenfolge, analysiert die Bedeutung des siebten Tages für Gott und widmet sich den „aetherischen und durchsichtigen“ Engeln, die Gott von Angesicht zu Angesicht schauen können. Von Elfen und Trollen weiß Augustinus allerdings nichts zu berichten.

Warum Augustinus den Ehrentitel „größter Philosoph“ erhalten hat, warum die zentrale Würzburger Augustinforschung in den Rang eines universitären „An“-Institutes erhoben worden ist, bleibt völlig undurchsichtig. Augustins Lehrsatz „Der Glaube geht der Erkenntnis voraus“ öffnet den irrsinnigsten Spekulationen alle Scheunentore. Mit Philosophie hat das ebenso wenig zu tun, wie der wolkige Unsinn von Papst Gregor I., der die augustinische Sicht in das ferne himmlische Geschehen damit erklärt, dass es einigen Seelen zuweilen gestattet sei, den Körper zu verlassen und unter Führung eines Engels das Jenseits zu besuchen, um anschließend wieder in den irdischen Körper zurückzukehren und den übrigen Erdenbewohnern von der anderen Welt zu erzählen.

Fortsetzung folgt…

 

Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

 

Weitere Arbeiten desselben Autors siehe hier.

 




Hingerichtet (2)

Es hat wahrscheinlich niemals in der Geschichte der Menschheit eine Zeit gegeben, in der nicht Menschen Menschen Böses antaten. Im Überlebenskampf der Spezies Mensch muss Verbrechen eine der möglichen Strategien sein, die zum Erfolg führt, sonst gäbe es keine Verbrechen. Keine Zivilisation, keine Kultur und auch keine Religion haben jemals etwas daran ändern können: Verbrechen gab es schon immer und vermutlich wird es immer Verbrechen geben. Gewandelt hat sich die Art und Weise, wie die Gesellschaft auf Verbrechen reagiert.

Ein großer Unterschied zu früher liegt bereits in der heutigen medialen Konfrontation mit dem Verbrechen, die es damals noch nicht in diesem Umfang gab. Grosse Untaten wie die des Massenmörders Hamann wurden auch ehemals schon breit in der Presse ausgewalzt, damit dem Publikum ein heiliger Schauer über den Rücken fuhr. Heute jedoch, im Zeitalter der schnelllebigen Informationsverkaufs tickert es sofort um die ganze Welt, wenn irgendetwas irgendwo passiert und sei es die geringste Nebensächlichkeit.  Pardon, wenn ich es so ausdrücke: selbst wenn ein Waschbär in Kassel furzt und dann ein Eichhörnchen gekillt wird, oder wenn es noch so unsinnige und unwichtige Nachrichten sind. Es wird über alles berichtet und auch mächtig übertrieben.

Wenn dann wirklich furchtbare und grausame Verbrechen geschehen, dann wird dies wochenlang in den Weltmedien aufgebauscht, dass es einen graust.

Wir verfügen heute über ein Informationsspektrum, wie wir es noch nie in unserer Geschichte hatten.

Doch zurück zur Reaktion der Gesellschaft auf kapitale Verbrechen. Was sind das für Menschen, die in den Todestrakten z. B. der USA sitzen? Es stimmt, die meisten haben gemordet oder waren an einem Mord beteiligt. Manche von ihnen haben mehrere Menschen auf dem Gewissen. Man muss auch erwähnen, dass manche Verbrechen so grausam sind, dass man sich zu Recht fragt: Wie soll man so einen Schwerverbrecher überhaupt in der menschlichen Gemeinschaft belassen? Falls so ein Unhold wieder frei kommt, besteht da nicht Rückfall- und Wiederholungsgefahr? Wie kann sich die Gesellschaft am besten nachhaltig vor solchen Unmenschen schützen, ohne selbst unmenschlich zu werden? Ist es inhuman, ihnen das Leben zu nehmen?

Was soll man tun?

Es ist zweifellos ein großer Fortschritt für den  Humanismus, dass die Körperstrafen wie Folter und Züchtigung abgeschafft wurden. An vorderster Front kämpften die Humanisten für Menschlichkeit. Nicht aber die Kirche. Sie stellt lieber die Gefängnispfarrer, die sich um das „Seelenheil“ des Delinquenten kümmern, wenn es zum Galgen geht. Dies zeigt, dass sich Kirche nie vollständig vom Mittelalter gelöst hat.

Einer der wichtigsten Gründe für die Abschaffung der Todesstrafe war nicht nur die mögliche Grausamkeit der Strafe als solche, sondern auch, um die Folgen von Fehlurteilen zu vermeiden.

Es muss erwähnt werden, dass es immer wieder zur Hinrichtung von Unschuldigen kam. Auch nutz(t)en skrupellose Machthaber die Todesstrafe dazu, um unliebsame Gegner auszuschalten. Die Todesstrafe ist also auch ein furchtbares Machtinstrument und Druckmittel, um Angst und Schrecken in der Bevölkerung zu verbreiten. Beispiele gab es in der Vergangenheit und es gibt sie auch heute noch immer wieder.

Es kommt häufig zu leidenschaftlichen Diskussionen und Auseinandersetzungen um dieses Thema, dass immer wieder aufflammt und kein Ende findet, solange es die Todesstrafe auf der Welt gibt.

Andererseits muss man auch die Seite des Opfers und seiner Hinterbliebenen betrachten, die auch ein Recht auf Sühne haben. Wie furchtbar ist es z. B. für eine Mutter oder einen Vater, wenn sie entweder eines ihrer Kinder oder ihr einziges Kind verlieren. Der Schmerz ist unerträglich, nicht auszuhalten.

Da war doch dieser spektakuläre Fall der Marianne Bachmeier, dessen kleine achtjährige Tochter ermordet wurde. Der Mörder berichtete grinsend, wohlgemerkt grinsend, dem Richter den Tathergang und lachte dabei auch noch. Dass der Mutter und einigen im Gerichtssaal die Galle überlief, das war sehr wohl verständlich. Das Ende der Geschichte kennen wir alle. Die Mutter erschoss diesen Kerl. Sie genoss große Sympathien in der Bevölkerung. Sie hat es aber niemals verwunden. Frau Bachmeier wurde nach ein paar Jahren vom damaligen Bundespräsidenten von Weizsäcker begnadigt und verließ Deutschland. Nach einiger Zeit erkrankte sie an Krebs und starb daran.

Wenn ich mir unsere Rechtsprechung anschaue, dann muss ich leider auch des Öfteren kotzen. Sorry für diesen Ausdruck. Aber leider ist es so. Man gewinnt den Eindruck, dass weder Gesetzgeber noch Richter in der Lage sind, Gerechtigkeit herbeizuführen. Wenn ein Dieb härter bestraft wird als ein Totschläger oder Vergewaltiger, dann frage ich mich: Habt ihr Richter noch alle Tassen im Schrank?

Oder eine durchgeknallte Sozialpädagogin oder Psycho-Tante macht gemeinsame Sache mit einem gefährlichen Mehrfach-Killer. Noch dazu steht in der Zeitung dann die groß aufgemachte Story, dass sich diese Knall-Charge in den Killermops verliebt hat, weil er so schöne Kuschelaugen hatte und eine soooo schwere Kindheit durchlitt. So frei nach dem Motto: Der Hamster war aufsässig und die Katze war hochschwanger im Sozius Motorrad gefahren. So witzig wie das klingt, ich möchte da nur aufzeigen, dass diese Brüder um keine noch so blöde Ausrede verlegen sind, und diese Psycho-Knaller glauben diesen Leuten jeden Mist.

Außerdem frage ich mich. Was zieht Frauen an solchen Typen an? Ist es der Effekt: Die „Schöne“ und das wilde Biest? Ich weiß es nicht. Bleibt mir ein Rätsel und im Grunde genommen auch egal.

Ich sage mir nur: Gleich und Gleich gesellt sich gern.

Nachtrag:

Die Todesstrafe wurde in der BRD am 20. Januar 1951 abgeschafft und in der ehemaligen DDR am 17. Juli 1987.

 

Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

 




Direkte Demokratie

DirektIm Folgenden handelt es sich noch nicht um einen konkreten Programmpunkt von DIE HUMANISTEN, sondern um grundsätzliche Überlegungen von unserem Schweizer Freund Andreas Zaugg, die wir bei der Formulierung von Einzelvorschlägen zu diesem Thema bedenken sollten.

Lang und Intensiv habe ich mir Gedanken über die deutsche „Demokratie“ gemacht. In meinen Augen ist Deutschland sehr weit davon entfernt eine Demokratie zu sein. Ich würde es eher selbstgewählte Unmündigkeit nennen. Sicher ist hier in der Schweiz auch nicht alles perfekt. Aber nur weil Ihr in Deutschland eure Metzger selber wählen dürft reicht das noch lange nicht, um Deutschland als Demokratie zu bezeichnen. Auch kann ich mich nicht für die Idee begeistern, die direkte Demokratie nur für belanglose Nebensächlichkeiten einzuführen. Das Volk oder die Opposition müssen die Möglichkeit haben, Regierungsentscheide per Referendum anzufechten, oder eine Initiative durchzuführen, wenn die Regierung eine Problematik ignoriert und zwar Verbindlich. Nur wie führt man in Deutschland Demokratie ein bevor man selbst Regierung ist? Auf diese Frage habe ich bis heute noch keine Antwort. Klar müssen Internationales Recht und vor allem die Menschenrechte eingehalten werden (siehe Schweizer Minarett-Abstimmung). Am deutschen Koalitionssystem kann ich auch nichts demokratisches sehen, denn damit wird Demokratie ausgehebelt, temporäre Koalitionen zu Sachfragen gehen in Ordnung, aber als festinstallierter Regierungspakt macht das keinen Sinn, denn so werden die kleinen Parteien zu „Nutten“ der Großen degradiert. Was mich aber am meisten erstaunt ist, dass viele Deutsche gar keine direkte Demokratie wollen und lieber über die Regierung fluchen als selber mitzuentscheiden. Zum Beispiel ich persönlich habe noch nie einen Politiker oder eine Partei gewählt, da es weder Parteien noch Politiker gibt, die meine Interessen vertreten, aber zu Sachfragen, die mich interessieren, gehe ich regelmäßig zum Abstimmen. Wenn ich Deutscher wäre, würde mich Politik in etwa soviel interessieren wie Sockenstricken, nämlich gar nicht. Zum Schluss möchte ich noch den wenigen danken die in meiner Arbeitsgruppe aktiv mitgewirkt haben.




Bildungspolitik

Happy_HumanGrundgedanken zusammengestellt vom Leiter der Arbeitsgruppe Dieter Fischbach.

Bildung und Ausbildung sind die Grundlage für das Zusammenleben in einer modernen, zukunftsorientierten, humanistischen Gesellschaft.

Dabei formt die humanistische Grundbildung die Basis, ohne die eine erfolgreiche Ausbildung, egal, ob akademisch oder eine Ausbildung oder jedem anderen Berufsfeld, nicht erfolgreich möglich sein kann.

Beide Prozesse, Bildung ebenso wie Ausbildung, haben zum Ziel, junge Menschen in die Lage zu versetzen, sich einen Platz in der Mitte der Gesellschaft zu sichern, damit sie im Rahmen ihrer intellektuellen und produktiven Fähigkeiten im Widerstreit der Argumente ihren Beitrag zur Evolution der Gesellschaft zu leisten vermögen.

Dies sind im Besonderen die Achtung der Menschenwürde, sowie die Einhaltung der Prinzipien von Rechtsstaatlichkeit und Demokratie

Da der Bereich Ausbildung stark an den ökonomischen Anforderungen des jeweiligen künftigen Arbeitsplatzes orientiert ist, führt dies dazu, den Blick auf die Basis, also die humanistische Grundbildung, zu fokussieren.

Es erhebt sich sogleich mit Recht die Frage, was diese humanistische Basis ausmacht, die jedem Individuum einen erfolgreichen Start in die Gesellschaft ermöglichen soll.

Aus humanistischer Sicht ergeben sich drei Bereiche, in denen ein junger Mensch grundlegendes Wissen und Fertigkeiten erwerben muss, damit er sich möglichst frei von ideologischen Zwängen und Dogmen entwickeln kann, um zu einer innovativen Persönlichkeit zu reifen, die im besten Sinne eine Bereicherung für die Gesellschaft sein kann.

Bereich 1:

Dieser Bereich lässt sich durch die Fähigkeit charakterisieren, sich logisch-rational und kritisch mit seiner Umwelt auseinander zu setzen.

Um diesen kritischen Diskurs führen zu können, sind fundierte Kenntnisse und Fertigkeiten in den Bereichen Naturwissenschaften, Mathematik und Philosophie unerlässlich, da sie, wie sonst keine Disziplinen dem Individuum die logisch-rationale Auseinandersetzung mit seiner Umwelt ermöglichen.

Bereich 2:

Dieser Bereich kann mit „fundierter Sprachkompetenz“ beschrieben werden.

Sprache stellt ohne Zweifel das zentrale und Kultur tragende Medium der Kommunikation in der Gesellschaft dar.

Um einen fruchtbaren Diskurs in allen Bereichen des gesellschaftlichen Zusammenlebens zu gewährleisten, ist daher eine solide Ausbildung im Gebrauch der Landessprache, in unserem Fall der Deutschen Sprache, unerlässlich und zwingend erforderlich.

Zusätzlich muss aber auch den Anforderungen einer globalisierten Welt Rechnung getragen werden. Nach dem Erwerb der Grundlagen der Landessprache ist daher der Spracherwerb in mindestens einer international bedeutenden Fremdsprache (i.d.R. der Englische Sprache) vorzusehen.

Entwickelt sich der junge Mensch in Richtung auf eine akademische Ausbildung, so ist für die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit allen Bereichen wie auch den Wurzeln unserer abendländischen Kultur, zusätzlich das Studium alter Sprachen (zumindest der Lateinischen Sprache) von Nöten.

Die Wurzeln von Philosophie und Naturwissenschaft reichen tief in die antiken abendländischen Kulturen und eine umfassende Auseinandersetzung mit diesen kann ohne Kenntnisse der zugehörigen Sprachen nur eingeschränkt gelingen.

Bereich 3:

Neben umfassenden sprachlichen Fertigkeiten und der Fähigkeit zum kritisch-logischen Diskurs benötigt das Individuum ausreichende Kenntnisse über die Struktur gesellschaftlicher Interaktion.

Dieser dritte Bereich rundet die humanistische Grundbildung ab.

Die benötigten Kenntnisse werden über die Disziplinen, Geschichte, Politik, Geographie ebenso wie durch einen signifikanten Einblick in die kulturellen Bereiche von Musik, Kunst und Literatur erworben. Wer sich nicht aktiv mit der Kultur der Gesellschaft in der er lebt auseinandersetzt, kann schwerlich einen positiven Beitrag zu ihrer Evolution liefern.

Kenntnisse und Erfahrungen aus anderen Kulturkreisen können dabei zusätzlich von Vorteil sein. Eine humanistische Gesellschaft ist stets offen gegenüber Einflüssen, die ihre Entwicklung zum Positiven begünstigen.

Säkularität des Bildungssystems:

Aus der Forderung, dass sich ein junger Mensch zu einem selbstbestimmten, kritischen und kreativen Mitglied der Gesellschaft entwickeln soll (Teil 1),  ergibt sich unmittelbar, bereits für die schulische Ausbildung, die Forderung nach Säkularität , die das Lehren von Religion als staatlichen Auftrag gleichsam ausschließt, da die doktrinären Sichtweisen einer Religion im Allgemeinen der Entwicklung zu einem selbständigen Individuum entgegenstehen.

Gleichwohl ist das Wissen über Religion im Rahmen der Bildung einer kulturellen Identität erforderlich, da Religionen in der Evolution unserer Gesellschaft eine gewichtige Rolle gespielt haben und zum Teil auch noch spielen.

Das Bildungssystem im Überblick:

Werfen wir abschließend einen Blick auf ein humanistisch geprägtes Bildungssystem.

Für alle jungen Menschen in unserer Gesellschaft muss, vor dem Eintritt in die Berufsausbildung die Möglichkeit zum Erwerb einer umfassenden humanistischen Grundbildung gegeben sein.

Der Primarbereich:

Dies ist zunächst die Aufgabe des primären Bildungssystems (bis zum Alter von etwa 10 Jahren). Der vorhandenen vierjährigen Grundschule fällt diese Aufgabe mit den Fächern Deutsch, Mathematik, Sachkunde, Musik, Kunst und Sport zu.

Durch die Präferenz einer soliden Grundbildung in diesen Bereichen, insbesondere im Gebrauch der Landessprache, stellt der Unterricht in einer Fremdsprache eine unnötige zusätzliche Belastung für die Schüler dar.

Religiöse Aspekte des gesellschaftlichen Zusammenlebens sollen integrativer Bestandteil in allen Fächern sein. Ein separater Religionsunterricht ist, wie bereits dargestellt, entbehrlich.

Der Sekundarbereich:

Ein sechsjähriger Unterricht in einer weiterführenden Schule (Sekundarstufe I) erweitert und vertieft das in der Primarstufe erarbeitete Fundament in den Fächern Deutsch, Mathematik, Geschichte, Philosophie, Physik, Chemie, Politik, Geographie, Biologie, Musik, Kunst und Sport. Zusätzlich erfolgt eine grundlegende Ausbildung in (mindestens) einer international bedeutenden Fremdsprache (i.d.R. Englisch).

Religiöse Aspekte des gesellschaftlichen Zusammenlebens sollen auch hier integrativer Bestandteil in allen Fächern sein. Dies gilt besonders für die Fächer Philosophie, Geschichte, Politik und Geographie. Ein separater Religionsunterricht ist hier ebenfalls entbehrlich.

Eine, wie heute vielfach verbreitet, gezielte Vorausbildung im Hinblick auf eine spätere Berufswahl unterbleibt, da es ein zentrales Ziel humanistischer Bildung ist, junge Menschen dazu zu befähigen, sich im Rahmen einer Berufsausbildung, in möglichst viele Bereiche entwickeln zu können. Bildungseinrichtungen sollen über Praktika Impulse für die Berufswahl vermitteln. Die wesentliche Beratungs- und Führungsrolle fällt in diesem Bereich dem Elternhaus zu.

Das Gymnasium:

Für eine leistungsorientierte Wissenschafts- und Industriegesellschaft ist es essentiell, Begabungen möglichst früh zu erkennen, zu fördern und zu entwickeln.

Diese jungen Menschen müssen, im Sinne einer positiven gesellschaftlichen Evolution, die Möglichkeit erhalten, sich so früh wie möglich in Richtung einer akademischen Ausbildung entwickeln zu können.

Das bewährte Instrument zur optimalen Entwicklung dieser jungen Menschen und ihrer Potentiale ist das Gymnasium.

Hier wird diesen jungen Menschen eine vertiefte humanistische Bildung zuteil.

Da diese Schulform auf das Einschlagen einer akademischen Laufbahn abzielt, ist die Ausbildung in (mindestens) einer Basissprache der abendländischen Kultur (i.d.R. Latein) vorzusehen.

Fazit:

Ich bin überzeugt davon, dass der zur Zeit vorherrschende, ökonomisch ausgerichtete, Bildungsprozess, an deren Ende Abschlusszeugnisse gleichsam als Statussymbole vergeben werden, den falschen Weg darstellt.

Er engt den Entwicklungsprozess des jungen Menschen unnötig ein und behindert diesen in der Möglichkeit zur optimalen Entfaltung seiner Potentiale.

Am Ende dieses „permanenten Beratungsprozesses“ kann schwerlich ein selbstständiges, kritisches und kreatives Individuum stehen.

Auch die aktuellen Übergangsquoten eines Grundschuljahrgangs an die Gymnasien von bis zu 60 lassen nicht den Schluss zu, dass dort noch „intellektueller Leistungssport“ betrieben werden kann.

Der stete Rückgang der Leistungsfähigkeit unserer jungen Erwachsenen wird zusehends von den Universitäten, wie auch von den Arbeitgebern im Allgemeinen, beklagt.

Er ist der sukzessiven Aushöhlung des humanistischen Bildungsideals in den letzten 40 Jahren geschuldet.

Die politische Unfähigkeit zur Erkenntnis und das Nicht-Eingestehen bildungspolitischer Fehler führt unser Bildungssystem aktuell geraden Weges in die Einheitsschule mit Individualbetreuung.

Dem gilt es, sich entschlossen entgegen zu stellen, da dieser Weg unweigerlich zum Verlust der gerade noch vorhandenen internationalen Leistungsfähigkeit führen wird und man damit gleichzeitig die Axt an die Wurzel unserer Gesellschaft legt.

12. März 2013, Dieter Fischbach

 

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Partei der Humanisten zu Gast bei “Religionsfrei im Revier”

pdh-bei-religionsfreiimrevierAm Freitag den 28. November besuchte unser Vorstandsmitglied Yan Ugodnikov und das Beiratsmitglied Jeanny Passauer die “Religionsfrei im Revier”-Gruppe in Bochum.

Es haben sich mehr als 20 Personen am Nachmittag im Bochumer Osten zusammengefunden, um über die aktuellen religionskritischen Ereignisse zu diskutieren und die allgemeine religiöse Weltanschauung zu hinterfragen.

Der Initiator der „Religionsfrei im Revier“-Gruppe und Vorstandsbeisitzer der IBKA e.V. Jörg Schnückel begrüßte das Vorhaben der Verbreitung von humanistischen und säkularen Werten im politischen Rahmen. Ferner gab es Akzeptanz seitens der meisten Teilnehmer, so dass mehrere Personen konkretes Interesse zeigten, bei der Partei der Humanisten mitzuwirken.

Ferner findet am Samstag den 3. Januar das 2. Abendessen mit dem Vorstand der Partei der Humanisten, ebenfalls in Bochum, statt. In der Mittagszeit trifft sich der Vorstand zur zweiten Vorstandssitzung in Wattenscheid. Um 18:00 trifft sich der gesamte Vorstand mit dem Parteibeirat in der “Three Sixty” – Bar in der Bochumer Innenstadt. Es sind alle Mitglieder und Interessenten für ein gemeinsames Abendessen herzlich eingeladen. Besonders interessant ist das Treffen für die Mitglieder aus der Region, für die Gründung des Landesverbands Nordrhein-Westfalen.

Facebook-Veranstaltung “2. Abendessen mit dem Vorstand”: https://www.facebook.com/events/1510919119182484

Religionsfrei im Revier: http://religionsfrei-im-revier.de




Mina Ahadi: Islamkritik zwischen Aufklärung und Rassismus

Mittwoch, 12.11.2014 in Düsseldorf, V6.

Red.: Ohne Pause setzt sich unsere Jeanny Passauer dafür ein, die Gründung der Partei der Humanisten im humanistischen Umfeld bekannt zu machen. Nach der Präsentation beim gbs-Jubiläum am Freitag war sie am Mittwoch bereits wieder „auf Achse“. Sympathiewerbung vom Feinsten. Hier ihr Bericht:

10805423_854139747950341_91075173_nNachdem die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf am Vortag den Veranstaltungsort, ohne nachvollziehbare Begründung, gecancelt hat, traf sich das interessierte Publikum im V6 um dem Beitrag von Mina Ahadi zu lauschen. Trotz Improvisation und einem daraus resultierenden Platzmangel, haben es die Veranstalter Düsseldorfer Aufklärungsdienst DA! und Der Zentralrat der Exmuslime geschafft einen informativen Abend auszurichten. Leider verlief der Abend mit einer lautstarken Störung durch einen ungebetenen Gast aus der rechten Szene, dieser konnte aber, ohne größeren Schaden anzurichten, der Örtlichkeit verwiesen werden.

Frau Ahadi begann Ihren Vortrag mit einer kurzen Zusammenfassung ihrer Lebensgeschichte, ergreifend berichtete sie über das Todesurteil, das über sie verhängt wurde und machte deutlich dass sie auch hier in Deutschland nicht die Sicherheit genießt die jedem Menschen zusteht. Sie thematisierte die Menschenrechtsverletzung der islamisch geprägten Länder und führte an, dass ein Dialog mit fundamentalistischen Muslimen schier unmöglich ist, diese aber im Grunde nur eine Minderheit stellen. Um genauere Zahlen festzustellen forderte Mina Ahadi ein Referendum zum Thema.

Im Verlauf der Veranstaltung wiederholte sie mehrfach dass Islamkritik, sowie Kritik an allen Religionen nicht nur berechtigt, sondern notwendig ist. Die Angst als Rassist dargestellt zu werden ist leider allgegenwärtig, aber völlig unbegründet. Sie verwies auf die Tatsache dass der Islam keine Rasse, sondern eine Ideologie ist und demnach keine Rechte besitzt. Mit „Nicht Muslime sondern Menschen besitzen Rechte“ verdeutlichte sie ihren Standpunkt. „Wenn es heißt Gott will dass ich dich töte oder dich vergewaltige, dann brauche ich keinen Gott!“ so ihre Aussage bei der man all die Enttäuschung über diese absurde Rechtfertigungshaltung förmlich spüren konnte. Eine bewundernswerte Frau die alle Anwesenden mit ihrer Erzählung über junge Frauen in Todeszellen tief berührte, mit ihrer Ratio überzeugte und mit ihrem Kampfgeist beeindruckte.

Die anschließende Fragerunde brachte eine spannende Diskussion zu aktuellen Geschehnissen rund um das Thema Islam in Gang, wobei auch die politischen Aspekte in Deutschland thematisiert wurden. Auch nach Ende der Veranstaltung ergaben sich einige interessante Gespräche in denen ich feststellen durfte, dass viele der Anwesenden von der Parteigründung wussten, sich aber noch nicht die Zeit genommen hatten sich näher zu informieren. Ich habe ein paar Fragen zur Partei und unseren Standpunkten beantwortet und konnte neben ausschließlich positiver Resonanz auch einige Visitenkarten und Einladungen mit nach Hause nehmen.

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Partei der Humanisten zeigt Flagge!

GBSIn der Nationalbibliothek in Frankfurt a.M. feierte die Giordano-Bruno-Stiftung am 7. November ihr 10-jähriges Bestehen (siehe hier: http://hpd.de/artikel/10486). Zu den geladenen Gästen und Gratulanten gehörten für die kürzlich gegründete Partei der Humanisten der Vorstandsvorsitzende Dieter Fischbach und das Beiratsmitglied Janine Passauer.

Beide waren von dem inhaltlich und organisatorisch hervorragend durchgeführten Festakt mehr als begeistert.

Während des Rahmenprogramms ergaben sich für die Vertreter der jungen Partei zahlreiche Gesprächsgelegenheiten mit den Mitgliedern verschiedener humanistischer Gruppierungen. Die Resonanz war für beide erstaunlich positiv.

„Ich war überrascht, auf so viel Interesse und Zustimmung zu stoßen“, äußerte sich Janine Passauer im Anschluss an die Veranstaltung.

Dieter2In kurzen Gesprächen mit den beiden humanistischen Politikern, zeigten auch die humanistischen Schwergewichte, Michael Schmidt-Salomon und Carsten Frerk, Interesse an der Entwicklung der jungen Partei.

„Vergleicht man unser bislang erarbeitetes Parteiprogramm mit Schmidt-Salomons Streitschrift „Keine Macht den Doofen“, so stellen wir eine erstaunlich hohe Übereinstimmung mit den dort abgeleiteten politischen Forderungen fest“, äußerte sich der Vorstandsvorsitzende Dieter Fischbach.

Im Zuge der Gespräche ergaben sich auch konkrete Einladungen, die junge Partei mit ihren Zielen und Forderungen in der humanistischen Szene in Köln und Mannheim bald möglichst vorzustellen.

„Diese Angebote werden wir gerne annehmen und wir hoffen, dass wir die Basis für eine Partei der Humanisten in der humanistischen Gemeinschaft so zügig weiter verbreitern können“, versicherte Dieter Fischbach.

Auf die weitere Entwicklung dieser neuen politischen Kraft, die es sich zum Ziel gesetzt hat, humanistisch denkenden und religiös ungebundenen Menschen eine politische Stimme zu geben, dürfen wir wohl alle gespannt sein.

Janine mit Philipp Möller

Bericht: Dieter Fischbach

Fotos: Janine Passauer

 

 

 

 

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